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·1. August 2026

Nach dem Rückzieher: Wie sicher sitzt Infantino noch im Sattel?

Artikelbild:Nach dem Rückzieher: Wie sicher sitzt Infantino noch im Sattel?

Der Investoren-Deal ist vom Tisch, die Schlagzeilen sprechen von einer Niederlage für Gianni Infantino. Doch reicht das, um seine Position an der FIFA-Spitze wirklich zu gefährden? Ein Blick auf die Wiederwahl 2027, die zerrüttete Beziehung zu Europa und die Frage, wie realistisch ein vorzeitiger Abgang tatsächlich wäre.

Vier Tage vom Vorschlag zum Rückzug

Was viele Beobachter überrascht hat, ist vor allem das Tempo: Erst Ende Juli hatte die FIFA ihr Konzept für die Investorenpläne offiziell vorgestellt, keine vier Tage später war es bereits wieder vom Tisch. FIFA-Präsident Gianni Infantino begründete die Kehrtwende damit, dass das Projekt zu Spaltungen geführt habe, die dem eigentlichen Ziel nicht mehr dienten. Wer die Vorgeschichte – von der Ankündigung über die Dringlichkeitssitzung der UEFA bis zum Rücktritt seines Beraters Carlos Cordeiro – bereits kennt, für den ist vor allem eine Frage interessant: Was bedeutet dieser beispiellose Rückzieher für Infantino selbst?


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Die eigentliche Nachricht hinter der Nachricht

Auffällig ist, wie die internationale Presse den Vorgang einordnet. Während deutschsprachige Medien meist sachlich über die Aufgabe der Pläne berichteten, wählte der Schweizer Sender n-tv eine deutlich zugespitztere Überschrift: „Das Ende des Gianninismus – was wird nun aus Infantino?“ Noch pointierter formulierte es die „New York Times“, die den Rückzug direkt mit einem Machtkampf verband: Die FIFA gebe ihre Investitionspläne auf, „während Infantino um seine Zukunft kämpft“. Diese Zuspitzung ist bemerkenswert, weil sie über die reine Sachfrage der Investorenpläne hinausgeht und Infantinos persönliche Position ins Zentrum rückt.

Wie realistisch ist ein Rücktritt tatsächlich?

Trotz der dramatischen Schlagzeilen zeichnet ein Blick auf die Zahlen ein nüchterneres Bild. Infantino hatte bereits Ende April beim FIFA-Kongress in Vancouver angekündigt, im März 2027 in Rabat zum vierten Mal als Präsident zu kandidieren. Bis zum 18. November können Gegenkandidaten vorgeschlagen werden – bislang hat sich niemand erklärt. Die Konföderationen aus Südamerika, Afrika und Asien hatten ihm ihre Unterstützung für die Wiederwahl schon vor dem Investoren-Streit zugesichert.

Rein rechnerisch ergäbe das mit rund 110 von 211 Stimmen bereits eine Mehrheit, selbst ganz ohne Zustimmung aus Europa. Ein sofortiger Rücktritt oder eine Abwahl außerhalb des regulären Wahlzyklus gilt unter Experten daher weiterhin als unwahrscheinlich – möglich wäre das laut Statuten ohnehin nur bei einem freiwilligen Rückzug oder dauerhafter Amtsunfähigkeit, wonach zunächst die Vizepräsidenten übernehmen würden.

Ein zunehmend zerrüttetes Verhältnis zu Europa

Dass der Investoren-Streit dennoch tiefe Spuren hinterlässt, zeigt sich am Verhältnis zwischen Infantino und UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Die beiden gelten schon länger als zerstritten, und Ceferin hatte diese Distanz zuletzt demonstrativ sichtbar gemacht, indem er dem WM-Finale fernblieb – nach Einschätzung der britischen „Times“ ein bewusstes Signal für die Kluft zwischen FIFA und UEFA. Auch der Fall um die aufgehobene Rotsperre des US-Stürmers Folarin Balogun, angeblich nach einem Anruf von US-Präsident Donald Trump bei Infantino zustande gekommen, hatte die UEFA bereits scharf kommentiert: Wenn die Regelsicherheit nicht mehr von ihren eigenen Hütern gewährleistet werde, stehe die Integrität des Spiels auf dem Spiel.

Die alte Garde meldet sich zu Wort

Verschärft wird die Debatte um Infantinos Zukunft durch die anhaltende Kritik seines Vorgängers Joseph Blatter, der frühere Investoren-Vorstöße Infantinos bereits in der Vergangenheit als unrealistisch und als „Ausverkauf des Fußballs“ bezeichnet hatte und diese Linie fortsetzt. Auch der DFB positionierte sich zurückhaltend: Bei der Wiederwahl Infantinos 2023 in Kigali hatte der deutsche Verband ihm die direkte Unterstützung verweigert, ohne dass dies langfristige Folgen hatte – ein Muster, das sich mit Blick auf 2027 wiederholen könnte, ohne das Ergebnis der Wahl selbst infrage zu stellen.

Was das für den weiteren Verlauf bedeutet

Unterm Strich ergibt sich ein zwiespältiges Bild: Kurzfristig ist Infantino mit den Investorenplänen einen spektakulären Rückzieher eingegangen, den internationale Medien unisono als Niederlage werten. Politisch hat sich mit Cordeiros Rücktritt, Burnhams offener Rücktrittsforderung und dem fortgesetzten Ceferin-Zerwürfnis eine Front gebildet, die vor wenigen Wochen so nicht absehbar war. Strukturell aber bleibt seine Position bis zur Wahl in Rabat im März 2027 kaum angreifbar, solange die großen Konföderationen außerhalb Europas an ihrer Unterstützung festhalten. Ob sich daran etwas ändert, dürfte sich erst zeigen, wenn die Bewerbungsfrist für mögliche Gegenkandidaten im November endet.

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