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·13. März 2026
Özil-Doku wirft Fragen auf: „Keiner kennt ihn“

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·13. März 2026

Hamit Altintop hat mit Mesut Özil bei Schalke 04 und bei Real Madrid gespielt, er nennt den Weltmeister von 2014 seinen „Freund“. Aber, sagt Altintop gleich zu Beginn der dreiteiligen ZDF-Doku „Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden“: „Keiner kennt ihn“, den Menschen Mesut Özil. Das vermögen auch die zweieinhalb Fernsehstunden von Grimme-Preisträger Florian Opitz nicht zu ändern. Özil, schreiben die Macher, „war nicht dazu bereit“, mit ihnen zu reden.
Sehenswert ist die Doku (ab 20. März im ZDF-Streaming-Portal, am 31. März, 20.15 Uhr, im ZDF) dennoch. Weniger, weil sie die Karriere eines Fußballstars detailgetreu nachzeichnet, sondern als Erzählung über Integration und Rassismus in der Bundesrepublik. Özil mag sich dem Blick der deutschen Öffentlichkeit schon seit Jahren entziehen, seine Geschichte aber, sagt Macher Opitz, errege „die Gemüter der Deutschen“ noch immer „extrem“. Sie erzähle „mindestens so viel über die deutsche Gesellschaft und ihren Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund“ wie über Mesut Özil selbst.
Alles beginnt in Gelsenkirchen. In der Stadt, die Özil in einem Interview von 2017, das erstmals im TV zu sehen ist, „meine Heimat“ nennt. Mit der Liebe zu ihr begründet er seine Entscheidung für die deutsche Nationalmannschaft. Gegen jene der Türkei, dem Land seiner Großeltern – was Teile der Familie als „Verrat“ auffassen, wie Vater Mustafa berichtet. Und alles endet mit Özils Bruch mit der DFB-Elf, mit Deutschland – und seiner Hinwendung zu Recep Tayyip Erdogan.
Dazwischen ist: das Foto. Erstmals wirklich thematisiert wird die berühmte Özil-Aufnahme aus dem Mai 2018 mit dem türkischen Staatspräsidenten nach knapp 110 Filmminuten. Sie entsteht zu einer Zeit, so zeigt es die Doku, als sich die Stimmung im Land wandelt. Von der Integrations-Euphorie, die Özil einen Bambi einbrachte, und der Willkommenskultur von 2015 hin zu Pegida-Märschen und AfD-Hochs. Özil spürt, dass er noch immer als „Deutsch-Türke“ wahrgenommen wird, nicht als vollwertiger Deutscher.
Und er versteht nicht, dass das Foto ein Fehler war. „Für Mesut war von Anfang an klar: Wir haben nichts Falsches gemacht“, sagt sein damaliger Berater Erkut Sögüt, Özil habe Erdogan davor „fast jedes Jahr“ getroffen, ohne, dass es interessiert habe. Doch plötzlich wird Özil vom Integrationsmaskottchen zum Diktatorfreund, nach dem historischen Vorrunden-Aus der DFB-Elf bei der WM zum rassistisch angefeindeten Sündenbock.

Foto: Getty Images
„Wer mit Erdogan posiert“, sagt der damalige DFB-Präsident Reinhard Grindel, „kann keinen Platz in der deutschen Nationalmannschaft haben.“ Özils alte Schule in Gelsenkirchen lädt ihn, den sozial engagierten Gönner, aus. „Das“, sagt Berater Sögüt, „hat ihn am meisten getroffen.“ Tief verletzt tritt Özil, für Ex-Bundestrainer Joachim Löw „einer der besten Nationalspieler, den Deutschland je hatte“, aus dem DFB-Team zurück, rechnet mit dem Verband und Deutschland ab.
Seine Karriere bekommt bald einen Knick. Er wechselt in die Türkei, wendet sich noch stärker Erdogan zu, der sein Trauzeuge wird, macht Wahlkampf für dessen Partei AKP und lässt sich das Logo der rechtsextremen Grauen Wölfe tätowieren – ein Wandel, den sich sein früherer Mitspieler Per Mertesacker „nicht erklären“ kann.
Und heute? „Der Mesut“, berichtet Löw, „lebt jetzt in der Türkei, ist weniger in Deutschland oder äußerst selten“, sei auch dem jüngsten Treffen der Rio-Helden ferngeblieben, „das fand ich schade“. Oliver Bierhoff glaubt zu wissen, „dass er einen klaren Schlussstrich ziehen und die Brücken nach Deutschland abbrechen“ will.
Warum? Zurück zu Hamit Altintop. „Mesut“, sagt er, „ist einfach nur verletzt.“ Weil das Land, dem er sein außergewöhnliches Talent und den WM-Pokal schenkte, ihm „nicht die Geborgenheit“ gegeben habe, nach der er sich sehnte.
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