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·4. Februar 2026
Neues Personal & neuer Spielstil? So könnte Werder Bremen unter Daniel Thioune auflaufen

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·4. Februar 2026

In Frankfurt wird Albert Riera schon vor seinem ersten Spiel als Eintracht-Coach gefeiert. Der Spanier stellte sich mit markigen Worten als Toppmöller-Nachfolger vor und kam damit bei vielen Fans sehr gut an. Nicht nach hinten, sondern immer nach vorne sollen die SGE-Stars den Ball passen, schallte es bei Rieras erster Trainingseinheit über den Platz - bestens inszeniert im Video von der Frankfurter Social-Media-Abteilung.
Fünf Autostunden nördlich gab es in dieser Woche ebenfalls einen Trainerwechsel. Nach den Bo-Absagen (Svensson und Henriksen) fiel die Wahl von Werder Bremen auf Daniel Thioune als Steffen-Nachfolger. Die Euphorie um den 51-Jährigen hält sich bei vielen an der Weser aber deutlich mehr in Grenzen als bei Riera am Main.
Thioune wird erstmals als Chefcoach in der Bundesliga an der Seitenlinie stehen. Zuvor hatte er Fortuna Düsseldorf, Werders Erzrivale HSV und den VfL Osnabrück gecoacht. "Wenn Clemens Fritz anruft und ich die Chance habe, eine sehr gute Mannschaft übernehmen zu dürfen - und ich bin definitiv von der Qualität dieser Mannschaft überzeugt - dann ist es ein No-Brainer, dann muss ich nicht lange drüber nachdenken", erklärte Thioune bei seiner ersten Pressekonferenz als Werder-Coach.
Wie Riera in Frankfurt geizte Thioune bei seiner Vorstellung nicht mit markigen Worten zu seiner "Idee vom Fußball", wie es auf den Werder-Kanälen heißt. "Ich möchte sehr schnell nach vorne spielen - Tiefe vor Breite - und möglichst schnell Linien überwinden", lautet eine dieser Ideen."Ergebnisorientiert wäre mir zu banal", führte Thioune aus. "Wenn man gelernter Stürmer war, schießt du lieber ein Tor mehr, als der Gegner dir hinten verpasst. Alles muss sehr ausgewogen und mit einer hohen Intensität verbunden sein. Wir müssen zusehen, dass Energie freigesetzt wird und zu sehen ist, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht, die sich zerreißt."
In Bremen wird sich Thioune um beides kümmern müssen: Vorne mehr Tore erzielen und hinten weniger verpasst bekommen. Mit erst 22 Saisontoren nach 20 Spieltagen stellt Werder die viertschwächste Offensive der Liga. Defensiv zeichnet sich ein ebenso düsteres Bild: Nur Heidenheim und Frankfurt (je 45) sowie Wolfsburg (42) haben mehr Gegentreffer kassiert als Werder (38).Angesichts der prekären sportlichen Lage mit Rang 15, nur einem Zähler Vorsprung auf den 16. Mainz und zehn sieglosen Spielen in Serie muss Thioune sofort liefern. Am besten schon kommenden Samstag (15:30 Uhr) bei seinem Debüt beim SC Freiburg.
"Ich bin jemand, der nach vorne schaut. Da ist der Weg zu einem einstelligen Tabellenplatz gar nicht so weit."- Daniel Thioune
Personell steht der neue SVW-Coach dabei aber vor denselben Fragezeichen wie Vorgänger Horst Steffen. In der Abwehr drückt aufgrund der Ausfälle (Pieper, Wöber, Stark) vor allem in der Innenverteidigung der Schuh. Offensiv fehlt die Durchschlagskraft auch, weil ein echter Torjäger fehlt, der nachhaltig Bundesliga-Niveau unter Beweis stellen konnte. Sportchef Clemens Fritz wird von vielen Werder-Anhängern deshalb auch als Hauptschuldiger für die Talfahrt angesehen.
