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·4. Oktober 2026
Nach 20 Jahren im Nationaltrikot schämt sich Modrić zum ersten Mal

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Seit 20 Jahren reist Luka Modrić zur kroatischen Nationalmannschaft. Er hat ein WM-Finale gespielt, eine WM-Bronzemedaille gewonnen, eine Nations-League-Finale erreicht. Am Samstagabend, nach dem 0:7 gegen England im Stadion Rujevica, sagte er etwas, das er nach eigener Aussage noch nie gesagt hatte: Zum ersten Mal habe er sich geschämt.
„Man kann verlieren, sie sind besser“, sagte der 41-Jährige. „Aber so zu verlieren und den Ruf zu ruinieren, den wir uns über Jahre erarbeitet haben, ist inakzeptabel.“ Es sei ein katastrophaler Abend gewesen, einer, den er so noch nie erlebt habe.
Die Zahlen sind schnell erzählt. Zur Pause führte England 4:0, Jude Bellingham hatte in der 21. Minute getroffen, Anthony Gordon in der 39., dazu kamen Tore von Harry Kane und Bukayo Saka. Nach dem Seitenwechsel legte Kane in der 53. Minute nach, Saka erhöhte in der 68. auf 6:0, und in der 87. Minute setzte Morgan Rogers den Schlusspunkt. Kane und Saka trafen jeweils doppelt.
Das ZDF beschrieb eine englische Mannschaft, die sich „phasenweise in einen Rausch“ spielte, gegen einen „völlig überforderten Gegner“. Für Kroatien war es die höchste Niederlage seit der Unabhängigkeit, schlimmer als das 0:6 gegen Spanien 2018 in Elche. Die bislang höchste Heimniederlage war ein 1:4 – ebenfalls gegen England.
Die kroatische Presse fiel entsprechend aus. 24sata urteilte, die „Karierten“ hätten „das schlechteste Spiel in der Geschichte der Nationalmannschaft“ abgeliefert. Večernji list stellte fest, Kroatiens Verteidigung scheine „nicht existent“ zu sein. Ein Kommentator, den die Sportschau zitiert, wurde noch deutlicher: „Das ist eine unnatürliche, inakzeptable Katastrophe! Nicht, dass wir nicht zur Elite gehören würden, wir sind zu San Marino geworden.“
Es ist ein Vergleich, der wehtut, weil er umgekehrt jahrzehntelang galt. Kroatien war die Mannschaft, die kleine Nationen deklassierte. In Rijeka war es andersherum.
Der Mann, der das verantworten muss, ist erst seit Kurzem im Amt. Slaven Bilić, schon von 2006 bis 2012 Kroatiens Trainer, ist in seine zweite Ära gestartet – und nach drei Spielen bereits in Bedrängnis, wie der ORF schreibt. Am Dienstag hatte Kroatien in Spanien 1:4 verloren. Zwei Niederlagen, elf Gegentore, ein eigenes Tor.
Dass das Spiel überhaupt vor ausgedünnter Kulisse stattfand, gehört zur Vorgeschichte: Kroatien musste wegen einer UEFA-Sanktion ohne reguläre Zuschauer antreten. Statt eines Geisterspiels saßen Kinder und Jugendliche auf den Tribünen. Sie sahen die Mannschaft, die vor 108 Tagen bei der WM in Nordamerika noch 2:4 gegen England verloren hatte, diesmal ohne jede Gegenwehr.
Für Thomas Tuchel ist es die Antwort auf eine Woche, in der die englische Presse seine Mannschaft nach dem 2:3 gegen Spanien als „Defensively Not Able“ verspottet hatte. Gegen Kroatien stand hinten die Null, vorne trafen fünf verschiedene Spieler. England festigte Platz zwei in Gruppe A3 hinter Weltmeister Spanien, der am selben Abend gegen Tschechien gewann.
Modrić ist Rekordnationalspieler Kroatiens, spielt mit 41 Jahren weiter für den AC Mailand und hat in den vergangenen Jahren immer wieder offengelassen, wie lange er noch für sein Land aufläuft. Er hat dieses Team durch seine größten Erfolge geführt. An diesem Abend musste er erklären, warum es seinen Ruf ruiniert hat.
Am Dienstag wartet mit dem Rückspiel gegen Spanien bereits die nächste schwere Aufgabe. Für Kroatien geht es nach diesem Wochenende um weit mehr als Punkte in der Nations League. Es geht um die Frage, die Modrić selbst gestellt hat: was von dem Ruf übrig bleibt.







































