REAL TOTAL
·7. März 2026
Offensiv wertvoll, defensiv ein Risiko: Wie Real Trent einsetzen sollte

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Trent Alexander-Arnold offenbarte in Vigo schon bekannte Defensivprobleme, gleichzeitig aber auch seine Stärken – Foto: Jose Manuel Alvarez Rey/Getty Images
Zwischen den zwei Szenen lagen nur 15 Minuten: Erst schickte er mit einem perfekt getimten Außenrist-Pass der Marke Luka Mordrić Vinícius Júnior in den gegnerischen Strafraum (10.), und nur der Pfosten verhinderte Real Madrids Führung, die allerdings nur eine Minute später kam, um sich eine Viertelstunde später bei einem gegnerischen Konter von Williot Swedberg abkochen und fast schwindelig spielen zu lassen, was unmittelbar im Gegentor resultierte. Beide Situationen aus der ersten Halbzeit des Auswärtstriumphs der Königlichen bei RC Celta in Vigo am Freitagabend zeigten auf offener Bühne, wo Trent Alexander-Arnolds Stärken und Schwächen liegen.
Die Diskussion über die defensiven Schwächen des Rechtsverteidigers begleiteten seine Karriere beim FC Liverpool praktisch seit seinen ersten Jahren als Stammspieler. Schon in der Frühphase unter seinem Förderer Jürgen Klopp interpretierte er die Position deutlich offensiver und kreativer als viele klassische Außenverteidiger. Während andere Spieler auf dieser Position vor allem defensive Stabilität, Laufstärke und Flankenläufe über die Außenlinie liefern, suchte Trent früh den Ball im Aufbau, spielte riskante vertikale Pässe und agierte häufig in zentraleren Räumen. Es fiel damals schon auf, dass er sich Eins-gegen-eins oft schwer tut, dass Räume hinter ihm bei schnellen Gegenangriffen offen sind und häufig Situationen entstehen, in denen er defensiv nicht optimal positioniert ist. Alles, was auch bei Real Madrid aktuell, vor allen in Vigo, zu beobachten ist, ist also kein plötzliches Problem, sondern seit Jahren Teil seines Spielerprofils. Alexander-Arnold war nie ein klassischer Defensivspezialist und genau deshalb stellt sich für jede Mannschaft, die ihn einsetzt, weniger die Frage, wie man ihn defensiv perfektioniert, sondern vielmehr, wie man seine außergewöhnlichen Fähigkeiten am Ball optimal einbindet.
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Gerade diese Fähigkeiten machen den englischen Nationalspieler für ein Team wie Real Madrid in der aktuellen Konstellation beinahe unverzichtbar. In einer Mannschaft, die traditionell und – trotz aller Schwächen – immer noch über große individuelle Qualität im Angriff verfügt, kann ein Spieler, der aus der Tiefe das Spiel strukturiert und beschleunigt, einen enormen strategischen Wert haben. Trent gehört zu den wenigen Verteidigern im Weltfußball, die über ein Passrepertoire verfügen, das eher an einen zentralen Spielmacher erinnert. Und hebt sich damit von allen anderen Mittelfeldakteuren der Königlichen ab, denn im Gegensatz zu Aurélien Tchouaméni, Federico Valverde, Eduardo Camavinga oder Arda Güler ist der Engländer der einzige Blanco, der das Offensivspiel permanent strukturieren, beruhigen oder beschleunigen kann.
Seine langen diagonalen Verlagerungen, präzisen Chipbälle hinter die Abwehr oder scharfen vertikalen Pässe zwischen die Linien eröffnen häufig Angriffssituationen schon aus der ersten oder zweiten Aufbauphase. Für Real Madrid könnte das mittel- und langfristig insbesondere im Zusammenspiel mit Spielern wie beispielsweise Jude Bellingham interessant werden, der mit seinen Läufen in den Halbraum und seinen Bewegungen zwischen Mittelfeld und Angriff ideale Zielräume für solche Pässe anbietet, aber auch mit Vinícius oder Kylian Mbappé, in der er sie mit einem Pass hinter die gegnerische Abwehr schicken kann – wie in Vigo in der bereits erwähnten Szene. Während viele Teams versuchen, Kreativität über klassische zentrale Positionen oder über die Flügel zu erzeugen, bietet Alexander-Arnold eine andere Form der Spielgestaltung: Er beeinflusst das Spieltempo und die Angriffsstruktur aus tieferen Zonen des Feldes. Gerade gegen kompakt verteidigende Gegner, gegen die Real Madrid in der Liga regelmäßig spielt, können solche Qualitäten entscheidend sein, um defensive Blöcke auseinanderzuziehen und Räume zu öffnen.
