Miasanrot
·29. November 2025
Nachspielzeit-Könige: FC Bayern dreht auch gegen St. Pauli das Spiel

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·29. November 2025

Der ersten Niederlage der Saison zum Trotz, ist der FC Bayern in der Liga weiterhin auf Kurs: Gegen St. Pauli wiederholten sich viele Mängel der letzten Wochen zwar, aber am Ende steht der nächste Arbeitssieg, während die Konkurrenz schwächelt.
In Folge der ersten kraftraubenden Niederlage entschloss sich Vincent Kompany auf mehreren Positionen zu wechseln. Kim und Bischof kamen für Upamecano und Stanisić ins Spiel, wodurch Laimer wieder nach rechts rückte, zudem rotierten Guerreiro und Díaz für Gnabry und Olise in die Startformation.
Same procedure as last weekend: Bayern verliert in der Liga zwar weiterhin nicht, aber wie ein Uhrwerk geraten sie in den Anfangsminuten in Rückstand. Diesmal vertändelten zunächst die eigentlich so konstanten Laimer und Kimmich die Kugel und am Ende der Kette verspekulierte sich sogar Manuel Neuer komplett.
Die einst so Unbesiegbaren brauchten ziemlich lange, um wirklich aufzuwachen, auch wenn beide jungen Linksfüßer den Ball je einmal an den Pfosten donnerten. Mit einem Pausenrückstand ging es dann trotzdem nicht in die Kabinen, denn der dritte Linksfuß im Bunde hatte was dagegen. Der für seinen Spielaufbau viel gescholtene Min-Jae Kim überspielte mit einem fabelhaften Pass die gesamte Pauli-Kette, Díaz ging noch einige Meter, wurde niedergerungen, reklamierte auch auf Strafstoß, schaffte es aber trotzdem im Fallen noch auf Guerreiro zu geben, der seine schwache erste Hälfte mit einem Torerfolg beschönigen konnte.
Die zweite Halbzeit bot dann ein simples Bild: St. Pauli zog sich mit Mann und Maus zurück und überließ dem FC Bayern den Ball (80%-Ballbesitz waren es am Ende), dieser wiederum belagerte Paulis Strafraum wie die Orks Helms Klamm. Bis auf einen halbherzigen Konterversüchlein kurz vor Schluss konnte die Südkurve Ferngläser auspacken.
Allzu viel sprang aus dieser Belagerung aber nicht heraus, mit Kane traf noch ein dritter Spieler das Aluminium, bis zur Nachspielzeit war man noch unter zwei Expected Goals, ein Chancen-Feuerwerk sah anders aus.
Statt des weiteren Gala-Auftritts wurde es “nur” ein Arbeitssieg: In der 93. Spielminute fand eine abgefälschte Flanke Kimmichs Kane und Díaz, die beiden konnten sich fast noch absprechen, wer denn nun das Tor erzielen solle, am Ende wurde es der Kolumbianer mit der Schulter.
Die Hamburger warfen nun alles nach vorne und rannten hinten in einen Konter: Im Zweikampf mit Serge Gnabry bugsierte Smith den Ball nach hinten zum durchgebrochenen Jackson. Hatte der Senegalese nun wirklich auf dem Schirm, dass er nur durch die misslungene Klärung des Pauli-Spielers nicht im Abseits stand? Das wird wahrscheinlich für immer ein Rätsel bleiben, so oder so stellte er auf den für Pauli überharten Endstand von 3:1.
Das schwere Spiel in London noch in den Knochen, das entscheidende Pokalduell mit Union vor Augen: Eine größer angelegte Rotation der Bayern war erwartet worden, verändert wurde dann aber weniger als vermeintlich gedacht. Vielsagend ist hier vor allem, wer nicht in die Startelf rücken durfte.
Leon Goretzka hat gemischte Wochen hinter sich. Beim FC Bayern war er scheinbar ins zweite Glied gerückt, durfte in der Nationalmannschaft dann aber trotzdem beide Spiele starten, war gegen die Slowakei gar überragend. Für den Verein hat es ihm trotzdem nichts gebracht. Nicht einmal gegen Kellerkind St. Pauli darf er starten und auch unter der Woche wird er abermals nicht beginnen dürfen.
Sogar Tom Bischof spielt durch seine Außenverteidiger-Eignung derzeit mehr als Goretzka, hat komplett Sacha Boey aus der Rotation verbannt. Der Franzose war in den Wochen nach dem Chelsea-Spiel in aller Munde, mittlerweile gibt es aber außer Transferspekulationen wenig zu hören.
Weithin erwartet war am Samstag die nächste Chance für Nicolas Jackson. Kompany betont ja immer wieder, wie sehr er ihn besser sieht als andere. Wie wenig das stimmt, sah man dann aber gegen Pauli: Für die Startelf reicht es trotz vieler Veränderungen nicht, stattdessen darf Lennart Karl zum dritten Mal hintereinander beginnen. Nicht einmal bei Gleichstand weit in der zweiten Hälfte liegend, ist der Senegalese erste Wechselwahl. Nein, erst sieben Minuten vor Schluss, im letzten Wechselfenster, als letzter Spieler ist Jackson gefragt.
Zugegeben, dieses Wortspiel hat der Kapitän wahrlich nicht verdient: Gegen den FC Arsenal zeigt er eine handvoll absoluter Weltklasse-Aktionen, hält sein Team im Spiel. Erntet aber trotzdem am Ende des Tages überall Fünfen, weil er eben an zwei Gegentoren Aktien hatte. Zudem kommen glasklare Fehler gegen Union und den SC Freiburg hinzu.
Manuel Neuer startete exzellent in die Saison, erntete überall wieder Rufe für die Rückkehr zum DFB, nun allerdings ist er im vierten (!) Spiel in Folge mitschuldig an einem Gegentor. Das Tor heute ist natürlich ein Paradebeispiel, wie ätzend der Torwartjob sein kann: Darüber, was Laimer und Kimmich in der Szene machen, wird niemand mehr sprechen, aber so ist das halt und Neuers Fehler ist hier auch selten so von ihm je gesehen. Hountondji kommt aus spitzem Winkel zum Abschluss, hier auf die lange Ecke zu spekulieren, war völlig unnötig.

