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·31. März 2026
Nach den Tests: So WM-reif ist Nagelsmanns DFB-Elf aktuell

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·31. März 2026

Zwei Spiele, zwei Siege und trotzdem bleiben Fragezeichen: Die deutsche Nationalmannschaft startet mit einem 4:3 gegen die Schweiz und einem 2:1 gegen Ghana ins WM-Jahr, zeigt dabei aber ein ambivalentes Gesamtbild. Zwischen offensivem Potenzial und strukturellen Problemen wird deutlich, dass der Weg zur Turnierreife noch lang ist.
Die beiden Testspiele liefern dabei ein recht klares Bild vom aktuellen Stand der Mannschaft. Dabei sind weniger die Ergebnisse entscheidend, sondern eher die Entwicklung, Balance und Rollenverteilung.
Was sofort auffällt: Deutschland kann Spiele jederzeit kippen. Gegen die Schweiz war es vor allem Florian Wirtz, der mit Toren und Vorlagen zum Unterschiedsspieler wurde, gegen Ghana sorgte Joker Deniz Undav für den späten Sieg. Dazu kommt mit Lennart Karl ein weiterer Spieler, der als Impulsgeber von der Bank funktioniert und mit seiner Unbekümmertheit sofort Wirkung entfaltet.

Foto: Getty Images
Gleichzeitig wird im Sturmzentrum ein Problem sichtbar. Nick Woltemade konnte seine Chance in der Startelf gegen Ghana nicht wirklich nutzen: gute Ansätze, ein Lattentreffer, aber wenig Durchschlagskraft. Er wirkt aktuell noch nicht wie eine klare Lösung. Kai Havertz wiederum ist gesetzt, traf gegen Ghana per Elfmeter. Er war lange raus und das spürte man. Undav, der beim VfB Stuttgart in Form ist, spielte insgesamt nur eine Halbzeit, in der er spielerisch nicht glänzte. Genau hier bleibt die Frage offen: Wer ist im Sommer die klare Nummer neun?
Das größere Problem liegt aber in der Konstanz. Über längere Phasen fehlt es der DFB-Elf noch an klaren Abläufen im letzten Drittel. Zwar gelingt es immer wieder, durch Tempo und individuelle Qualität Chancen zu kreieren, doch die Geduld im Ballbesitz ist nicht durchgehend vorhanden. Gerade gegen defensiv kompakte Gegner, wie Ghana über weite Strecken, fehlt es dann an der nötigen Präzision, um sich kontrolliert Chancen zu erarbeiten.
Noch deutlicher wird das auf der anderen Seite des Feldes. Schon gegen die Schweiz kassierte Deutschland drei Gegentore nach individuellen Fehlern und unsauberem Aufbau, gegen Ghana war die Defensive zwar phasenweise stabiler, aber weiterhin anfällig für Umschaltmomente.
Das Grundproblem ist dabei struktureller Natur. Wenn Deutschland kontrolliert spielt, ist die Absicherung meist gegeben. Doch sobald die Ordnung verloren geht, wie durch ungeduldige Offensivaktionen oder riskante Pässe im Aufbau, entstehen sofort Räume für den Gegner. Genau diese Situationen führten in beiden Spielen zu gefährlichen Szenen.

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Nagelsmann brachte es nach dem Ghana-Spiel selbst auf den Punkt: „Die Mannschaft macht sich das Leben selber schwer.“ Für ein extra langes WM-Turnier, in dem Effizienz entscheidend ist, kann genau das zum Nachteil werden. Hier fehlt es noch an der nötigen Reife und Disziplin.
Ein klarer Fortschritt ist hingegen in der Kaderstruktur zu erkennen. Die Rollen innerhalb der Mannschaft sind weitgehend definiert, große Diskussionen bleiben aus. Spieler wie Kimmich, Wirtz oder Havertz haben ihre Aufgaben, auch die Hierarchie wirkt gefestigt.
Die Tests haben aber auch gezeigt, dass die Qualität in der Breite nicht auf dem gleichen Niveau liegt. Doch hier bleibt ein wichtiger Faktor zu erwähnen: Die DFB-Elf spielte nicht in Bestbesetzung. Beispielsweise fehlten Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic oder Felix Nmecha. Das relativiert einige Schwächen.
Gleichzeitig gibt es positive Ausnahmen. Joker wie Undav oder Karl bringen Energie und neue Impulse ins Spiel. Gerade diese Rolle könnte im Turnier wichtig werden, wenn Spiele von der Bank aus entschieden werden müssen.

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Unterm Strich ergibt sich ein typisches Bild einer Mannschaft im Entwicklungsprozess. Deutschland hat klare Stärken, vor allem in der Offensive und im Umschaltspiel, aber auch offensichtliche Schwächen in der Balance, Struktur und Konstanz.
Die Gruppenphase mit Curacao, Ecuador und der Elfenbeinküste ist machbar, keine Frage. Deutschland wird hier Favorit sein. Doch genau diese Gegnerprofile (tief stehen, schnell umschalten) könnten die aktuellen Schwächen offenlegen. Spätestens in der K.o.-Phase gegen Topteams wie Frankreich oder Spanien wäre die aktuelle Balance ein Problem.
Die Richtung stimmt, die Basis ist vorhanden, doch für ein Turnier auf höchstem Niveau fehlt aktuell noch die Stabilität. Die DFB-Elf ist konkurrenzfähig, aber noch nicht abgeklärt genug, um konstant auf Topniveau zu agieren. Nagelsmann hat eine funktionierende Mannschaft geformt, aber eben noch keine fertige Turniermannschaft. Bis dahin bleiben noch Tests gegen Finnland und die USA und vor allem Zeit, um die offenen Baustellen zu schließen, und genau die wird es brauchen.









































