90min
·29. April 2026
Nach Party in Paderborn: Muslic bestätigt 90min-Vermutung

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·29. April 2026

Die Spielzeit 2025/26 zeigt, dass das Leben als Fan von Schalke 04 noch viel Schönes zu bieten hat und nach zuletzt recht holprigen Spielzeiten mit Abstiegsängsten und Chaos innerhalb des Vereins stehen die Knappen nun kurz vor der Rückkehr in die Bundesliga und können am kommenden Samstag im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf möglicherweise die große Aufstiegsparty lostreten.Das Gesicht des Aufschwungs in Gelsenkirchen ist dabei hauptsächlich Cheftrainer Miron Muslic, der zusammen mit Sportvorstand Frank Baumann den wankenden Giganten wieder auf die Füße gestellt hat und mit Mut in die Zukunft blicken lässt.
Doch die Schalker Erfolgsgeschichte ist vielschichtig. Das hat Miron Muslic am vergangenen Wochenende nach dem Auswärtssieg beim SC Paderborn deutlich gemacht und damit eine 90min-Vermutung aus dem vergangenen Winter bestätigt.
Schalke gewann das Topspiel gegen den ärgsten Verfolger im Rennen um die Tabellenspitze im deutschen Unterhaus nach einem 0:2-Rückstand am Ende noch spät und nicht unverdient mit 3:2 und verdeutlichte dabei abermals, dass man endlich wieder gefestigter ist als in den Jahren zuvor.
Wagen wir einen kleinen Rückblick auf den 1. Februar dieses Jahres. Damals, kurz nachdem Schalke die Transfers von Edin Dzeko und Dejan Ljubicic eingetütet hatte, kam ich ins Grübeln. Handelte es sich erneut um unüberlegt wirkende Transfers, wie man sie aus jüngerer Vergangenheit kannte und bei denen viel Geld in den Sand gesetzt wurde? Oder war es abermals blindes Handeln, weil die klangvollen Namen der beiden Neu-Stars einfach nur als Stimmungsbooster herhalten sollten?

Der Dzeko-Transfer sorgte für einen Knall in Fußballdeutschland | Jan Fromme - firo sportphoto/GettyImages
Was wollte das bis dato eher aus einer soliden Defensive agierende Schalke mit einem Strafraumstürmer wie Dzeko und einem Spielmacher wie Ljubicic anfangen, wenn die große Offensivgefahr doch eigentlich über schnelles Umschaltspiel und freche Konter erfolgte?
Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, denn ich hatte eine vermeintlich erfreuliche Weiterentwicklung auf Schalke ausgemacht, die man jahrelang vorher vermisste und dann schon nicht mehr zugetraut hatte. Was, wenn diese beiden Transfers weit mehr als nur Transfers waren? Wenn diese detailliert geplant und zurechtgelegt wurden und letztlich als fehlende Puzzlestücke in einen vor Weitsicht strotzenden Plan eingefügt wurden, der die Festigung der Königsblauen auch außerhalb des Fußballrasens darstellen sollte?
Meine Vermutung damals nach der erfolgreichen Hinrunde: Schalke hat die erste Saisonhälfte sachlich und fachlich analysiert und sich das Ziel gesteckt, den Aufstieg anzupeilen. In diesem Zuge schien es mir so, als hätte man im Winter den gemeinsamen Nenner gefunden, dass eine Fortsetzung der Herangehensweise aus der Hinrunde in der Rückrunde nicht mehr funktionieren würde, da sich die Gegner nun dem Schalker Erfolgsmodell aus Abwehrbollwerk und Umschaltspiel annehmen und den Knappen so ihrer bis dahin größten Stärke berauben würden.

Die Erfolgsarchitekten des FC Schalke 04: Miron Muslic und Frank Baumann | picture alliance/GettyImages
Eine gewagte These für einen Klub, der sich sportlich gerade erst vor wenigen Monaten stabilisiert hatte und im ersten Halbjahr der Saison teilweise sogar europäische Spitze war, was defensive Statistiken anging. Würde man, gerade erst wieder mit beiden Füßen auf dem Boden, wirklich alles über Bord werfen, was einen an die Spitze der 2. Bundesliga geführt hat, und sich in seiner Herangehensweise über den Winter quasi komplett neu erfinden, um auch in der Rückrunde das Spitzenteam im deutschen Unterhaus zu bleiben? Kaum zu glauben und dennoch ließ mich das Bauchgefühl nicht los, dass Schalke wirklich durchdacht handelte und die Deals um Dzeko als Anstoß für den Neustart mitten in der Saison hernimmt.
Kehren wir zurück ins Hier und Jetzt. Am vergangenen Sonntag, nach dem Auswärtssieg beim SC Paderborn, bestätigte Miron Muslic live am Sky-Mikro tatsächlich, was ich im Februar vermutet hatte. Der Schalker Cheftrainer sagte dort: "Wir haben das gut vorbereitet, die letzten zehn Monate. Phase eins war: Stabilisieren. Einfach eine kompakte Mannschaft auf den Platz bringen. Dann haben wir gewusst, Ende Dezember/Januar, das wird sich nicht mehr ausgehen."
Und mehr noch: "Wir haben das System geändert, obwohl wir die defensiv beste Mannschaft in Deutschland gehabt haben, teilweise Europas, als Spitzenreiter, als Tabellenführer – das macht keiner. Weil wir erkannt haben, dass wir den nächsten Schritt gehen wollen, dass es Richtung Attacke gehen soll, dass wir das nicht mehr nur schaffen wollen mit nur Verteidigen."
Der Beweis! Also nicht der Beweis, dass ich große Ahnung von Fußball oder hellseherische Gaben hätte, sondern der, dass Schalke den bevorstehenden Aufstieg bereits im Winter geplant und sich zurechtgelegt hat und mit weitsichtigen Überlegungen den drohenden Gefahren der Rückrunde zuvorgekommen ist. Dieses riskante Treiben wird höchstwahrscheinlich am kommenden Wochenende mit dem verdienten Aufstieg belohnt. Dafür haben die Verantwortlichen in Gelsenkirchen nach jahrelanger Kritik mehr als nur einen Schulterklopfer verdient.

FC Schalke 04 | Jürgen Fromme - firo sportphoto/GettyImages
Schalke ist wieder da - und das mein ich nicht nur mit Bezug auf die bevorstehende Erstligazugehörigkeit. Doch ebenso wie der Klassenerhalt in der kommenden Saison wird auch das Beibehalten dieser wiederentdeckten Linie im Klub ein harter Kampf der zu jeder zeit alles von allen abverlangen wird.
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