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·26. Juni 2026
Norwegen vs Frankreich: Wer wird zum potenziellen Deutschland-Gegner?

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·26. Juni 2026

Es dürfte das wohl vielversprechendste Duell der gesamten Gruppenphase sein. Am heutigen Freitag um 21:00 Uhr trifft in Foxborough Norwegen auf Frankreich. Es ist das einzige Spiel am letzten Gruppenspieltag, in dem zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die jeweils sechs Punkte aus den ersten beiden Partien geholt haben. Entsprechend geht es nicht nur um Prestige, sondern auch um Platz eins in Gruppe I.
Nachdem Frankreich zunächst Senegal mit 3:1 und anschließend Irak mit 3:0 besiegte, schlugen die Norweger zum Auftakt den Irak überzeugend mit 4:1. Im Anschluss setzte sich die Auswahl von Stale Solbakken auch gegen Senegal mit 3:2 durch. Aufgrund des späten Anschlusstreffers der Afrikaner rutschte Norwegen wegen des etwas schlechteren Torverhältnisses jedoch auf Rang zwei ab und braucht nun einen Sieg, um noch an Frankreich vorbeizuziehen.
Man könnte argumentieren, dass der Platz an der Sonne im neuen Modus nicht die allerhöchste Relevanz besitzt. Mit Blick auf die möglichen Gegner im Sechzehntelfinale und insbesondere im Achtelfinale gilt das aber nur bedingt. Der Gruppenerste würde, sofern beide Mannschaften ihr Sechzehntelfinale überstehen, im Achtelfinale sehr wahrscheinlich auf die DFB-Auswahl treffen. Während dieses Szenario in Deutschland schon vor Turnierbeginn mit Sorge betrachtet wurde, dürften aber auch Frankreich und Norwegen wenig Interesse daran haben, früh im Turnier auf eine Mannschaft zu stoßen, die bislang die gefährlichste Offensive der WM stellt.
Doch genug in die Zukunft geblickt. Spannender ist ohnehin die Frage, in welchem Zustand beide Teams dieses direkte Duell angehen. Unter vielen Experten gilt Frankreich angesichts dieses außergewöhnlich tief besetzten Kaders als klarer Favorit auf den WM-Titel. Die Equipe tricolore verfügt sowohl in der Spitze als auch in der Breite über einen kaum zu überbietenden Talentepool. Kaum eine andere Nation kann derart mühelos zwischen Weltklassespielern rotieren, ohne dass das Niveau spürbar abfällt.
Vor allem Kylian Mbappe scheint bei seinem Lieblingsturnier wieder exakt im richtigen Moment in Topform zu sein. Der Superstar erzielte in den ersten beiden Spielen bereits vier Treffer und wirkt bislang extrem fokussiert und ehrgeizig. Gerade mit Bayern-Star Michael Olise harmoniert der Kapitän hervorragend. Olise selbst steuerte bereits drei Tore bei und wurde gegen Irak von Didier Deschamps von der rechten Offensivseite ins Zentrum gezogen. Diese Flexibilität macht Frankreich noch schwerer zu verteidigen, weil sich die vorderen Spieler ständig in neue Räume bewegen und kaum klare Zuordnungen zulassen.

Foto: Getty Images
Apropos Deschamps: Der Cheftrainer der französischen Auswahl wird das letzte Gruppenspiel aufgrund eines traurigen familiären Ereignisses verpassen. Seine Mutter verstarb im Laufe der Weltmeisterschaft, weshalb der 57-Jährige aus den USA zu seiner Familie gereist ist. Sportlich dürfte das aufgrund der Eingespieltheit wenig an den grundsätzlichen Abläufen dieser Mannschaft ändern, emotional ist es aber natürlich dennoch ein ungewöhnlicher Faktor.
Doch ganz ohne Fragezeichen ist auch Frankreich bislang nicht. Vor allem auf der linken Seite scheint die Idealbesetzung noch nicht endgültig gefunden zu sein. Im ersten Spiel starteten Theo Hernandez und Desire Doue, gegen Irak durften dann Lucas Digne und Bradley Barcola ran. Hier scheint die französische Auswahl weiterhin zu testen, welche Kombination für die K.o.-Phase die beste sein könnte. Der Härtetest gegen Norwegen dürfte besonders wertvolle Erkenntnisse liefern, weil die Skandinavier mit ihrem Umschaltspiel genau jene Zonen attackieren, in denen kleine Abstimmungsprobleme sofort teuer werden können.

