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·8. Juli 2026

Nach Vorwürfen von Ägypten: Ist Argentinien das Lieblingskind der FIFA?

Artikelbild:Nach Vorwürfen von Ägypten: Ist Argentinien das Lieblingskind der FIFA?

Ägypten erhebt schwere Vorwürfe gegen Argentinien und die FIFA. Was ist dran am Mythos, dass Argentinien von der FIFA bevorzugt wird?

Argentinien setzte sich bei der WM 2026 im Achtelfinale gegen Ägypten durch und drehte dabei einen 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg. Nach der Partie kamen von ägyptischer Seite scharfe Vorwürfe: Man wolle Messi bei der WM 2026 im Turnier halten, es gehe um Geld.


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Auf der anderen Seite hatten die Ägypter aber auch berechtigte Einwände, etwa vor dem 2:3 gab es gleich zwei kleinere Fouls der Argentinier im eigenen Strafraum. Statt 2:3 hätte Ägypten auch einen Elfmeter bekommen und selbst das 3:2 erzielen können.

Gräfe sieht Vorteil für Südamerika-Teams

Interessant ist auch, dass Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe immer wieder über machtpolitische Interessen im Fußball spricht, die auch Einfluss auf die Schiedsrichter haben. Eine seiner Kernthesen lautet, dass die Länder aus Südamerika eine enorme Lobby bei der FIFA und den Schiedsrichtern besitzen.

Dass es Lobbyarbeit im Hintergrund gibt, gehört zum Ränkespiel im Fußball dazu. Aber reicht das aus, um daraus eine Verschwörungstheorie wie „Die FIFA will, dass Argentinien den Pokal gewinnt“ zu bilden, wie es die Ägypter nun tun?

1978 und 1986 gewann Argentinien die WM-Titel durch Betrug

Tatsächlich hat Argentinien in der Geschichte der WM oftmals von Schiedsrichterentscheidungen profitiert. Am bekanntesten ist das Beispiel aus dem Viertelfinale der WM 1986, als die Legende Diego Maradona „mit der Hand Gottes“ ein Tor gegen England erzielte (2:1). Diese Aktion wird heutzutage weltweit glorifiziert, sie war aber schlichtweg Betrug. Ein glasklares Handspiel, das nicht geahndet wurde und Argentinien auf dem Weg zum WM-Titel half.

Auch 1978, als Argentinien zum ersten Mal Weltmeister wurde, lief nicht alles mit rechten Dingen ab. Die WM fand in Argentinien statt, damals unter einer Militärdiktatur. Um ins Finale einzuziehen, benötigte Argentinien einen hohen Sieg gegen Peru, um Brasilien noch abzufangen.

Argentinien gewann 6:0. Später gab ein Spieler aus Peru zu, dass sechs Peruaner bestochen worden waren. Auch sollen die beiden Länder Absprachen getroffen haben. Zufällig wurde auch die Anstoßzeit verlegt, sodass genau abgesichert war, welches Ergebnis Argentinien für den Finaleinzug benötigte. Die taz fasst die Vorfälle zusammen.

Auch beim letzten WM-Titel 2022 profitierte Argentinien erheblich von Schiedsrichterentscheidungen. Am auffälligsten war es im WM-Finale gegen Frankreich beim Elfmeterschießen.

Auch WM-Finale 2022 wurde unfair gewonnen

Der Psychologe und Elfmeter-Experte Geir Jordet analysierte nach dem Endspiel die Tricks der Argentinier. Der viel gelobte Schiedsrichter Marciniak griff damals gegen die Unsportlichkeiten von Martínez und Co. nicht ein. Martínez hatte die Tricks zuvor bereits bei der Südamerika-Meisterschaft und im Viertelfinale gegen die Niederlande angewendet.

Auch bei dieser WM profitierten die Argentinier schon von Schiedsrichterentscheidungen. Lionel Messi hätte in der Gruppenphase für ein Treten durchaus Rot sehen können. Für ein ähnliches Vergehen flog der US-Stürmer Balogun gegen Bosnien vom Platz.

Argentinien wurde gegen Deutschland benachteiligt

Gab es aber auch Weltmeisterschaften, die gegen Argentinien liefen? Einigen deutschen Fans dürfte das Finale der WM 1990 in Erinnerung sein. Der Elfmeter, den Andy Brehme zum 1:0-Sieg verwandelte, ging einem Foul nicht voraus. Es war eine Fehlentscheidung. Allerdings hatten die Argentinier Minuten zuvor ein schweres Foul im Strafraum begangen, das nicht geahndet wurde. Es war quasi eine Konzessionsentscheidung.

Und im WM-Finale 2014 wurde Argentinien gegen Deutschland tatsächlich benachteiligt. Manuel Neuer hatte im Strafraum mit der Faust einen argentinischen Stürmer (Higuain) umgehauen und danach erst den Ball gespielt. Mit den heutigen VAR-Mitteln hätte es wohl eine Überprüfung und dann Elfmeter für Argentinien gegeben. Es wäre aber noch genug Zeit für Deutschland gewesen, das Spiel zu drehen.

Ist Argentinien also das Lieblingskind der FIFA? In der WM-Geschichte findet man viele Spiele, in denen Argentinien gut wegkam. Allerdings gab es auch Partien, in denen Argentinien benachteiligt wurde. Bei der WM 2026 stehen die Argentinier sicherlich im Plus bei Schiedsrichterentscheidungen, die für sie ausfielen. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass dahinter eine konspirative Macht steht.

Argentinien und Messi profitieren eher von etwas, das auch deutsche Fans unter dem Stichwort „Bayern-Bonus“ (Artikel dazu) kennen: Es geht um eine Art unbewussten Favoriten-Bonus bei Schiedsrichtern. Referees, das wurde wissenschaftlich erwiesen, sind bei favorisierten Teams etwas vorsichtiger bei der Vergabe von Fouls oder nachteiligen Entscheidungen.

Gleichzeitig sind sie etwas großzügiger bei der Vergabe von Elfmetern oder Karten gegen den Gegner.

So lässt sich womöglich auch das 3:2 der Argentinier gegen Ägypten erklären. Die zwei kleineren Fouls der Argentinier gegen Ägypter im eigenen Strafraum reichten dem Schiedsrichter nicht aus, um durch einen Elfmeter den Favoriten stürzen zu lassen. Dass im Gegenzug die Argentinier das 3:2 erzielten, war einfach Pech für Ägypten. Die aufgeregten Ägypter verloren ihre Ordnung, während die erfahrenen Argentinier eiskalt zuschlugen. Der Schiedsrichter wurde zum Sündenbock.

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