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·29. Juni 2026
Ohne Sportvereine müssten wir den Laden vielerorts dichtmachen

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·29. Juni 2026

Kommentar zum Breitensport: Wie Amateurvereine Integration, Bildung und Zusammenhalt sichern – und warum Politik und DFB stärker unterstützen müssen.
Was kann der Fußball zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen? Diese Frage stellen sich längst auch einige Vereine und Verbände. Auch wenn nach wie vor Tore und Punkte im Vordergrund stehen, zeigen nicht zuletzt die Amateurvereine immer wieder, was sie abseits des Rasens leisten. Das reicht von Nachhilfe über Aufräumaktionen in der Kommune bis zu Schulkooperationen und Integrationsprojekten. Wenn rund 50 % der Grundschüler einen Migrationshintergrund haben, stellen klug geführte Vereine sich darauf ein.
Der DFB hat 2026 als „Jahr der Schule“ ausgerufen – gute Aktion. Denn der Ganztag ist nun in allen Regionen angekommen – mit Folgen für Vereine und Bildungsstätten. Für die einen ändern sich die Trainingszeiten, Schülerinnen und Schüler sind nicht mehr so früh verfügbar. Die Schulen wiederum müssen sich überlegen, wie sie ihre Schützlinge auch nach dem klassischen Unterricht bis 16 Uhr sinnvoll beschäftigen.
Da Sport ohnehin zu kurz kommt – außer in Sonntagsreden kenntnisfreier Politiker über Bundesjugendspiele – bietet sich die Zusammenarbeit mit Vereinen an. Denn diese verfügen in der Regel über ausgebildete Coaches, die den Sportunterricht übernehmen könnten. Sofern sie zeitlich zur Verfügung stehen. Natürlich kann der Verein nicht alle Löcher stopfen, die eine verfehlte Bildungs- und Sportpolitik aufreißt.
In den letzten Wochen war ich Teilnehmer bei zwei wichtigen Konferenzen und ebenfalls zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. In allen drei Formaten ging es um Breitensport und die Möglichkeiten über den Wettkampf hinaus:
Allen drei Veranstaltungen gemeinsam waren das Engagement und die Chancen des Sports – aber auch die kritische Auseinandersetzung mit den Bedingungen. Der große Nelson Mandela sagte einst: „Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern!“ Theoretisch würde ich ihm sogar recht geben. Praktisch stelle ich fest: Die Bedingungen werden gerade nicht leichter.
Ich habe dazu auf dem Social-Media-Portal LinkedIn einen längeren Text veröffentlicht, in dem ich Politik und Verwaltung ermahne, endlich mehr für den Breitensport zu tun. Als ich den Artikel schrieb, hatten wir 25 Grad und haben sogar trainiert. An diesem Wochenende werden in Deutschland neue Spitzenwerte erreicht; mehrere Fußballverbände haben die Spiele abgesagt – obwohl es der letzte Spieltag ist und Ersatztermine bis zum Saisonende am 30.06. kaum in Sicht sind.
Die Klimakrise schlägt also auch im Sport mit voller Wucht zu und kommt – neben Problemen mit dem Ehrenamt und der maroden Infrastruktur – als weitere Herausforderung für die Vereine hinzu. Dennoch werden sich diese in den nächsten Wochen wieder um Zusammenhalt und gesellschaftliches Miteinander kümmern:
Es macht leider nicht den Eindruck, dass diese außerordentlichen und keineswegs selbstverständlichen Leistungen in der Breite gewürdigt werden – schon gar nicht von der großen Politik. Sollte die DFB-Elf bei der turbokommerzialisierten WM früh ausscheiden - was spätestens gegen fulminante Franzosen durchaus im Bereich des Möglichen liegt - werden wieder alle nach besseren Fußballern, mehr Talenten und modernen Strukturen rufen.
Ich weiß schon, wer von fehlender Leistungsbereitschaft faseln wird, nämlich diejenigen, die schon jetzt den größten Einfluss haben. Die Rechtsextremen werden sich dann mit ihrem rassistischen Kleinhirn vermutlich auf Nationalspieler mit familiärer Zuwanderungsgeschichte stürzen. Von Fußball haben sie eben genauso wenig Ahnung wie von Wirtschaft, Bildung, Umwelt, Soziales, Gesundheit und Außenpolitik.
Durch Pöbeln und Rufen wird sich allerdings nichts verbessern. Übrigens auch nicht von der Einführung von Toren in der E‑Jugend, Herr Bundeskanzler. Die waren nämlich nie abgeschafft. Helfen würden vielmehr Investitionen in den Breitensport. Helfen würden auch leidenschaftliche Sportpolitiker, die eine Idee davon entwickeln, wie wir die Republik zum Beispiel mit Hilfe des Amateurfußballs stabilisieren.
Die Sportvereine mit ihren Ehrenamtlichen liefern seit Jahrzehnten verlässlich ab. Ohne sie müssten wir den Laden vielerorts längst dichtmachen. Ihnen gebühren jede Anerkennung und jede Unterstützung. Man wird ja wohl noch träumen dürfen – schließlich sind wir beim Fußball.







