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Wir erinnern uns alle an die zauberhafte Geschichte der Isländer bei der EM 2016, als sie England im Achtelfinale spektakulär besiegten und mit ihrer kollektiven Wucht ganz Europa begeisterten. Angetrieben von ihrem ikonischen Huh-Jubel auf den Rängen. Die Norweger stehen diesem Kultfaktor aktuell kaum nach und transportieren mit ihrem Ruder-Jubel nun eine ganz eigene Energie in diese Weltmeisterschaft. Die Bilder auf den Tribünen sind längst ein Hingucker, die Leistungen auf dem Platz aber ebenso.
Denn Norwegen spielt bislang nicht nur erfolgreich, sondern auch mit einer beeindruckenden Reife. Bereits die überzeugende Qualifikation, unter anderem mit zwei deutlichen Siegen gegen Italien, deutete an, dass in dieser Mannschaft mehr steckt als nur ein weiterer Geheimfavorit, der am Ende doch enttäuscht. Die Mischung aus klarer Spielidee, körperlicher Dominanz und individueller Spitzenklasse funktioniert bislang hervorragend.

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Nach dem ergebnistechnisch überzeugenden Sieg gegen Irak blieben zunächst noch kleinere defensive Fragezeichen, weil der Außenseiter vor allem vor der Pause zu mehreren Hochkarätern kam. Gegen Senegal zeigte Norwegen dann endgültig, wie ernst man diese Mannschaft nehmen muss. Zwar blieb auch dort nicht alles fehlerfrei, doch vor allem die offensive Wucht war bemerkenswert.
Angeführt von den beiden Superstars Erling Haaland und Martin Ödegaard macht diese Auswahl enorm viel Spaß. Haaland steht bereits bei vier Treffern in zwei Spielen und wird mit seinem Torhunger ein Wörtchen im Rennen um die Torjägerkrone mitreden wollen. Ödegaard wiederum ist der strategische Taktgeber, der zwischen den Linien ständig Lösungen findet, das Tempo variiert und die offensiven Abläufe lenkt. Aus dem Zentrum heraus wird zügig die offensive Dreierreihe um Nusa, Haaland und Sörloth gesucht. Ödegaard rückt als Zehner nach und sorgt dort für zusätzliche Gefahr. Wie sich Haaland und Ödegaard teilweise auf engstem Raum gegen Senegal durchkombinierten, war pure Weltklasse.

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Mit Blick auf das Duell wird Frankreich mutmaßlich mehr Ballbesitz haben und geduldig nach Lücken in der norwegischen Defensive suchen. Norwegen dürfte dagegen phasenweise tiefer stehen, kompakt verteidigen und nach Ballgewinnen mit maximalem Tempo umschalten wollen. Die Duelle zwischen Haaland und dem französischen Innenverteidiger-Duo Upamecano/Saliba könnten dabei ebenso entscheidend werden wie die Frage, ob Frankreich die offenen Räume nach Ballverlusten schnell genug schließen kann.
Nuancen dürften dieses Spiel entscheiden. Für neutrale Zuschauer ist es ein echtes Topspiel, für Deutschland zugleich eine Partie mit Blickrichtung K.o.-Phase. Denn neben der beeindruckenden Qualität auf beiden Seiten könnte dieses Duell bereits ein Vorgeschmack darauf sein, welche Mannschaft Deutschland besiegen muss, um bei diesem Turnier ganz weit zu kommen.
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