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·7. Juli 2026

Neuendorf lässt Infantino und die FIFA im Fall Balogun nicht davonkommen

Artikelbild:Neuendorf lässt Infantino und die FIFA im Fall Balogun nicht davonkommen

Nach Trumps Anruf bei Infantino und ausgesetzter Sperre für Balogun verlangt DFB-Chef Neuendorf weitere Aufklärung im Kreis der europäischen Verbände.

Der Fall Balogun ist für den DFB und die UEFA nicht erledigt, auch wenn die FIFA um ihren Präsidenten Gianni Infantino Unschuld beteuert. Bernd Neuendorf, DFB-Präsident und für die UEFA im FIFA-Council, hat auf SID-Anfrage klargemacht, wie er die Sache einordnet: „Wir haben die Reaktion der FIFA zur Kenntnis genommen. Ich bin mir mit der UEFA einig, dass dieser Vorgang nicht zu den Akten gelegt werden darf, zunächst aber unter den europäischen Fußballverbänden weiter besprochen werden muss." Zwei Sätze, die man zweimal lesen sollte. Denn hinter dem verwaltungsförmigen Ton steht die Ansage, dass Europa in diesem Verfahren nicht zur Tagesordnung übergehen wird.


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Zur Erinnerung, was passiert ist: US-Stürmer Folarin Balogun sah im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina beim 2:0 die Rote Karte. Für das Achtelfinale gegen Belgien, das am Ende 1:4 verloren ging, wäre er gesperrt gewesen. Die Disziplinarkommission der FIFA setzte die Sperre aus, Balogun durfte spielen. Vor dieser Aussetzung hatte, das ist der entscheidende Punkt, US-Präsident Donald Trump bei Infantino angerufen und um eine Überprüfung des Falles gebeten.

Man muss diesen Vorgang nicht dramatisieren, um zu erkennen, warum die UEFA scharf reagiert hat, schärfer als sonst. Sie sprach von einer überschrittenen roten Linie. Der Anruf eines Staatschefs bei einem Verbandspräsidenten, der einen Disziplinarfall betrifft, ist genau die Art von Einflussversuch, gegen die sich Verbände seit Jahrzehnten formal wehren. Infantino hat versichert, weder er noch Trump hätten auf die Entscheidung Einfluss genommen. Auch die Kommission selbst beteuerte ihre Unabhängigkeit. Das kann so sein, es ändert aber nichts daran, dass der Anruf stattgefunden hat und die Sperre kurz darauf ausgesetzt wurde.

Genau dort setzt Neuendorfs Satz an. „Nicht zu den Akten legen" bedeutet, den Vorgang als das zu behandeln, was er strukturell ist: eine Frage danach, wie belastbar die Trennung zwischen politischem Zugriff und sportgerichtlicher Entscheidung im Weltverband tatsächlich noch ist. Ob Trump oder Infantino den formalen Beschluss beeinflusst haben, ist die eine Ebene. Die andere ist, dass der Kontakt möglich war, dass er stattfand, dass er sichtbar wurde und dass er im Ergebnis mit einer Regelbeugung zusammenfiel. Wer diese beiden Ebenen sauber trennt, kommt trotzdem zum Ergebnis, dass hier etwas geklärt werden muss.

Dass Neuendorf den Weg über die europäischen Verbände wählt, ist bemerkenswert. Er greift nicht sofort das FIFA-Council an, in dem er selbst sitzt, sondern verlagert die Debatte zurück nach Europa, in den Kreis derer, die die Kritik der UEFA mittragen. Das ist ein Vorgehen, das den Konflikt nicht sofort eskaliert, ihn aber auch nicht kleinredet. Und es signalisiert Infantino, dass die Zustimmung im Council nicht selbstverständlich ist, wenn Fälle wie dieser folgenlos bleiben.

Sportlich hat der Fall Balogun keine Bedeutung mehr. Die USA sind mit 1:4 gegen Belgien ausgeschieden, mit Balogun auf dem Platz. Verbandspolitisch beginnt die Auseinandersetzung erst. Die UEFA hat den Ton gesetzt, Neuendorf hält ihn. Ob am Ende Verfahrensregeln geändert werden, ob es bei einer Rüge bleibt oder ob der Fall in der nächsten Council-Sitzung verhandelt wird, ist offen. Offen ist auch, wie belastbar Infantinos Zusicherung sein wird, dass ein solcher Anruf keine Rolle gespielt hat. Diese Frage geht über eine Rote Karte hinaus, und Neuendorf hat recht damit, sie nicht wegzulegen.

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