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·4. März 2026

Neuer DFL-Sportdirektor: Mehr Leitlinie für die Klubs oder nur ein Papiertiger?

Artikelbild:Neuer DFL-Sportdirektor: Mehr Leitlinie für die Klubs oder nur ein Papiertiger?

Der Ligaverband will stärker steuern. Doch die 36 Profiklubs müssen entscheiden, wie viel Einfluss sie zulassen

Die DFL holt sich einen Sportdirektor. Benjamin Schmedes, bislang beim dänischen Klub Bröndby IF tätig, wird künftig in der Geschäftsleitung des Ligaverbands sitzen und direkt an Geschäftsführer Marc Lenz berichten. Ich gestehe: Meine erste Reaktion war Skepsis. Braucht ein Verband, der die Interessen von 36 Profiklubs bündeln soll, wirklich einen eigenen Sportdirektor?


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Die Antwort der DFL lautet: ja, und zwar im Zuge einer strategischen Neuausrichtung im Gesamtbereich Fußball. Das klingt nach großem Wurf. Doch was bedeutet das konkret? Die offizielle Lesart spricht von sportinhaltlicher Weiterentwicklung und intensiverer Zusammenarbeit mit den Klubs. Übersetzt heißt das: Der Ligaverband will mehr wissen und stärker steuern.

Hier beginnt mein eigentliches Unbehagen. Die Bundesliga lebt davon, dass 36 eigenständige Klubs im Wettbewerb stehen. Jeder mit eigener Philosophie, eigenem Kader, eigener Strategie. Wenn die DFL nun eine Position schafft, die sportliche Schwerpunkte für alle definieren soll, verschiebt sich etwas. Die Frage ist nicht, ob das gut gemeint ist. Die Frage ist, ob die Klubs das wollen. Und ob sie es brauchen.

Schmedes bringt eine internationale Perspektive mit. Der 41-Jährige war in Dänemark im Management Board eines Topklubs. Das ist ein interessanter Hintergrund, aber auch einer, der Fragen aufwirft. Dänemark ist ein kleiner Markt, Bröndby ein ambitionierter Verein mit überschaubaren Ressourcen. Die Bundesliga kämpft um ihre Position im europäischen Vergleich gegen die Premier League, gegen spanische und italienische Klubs mit anderen finanziellen Voraussetzungen. Was genau kann ein Sportdirektor auf Verbandsebene daran ändern?

Ich sehe zwei mögliche Szenarien. Entweder Schmedes wird zum Moderator, der zwischen den Interessen der Klubs vermittelt und gemeinsame Standards entwickelt. Oder er wird zum Strategen, der dem deutschen Profifußball eine Richtung vorgibt, die nicht alle mittragen. Das erste Szenario wäre harmlos, aber auch wirkungslos. Das zweite wäre mutig, aber konfliktreich.

Die DFL spricht von einer sportlich erfolgreichen Zukunft, die man gemeinsam anstrebe. Das ist eine Phrase, die alles und nichts bedeutet. Erfolg im Fußball misst sich in Titeln, in Champions-League-Plätzen, in der Qualität der Nachwuchsarbeit. All das liegt in der Verantwortung der einzelnen Klubs, nicht der Vermarktungsagentur.

Was bleibt, ist eine neue Position in der Geschäftsleitung, neben Finanzen, Recht und Kommunikation. Schmedes wird seinen Platz finden müssen in einem Gefüge, das bisher ohne Sportdirektor sehr gut funktioniert hat.

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