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·22. August 2026

Nmecha soll BVB-Führungsspieler werden – warum das für Dortmund eine Wertefrage ist

Artikelbild:Nmecha soll BVB-Führungsspieler werden – warum das für Dortmund eine Wertefrage ist

Bild: Lars Baron/Getty Images

Borussia Dortmund befördert Felix Nmecha wohl in den Mannschaftsrat. Doch inwiefern deckt sich das mit den Wertvorstellungen des Vereins?


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Felix Nmecha soll laut Bild-Zeitung künftig im Mannschaftsrat von Borussia Dortmund sitzen, neben Emre Can, Nico Schlotterbeck, Waldemar Anton und Gregor Kobel. Offiziell bestätigt ist das nicht, aber sportlich ist klar, dass der Mittelfeldspieler mit Vertrag bis 2030 als Zukunftssäule gilt. Dabei entsteht eine Frage, die über den Fußball hinausgeht.

Vom umstrittenen Transfer zur Zukunftssäule

Als der BVB 2023 rund 30 Millionen Euro für Nmecha zahlte, hagelte es Kritik. Grund waren von ihm geteilte und gelikte Inhalte, die als homophob beziehungsweise transfeindlich eingestuft wurden.

Hans-Joachim Watzke und Reinhold Lunow erklärten damals, man habe intensiv mit Nmecha über seine Werte gesprochen. Nmecha selbst äußerte sich in einem offiziellen BVB-Video zu den Vorwürfen:

„Ich glaube, dass einige Dinge aus dem Kontext gerissen wurden“, sagte der Mittelfeldspieler damals gegenüber dem BVB. Er betonte, niemand diskriminieren zu wollen.

Der Verein entschied sich bewusst für Vertrauen. Das war legitim. Menschen können sich entwickeln. Nmecha heute nur auf 2023 zu reduzieren, wäre zu einfach.

Warum die Debatte nicht verstummt

Im September 2025 postete Nmecha nach der Ermordung Charlie Kirks einen Beitrag, der den Aktivisten als jemanden darstellte, der friedlich für seine Überzeugungen eingestanden habe. Der Post wurde gelöscht, der BVB bestellte Nmecha zum Gespräch.

Laut Sport Bild wurde daraufhin eine Social-Media-Klausel in seinem Vertrag verschärft. Künftige Beiträge muss er mit dem Verein abstimmen, bei Verstößen drohen bis zu einer Million Euro Strafe. Auch der DFB kündigte ein Gespräch vor einer erneuten Nominierung an.

Auch bedeutet das nicht, dass Nmecha homophob oder transfeindlich ist. Dafür gibt die Faktenlage nichts her, und DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte 2026, er glaube ihm die Distanzierung von den früheren Vorwürfen. Es bedeutet aber: Die Frage nach seinem öffentlichen Umgang mit kontroversen Themen ist nicht erledigt.

Glaube ist nicht das Problem

Bei der WM 2026 zeigte Nmecha seinen christlichen Glauben offensiv. Nach seinem Tor gegen Curaçao legte er symbolisch eine Krone zu Jesu Füßen und betete nach dem Spiel mit Jonathan Tah und Gegenspielern auf dem Rasen. Daran ist grundsätzlich nichts problematisch. Ein Fußballer darf seinen Glauben leben.

Interessant wird es beim Kontext. Nmecha ist Teil von „Ballers in God“ (BIG), einem 2015 von Ex-Profi John Bostock gegründeten evangelikalen Netzwerk mit mehr als einer halben Million Followern. Bostock bezeichnet er selbst als seinen „Mentor“. Laut Recherchen des ARD-Faktenfinders pflegt Bostock zudem dokumentierte Verbindungen zu Aktivisten der „Awakening“-Bewegung, darunter dem Prediger Ben Fitzgerald. Dabei handelt es sich um eine Strömung, die Kritiker mit einer queerfeindlichen Theologie in Verbindung bringen.

Auch Nmechas Krone-Geste bei der WM war laut Recherchen von MONITOR und Sportschau Teil einer geplanten BIG-Kampagne namens „The King’s Return“. Dass er dem Netzwerk nahesteht, heißt aber nicht automatisch, dass er dessen Positionen teilt. Dafür fehlt der Beleg, und er hat sich wiederholt distanziert. Sein Glaube ist über dieses Netzwerk aber trotzdem auch Teil einer öffentlichen Bewegung.

Hintergrund: Auf dem Weg in den Mannschaftsrat

Dass Nmecha die Mannschaft beim Saisonauftakt gegen die AS Rom als Kapitän aufs Feld führte, war vor allem Personalnot geschuldet. Can und Schlotterbeck fehlten verletzt, Anton wurde geschont. Überinterpretieren sollte man das nicht.

Entscheidender ist der langfristige Plan. Nmechas Vertrag läuft bis 2030, laut BILD soll er fester Bestandteil der künftigen Führungsgruppe sein. Das ist keine spontane Trainerentscheidung, sondern eine strategische Personalentscheidung des Vereins.

Ein Mannschaftsrat ist mehr als eine Ansammlung guter Fußballer. Seine Mitglieder repräsentieren den Klub nach außen. Je größer Nmechas Rolle wird, desto größer wird auch die Reichweite seiner Botschaften, ob problematischer Post oder religiöse Geste.

Fazit

Nmecha muss nicht ewig für 2023 büßen, und sein Glaube darf ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden. Aber mit der größeren Rolle wächst auch die Reichweite von allem, was er sagt und zeigt – im Guten wie im Schlechten.

Genau deshalb reicht „Ich vertraue ihm“ allein nicht mehr aus. Der BVB sollte erklären können, warum ausgerechnet dieser Spieler künftig seine Werte nach außen tragen soll.

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