Wie also wird Thiounes Werder-Mannschaft künftig aussehen - sowohl taktisch als auch personell? Indizien liefert die Vergangenheit. Bei allen seinen drei Profistationen in Osnabrück, Hamburg und Düsseldorf ließ Thioune vorrangig in einem 4-3-3- bzw. 4-2-3-1-System agieren.Ähnliches wollte zuvor schon Steffen umsetzen, nachdem sich in Bremen unter Ole Werner ein 3-4-2-1 etabliert hatte. Zuletzt hatte Steffen aber wieder auf eine Dreierabwehr umgestellt.Ein System, in dem Thioune seine Mannschaften hier und da auch schon agieren ließ - das aber nur sehr sporadisch. Wechselt Werder unter ihm also wieder zur Viererkette?
Auch wegen der wenigen Optionen im Abwehrzentrum könnte das die richtige Maßnahme sein. Wir blicken auf eine mögliche Bremer Topelf unter Thioune:
Im Tor wird auch Thioune an Mio Backhaus festhalten. Der 21-Jährige ist einer der wenigen Lichtblicke in dieser Werder-Saison.Davor hat sich Karim Coulibaly zum Shootingstar aufgeschwungen. Auch wenn der 18-Jährige zuletzt hier und da wackelte: An ihm ist die sportliche Krise sicher nicht festzumachen. Thioune könnte mit Coulibaly und Kapitän Marco Friedl auf zwei linksfüßige Innenverteidiger setzen.
Auf den defensiven Außenbahnen führt weiter kein Weg an Rechtsverteidiger-Leihgabe Yukinari Sugawara vorbei. Auch die Leistungen des 25-jährigen Japaners ließen zuletzt nach, eine gute Alternative sucht man im Kader aber vergeblich. Die andere Außenverteidiger-Leihgabe Isaac Schmidt kann bislang gut und gerne als Flop bezeichnet werden.Links hinten spricht nun alles für den wieder genesenen Felix Agu. Der 26-Jährige kennt Thioune bestens. Vor seinem Werder-Wechsel standen beide gemeinsam in Osnabrück unter Vertrag.
Um Stabilität ins Team zu bekommen, wäre Thioune vor der Viererkette gut beraten, auf eine Doppelsechs zu setzen. Die kann in Bremen eigentlich nur Jens Stage und Senne Lynen heißen. Vor den beiden wäre Romano Schmid als Zehner vermutlich die beste Option.Cameron Puertas könnte etwas mehr Defensivstärke einbringen, konnte in Bremen aber noch kaum überzeugen.
In der offensiven Dreierreihe muss jetzt endlich Samuel Mbangula gesetzt sein. Schließlich ging Werder im vergangenen Sommer voll ins Risiko, als man den 22-Jährigen für zehn Millionen Euro von Juventus verpflichtete. Durch diesen Transfer blieben Fritz für den Rest des Kaders finanziell die Hände gebunden. Fraglich, warum Steffen im Saisonverlauf nicht vehementer auf den Linksaußen setzte. Zwar schwankten dessen Leistungen, einige starke Ansätze (drei Tore, vier Vorlagen) waren aber auch zu sehen. Vielleicht kann Mbangula mit mehr Vertrauen unter Thioune jetzt richtig durchstarten.Auf dem rechten offensiven Flügel kann sich der neue SVW-Coach zwischen Marco Grüll und Justin Njinmah entscheiden. Ersterer bringt mehr Physis mit, Zweiterer mehr Geschwindigkeit.Im Sturmzentrum ist VfB-Leihgabe Jovan Milosevic eigentlich Werders letzte Hoffnung. Unter Steffen durfte der 20-Jährige bei fünf Einsätzen aber erst einmal von Beginn an ran. Thioune sollte dies nun ändern.Keke Topp hat kürzlich mit einem wunderschönen Treffer gegen Gladbach zum Last-Minute-Ausgleich zwar sein erstes Saisontor erzielt. Der 21-Jährige brauchte dafür aber 15 Anläufe. Die meisten Werder-Fans würden wohl zustimmen, dass Topp nicht die Qualität besitzt, um dauerhaft ein Startelf-Stürmer in der Bundesliga zu sein.
Backhaus - Sugawara, Friedl, Coulibaly, Agu - Lynen, Stage - Njinmah, Schmid, Mbangula - Milosevic








































