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·8. Januar 2026
Orkun Kökcü über Besiktas, die Türkei, seine Ziele und Salih Özcan: „Ich habe mit ihm gesprochen“

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·8. Januar 2026

Besiktas-Neuzugang Orkun Kökcü spricht im Trainingslager in Antalya über Chaos im türkischen Fußball, die Rote Karte gegen Fenerbahce, Sergen Yalcin – und Salih Özcan.
Besiktas arbeitet in Antalya an der zweiten Saisonhälfte – und Orkun Kökcü nutzt die Tage im Camp, um offen mit TRT Spor über die Lage zu sprechen. Der Mittelfeldspieler beschreibt einerseits die Stimmung innerhalb der Mannschaft als stabil, andererseits die Rahmenbedingungen im türkischen Fußball als herausfordernd. Zwischen Leistungsdruck, Erwartungshaltung und täglicher Öffentlichkeit ordnet er seine Rolle neu ein – sportlich wie mental.
Kökcü schildert, dass das Camp als Team gut läuft und das Miteinander funktioniert. Gleichzeitig setzt er einen klaren Kontrast zu dem, was er im Umfeld erlebt. „Aus fußballerischer Sicht herrscht in der Türkei im Vergleich zu anderen Ländern ein unglaubliches Chaos“, sagt er. Für einen Profi, der aus Europa kommt, könne das schwierig sein – umso wichtiger sei, dass im Klub selbst kein Chaos entstehe. Er betont, dass es intern ruhig sei, aber die Ergebnisse besser hätten sein können und man mit dem Trainerteam an Lösungen arbeite.
Auch persönliche Gründe werden deutlich. Kökcü erzählt, dass er in Portugal außerhalb des Platzes Probleme hatte und dort „die Realität des Lebens“ kennengelernt habe. Glück im Alltag sei für ihn zentral: In den Niederlanden habe er sich wohlgefühlt, in Portugal sei er lange allein gewesen, „zwei Jahre zu Hause“ – das habe ihn zermürbt. Als das Angebot von Besiktas kam, habe er es nicht ablehnen können, weil er als Kind von Besiktas geträumt habe. Er sagt klar, dass er glücklich sei, und widerspricht der Erzählung, er sei unzufrieden.
Ein Punkt nervt ihn spürbar: das ständige Reden über den Preis. „Immer über die Ablöse zu sprechen ist ermüdend“, formuliert er und erklärt, dass diese Diskussionen auf Dauer zermürben. Er werde dabei nicht „verrückt“, weil er wisse, was er leisten könne. Soziale Medien meide er weitgehend, doch die Debatten dringen trotzdem durch – und genau das mache es anstrengend.
Besonders emotional beschreibt Kökcü den Empfang bei seiner Ankunft. Er habe erstmals in seiner Karriere diese Art von Liebe gespürt. Es sei ihm gesagt worden, es werde einen Empfang geben, doch er habe nicht erwartet, dass es so groß werde. „Es war ein schöner Prozess, aber ich möchte jetzt mehr dafür revanchieren“, sagt er – und lässt erkennen, wie sehr ihn dieser Moment geprägt hat.
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Sportlich spricht er ein Problem offen an: In den letzten Jahren lag er häufig bei rund zehn Toren – in dieser Saison steht er bei null. Er kennt die Lösung, sagt aber auch, dass man darüber nicht alles öffentlich ausbreiten müsse. Seine Rolle sieht er eindeutig: „Ich bin eine Nummer 8“, erklärt er. Wenn er höher und näher am Tor spiele, könne er mehr treffen – und er mag es, Spiele zu schießen, Aktionen zu setzen und Tore zu erzielen.
Der Rückblick auf die rote Karte ist ungewöhnlich ehrlich. Kökcü sagt, er sei im Derby gegen Fenerbahce übermäßig ehrgeizig gewesen. „Ich glaube, ich habe die rote Karte für ihn gesehen“, erklärt er und beschreibt, wie er danach ein paar Tage mit sich gerungen habe. Er habe sich Sorgen gemacht, war still, legte den Hörer auf. Gleichzeitig sei es ein Moment gewesen, in dem er echte Freunde erkenne. Sein Vater blieb eine Woche bei ihm, dann kam die Nationalmannschaft – das neue Umfeld tat ihm gut, und anschließend stieg seine Leistung.
Über Sergen Yalcin spricht Kökcü mit Respekt. Er habe den Trainer nicht ständig gesehen, doch sein Vater und seine Brüder hätten viel mit ihm gesprochen. „Was er will, ist ganz klar“, sagt Kökcü und betont, dass Yalcin nicht „betrügt“, sondern als Ex-Profi die Spieler gut versteht und die Liga kennt. Im Camp sieht er den richtigen Zeitpunkt, um den Spielplan umzusetzen. Er erzählt zudem von einem wiederkehrenden Moment: Der Trainer ruft ihn im Raum an und sagt: „Ich habe dir gesagt, du sollst ein Tor schießen.“ Die Erwartung sei klar: mehr Output, mehr Treffer.
Kökcü betont, dass Verantwortung für ihn normal ist. Kapitän zu sein, sei zwar etwas Großes, aber nichts Neues. Der Präsident habe ihn deswegen angerufen, und schon mit 21 wurde er Kapitän bei Feyenoord Rotterdam. „Ich habe keine Angst, Verantwortung zu übernehmen“, sagt er – und stellt damit einen Anspruch an sich selbst, der über die aktuelle Formkurve hinausgeht.
Orkun Kökcü bestätigt ein Gespräch mit Salih Özcan und sagt, dass er Besiktas darüber informiert hat. Zum Abschluss wird es konkret: Kökcü spricht über seinen Freund Salih Özcan, der in der Transferagenda von Besiktas auftaucht. „Ich habe mit Salih Özcan gesprochen. Ich habe es Besiktas erzählt und er hat mir von Dortmund erzählt. Ich warte auch auf ihn“, sagt Kökcü. Damit ist klar: Es gibt direkten Kontakt, und Kökcü sieht den nächsten Schritt nicht als Gerücht, sondern als Entwicklung, die er aufmerksam verfolgt.
Kökcüs Aussagen zeichnen ein Bild, das zugleich persönlich und sportlich ist: Er will Glück im Alltag, Klarheit in der Rolle und mehr Wirkung auf dem Platz. Gleichzeitig akzeptiert er den Druck, der in der Türkei dazugehört – und macht deutlich, dass er bereit ist, Verantwortung zu tragen. Genau in dieser Mischung steckt die Spannung vor der zweiten Saisonhälfte bei Besiktas.









































