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·12. August 2026

Newcastle: Woltemade braucht keinen Trost, sondern die Neun

Artikelbild:Newcastle: Woltemade braucht keinen Trost, sondern die Neun

Vier Treffer in fünf Spielen, dann das Mittelfeld: Der neue Mann an der Seitenlinie muss aus dem Missgriff seines Vorgängers lernen.

Bei seiner ersten Pressekonferenz als Teammanager von Newcastle United sagt Matthias Jaissle einen Satz, der wie eine Trainerfloskel klingt: Es gelte, Positionen zu finden, „auf denen sie sich wohlfühlen“. Gemeint sind alle Spieler. Erklärt wird damit vor allem einer. Denn was Nick Woltemade in seinem ersten Jahr auf der Insel widerfahren ist, war kein Einbruch der Fähigkeiten, sondern ein Verwendungsfehler des Klubs. Genau deshalb ist Jaissles freundlichster Satz sein schwächster: „Wir sollten die Vergangenheit ruhen lassen, denn sie ist etwas, das man nicht ändern kann.“ Diese Vergangenheit ist keine Belastung, sie ist die Gebrauchsanweisung. Der Beleg steht in der Chronologie der Saison. Rund 75 Millionen kostete der Wechsel vom VfB Stuttgart im Sommer 2025, und der Nationalstürmer überzeugte auf Anhieb: vier Tore in den ersten fünf Ligaspielen. Danach flachten seine Leistungen ab – auch weil der inzwischen entlassene Teammanager Eddie Howe den Stürmer im Mittelfeld einsetzte. Vier Tore in fünf Spielen zu Beginn, am Ende 16 Torbeteiligungen in 51 Spielen der Gesamtsaison: Diese Kurve beschreibt keinen Spieler, der die Premier League nicht versteht, sondern einen, der aus seinem Beruf herausgenommen wurde. Newcastle beendete die Liga auf dem zwölften Tabellenplatz. Ein Debütjahr mit 51 Einsätzen und 16 Torbeteiligungen ist für einen 24-Jährigen im ersten englischen Winter kein Scheitern, sondern eine Anpassungsphase, und Jaissles Milde hat Substanz: „Ich habe gesehen, dass er eine ziemlich schwierige Zeit durchgemacht hat.“ Wer neu ist, braucht Rückendeckung, nicht die Abrechnung mit dem Vorjahr. Vom ersten Tag an hätten beide viel miteinander gesprochen, sagt der 38-Jährige. Nur ist Anpassung bei rund 75 Millionen eine teure Kategorie. Und Nachsicht mit dem Spieler hat einen Nebeneffekt, den der Klub gern nimmt: Sie nimmt die Institution aus der Haftung. Nicht Woltemade muss sich rehabilitieren, Newcastle muss erklären, warum ein Stürmer dieses Preises Wochen im Mittelfeld verbrachte. Jaissles Ankündigung passt immerhin zur Aufgabe. „Offensiv, intensiv, aggressiv und natürlich erfolgreich“ will er spielen lassen, und die Identität, für die Newcastle bekannt sei, passe eng dazu – „in meinen Augen eine perfekte Kombination“. Ein Trainer, der mit Red Bull Salzburg 2022 und 2023 österreichischer Meister wurde und zuletzt beim saudischen Klub Al Ahli arbeitete, wird kaum einen Mittelstürmer als Aushilfe im Zentrum betrachten. Die Zeit für Experimente ist ohnehin abgelaufen. Am Samstag um 16.00 Uhr steht ein Test im St James’ Park an, vorher geht es unter anderem gegen Bayer Leverkusen, und am 23. August kommt zum Saisonstart der FC Liverpool. Wer im WM-Jahr Tore braucht, sammelt sie nicht in Rückwärtsbewegungen. Jaissle sagt, er sei „sehr optimistisch, aber das gilt nicht nur für Nick, sondern auch für die anderen Spieler“. Der Satz ist korrekt und beschreibt trotzdem das Missverständnis dieser Saison: Ein 75-Millionen-Stürmer ist kein Spieler unter zwanzig, er ist eine Investitionsentscheidung, die eine Position vorgibt. Ruhen darf die Vergangenheit erst, wenn Woltemade wieder dort steht, wo er im ersten Herbst viermal getroffen hat. Bis dahin ist sie kein Ballast, sondern der Beweis, wo Newcastles Fehler lag. Unbedingt lesen: Newcastle: Jaissle will mit Woltemade "nach vorne schauen"

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