Tief im Gesicht vergraben, steht die wahre Ursache für des Kapitäns Formkrise.
(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)
Aber wahrscheinlich muss man beim Kapitän gar nicht so tief in die Analyse gehen, denn der wahre Grund für die plötzliche Formkrise haben die Fans bereits woanders ausgemacht: Gemeinsam mit Joshua Kimmich beteiligt sich Neuer am No-Shave-November und kaum ist die Raupe zwischen Oberlippe und Nase als solche zu identifizieren, folgt ein Fehler nach dem anderen! Sogar des Vizekapitäns’ Form ist auf dem absteigenden Ast, alles simple Zufälle? Wohl kaum! Der Schnurrbart raubt Neuer die Kräfte! So und nicht anders muss es sein!
Gott sei Dank ist der verhexte November nun endlich, endlich vorbei, übermorgen kann das teuflische Gestrüpp endlich ab! Formkrise ade!
In vielerlei Hinsicht war dieses Spiel eine Spiegelung des Union-Spiels. Bei beiden Spielen gelangt man früh (durch einen Fehler Neuers) in Rückstand, kommt nicht wirklich in die Gänge, schafft trotzdem kurz vor dem Seitenwechsel den Ausgleich und schießt dann in der Nachspielzeit das zweite Tor.
Kommentatoren sprechen gerne vom “psychologisch günstigen Zeitpunkt”, wenn Mannschaften kurz vor der Halbzeit treffen und dies ist nunmehr das dritte Bundesliga-Spiel im November (!), bei denen die Bayern kurz vor dem Kabinengang noch ausgleichen konnten. Gegen Freiburg holten sie gar einen Zwei-Tore-Rückstand auf.
Die Mentalität stimmt jedenfalls bei dieser Mannschaft, auch wenn die Formkurve mittlerweile deutlich nach unten zeigt nach dem überragenden Saisonstart. Manche mögen die olle Kamelle der “Dusel-Bayern” hervorkramen, doch Glück war nie wirklich dabei. Díaz Traumtor gegen Union war so exzellent gekonnt und gewollt, wie sein Assist nun auf Guerreiro und bei beiden Last-Minute-Treffern laufen die Torschützen hervorragend ein.









