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Dass ein solcher Spielertyp erfolgreich in eine Mannschaft integriert werden kann, hat Jürgen Klopp bei Liverpool bereits vorgemacht. In den frühen Jahren seiner Karriere spielte Trent noch relativ klassisch als offensiver Außenverteidiger im 4-3-3-System, doch mit der Zeit wurde immer deutlicher, dass seine größten Stärken weniger im Flügelspiel als im strategischen Aufbau lagen. Klopp reagierte darauf, indem er die Rolle seines Rechtsverteidigers im Ballbesitz veränderte. Statt dauerhaft auf der Außenlinie zu bleiben, rückte Alexander-Arnold zunehmend ins zentrale Mittelfeld ein und übernahm dort Aufgaben eines tiefen Spielmachers.
Gleichzeitig sicherte Liverpool diese Bewegung strukturell ab: Die Viererkette verwandelte sich im Aufbau häufig in eine Dreierkette, während Trent neben oder vor dem defensiven Mittelfeldspieler positioniert war. Dadurch konnte er das Spiel aus zentralen Räumen lenken, ohne dass seine defensiven Schwächen auf dem Flügel unmittelbar ausgenutzt werden konnten. Diese Anpassung war weniger ein Versuch, seine Defensivprobleme zu kaschieren, sondern vielmehr eine bewusste Entscheidung des deutschen Trainers, seine außergewöhnlichen Qualitäten im Passspiel maximal zu nutzen. Auch Pep Guardiola setzte in der Vergangenheit bei Manchester City Ähnliches mit João Cancelo und Oleksandr Zinchenko um, ebenfalls zwei Außenverteidiger deren Stärken nicht zwingend in der Defensivarbeit liegen.
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Ein vergleichbares Prinzip könnte auch bei Real Madrid Anwendung finden. Unter Álvaro Arbeloa ist Trent zwar ebenfalls nominell Rechtsverteidige, rückt im Ballbesitz jedoch regelmäßig ins zentrale Mittelfeld ein, doch von einer strukturellen und systemischen Lösung kann dabei noch keine Rede sein, wie sich nicht zuletzt in Vigo zeigte. Idealerweise bildet sich im Aufbau eine Dreierkette, während Trent neben einem defensiven Mittelfeldspieler als zusätzlicher Spielgestalter agiert, während der rechte Innenverteidiger, beispielsweise Raúl Asencio, der sich nicht aufzurücken scheut und auch die nötige körperliche Robustheit für Zweikämpfe mitbringt, die Absicherung der rechten defensiven Seite übernimmt. Aus dieser Position heraus wäre Trent in der Lage, das Spieltempo zu kontrollieren, schnelle Seitenverlagerungen einzuleiten oder vertikale Pässe in die Halbräume zu spielen, ohne dass dabei ein strukturelles Problem entsteht.
Spieler wie Bellingham oder auch Federico Valverde könnten dann gezielt die Räume attackieren, die durch diese Pässe geöffnet werden. Entscheidend ist dabei aber, dass das Ganze strukturell abgesichert ist: Innenverteidiger müssten größere Räume verteidigen können, und das Mittelfeld müsste zumindest teilweise im Gegenpressing schnell reagieren. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, könnte Alexander-Arnold auch bei Real Madrid eine ähmliche Rolle wie in den letzten Jahren in Liverpool unter Jürgen Klopp einnehmen, die über die klassische Außenverteidigerposition hinausgeht. Der Schlüssel in der optimalen Nutzung seiner Qualitäten liegt nicht in der Position auf dem Papier, sondern in der strukturellen Rolle, die er im Ballbesitz einnimmt. Arbeloa könnte sogar einen Schritt weiter gehen, und den Engländer nur noch als Mittelfeldstrategen einsetzen, während die defensive Außenposition von einem anderen bekleidet wird. Eine strukturelle, langfristige Lösung sollte jedenfalls relativ schnell gefunden werden, denn es wäre in der gegenwärtigen Situation, in der sich Real Madrid befindet, fahrlässig, auf die – in diesem Kader einzigartigen – Qualitäten von Trent Alexander-Arnold zu verzichten, indem man auf die Defensivschwäche des Briten einfach mit einem anderen Rechtsverteidiger reagiert.
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