feverpitch.de
·30. Juni 2026
Owens hartes Urteil: Harry Kane zu gut für Bayern München und die Bundesliga

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·30. Juni 2026

Laut Owen wäre Kane mit dem Premier-League-Torrekord vor Shearer größer geworden als mit einer Meisterschaft beim FC Bayern München.
Michael Owen hat in seinem Gastbeitrag für die Daily Mail einen Satz formuliert, den man so klar nicht oft liest über einen aktiven englischen Nationalspieler: Harry Kane sei "für seine Karriere zu gut für die Bundesliga". Das ist keine Randbemerkung, das ist ein Urteil über die sportliche Wertigkeit dessen, was Kane in München erreicht hat. Owen, selbst einmal Englands Aushängeschild im Sturm, hält den Kapitän der Three Lions für "Englands besten Stürmer aller Zeiten" – und ausgerechnet dieser Owen sagt: Die größere Leistung wäre gewesen, Alan Shearer einzuholen. Man muss diesen Widerspruch erst einmal aushalten.
Die Zahlen liefern die Folie für Owens Argument. Kane steht bei 213 Premier-League-Toren, Shearer bei 260. Das sind 47 Treffer Differenz, also keine Distanz, die man in einer halben Saison aufholt, aber auch keine, die in zwei, drei produktiven Jahren auf der Insel unerreichbar gewesen wäre. Stattdessen ging Kane nach München, gewann dort den ersten Titel seiner Karriere – und genau hier setzt Owen den Hebel an: Diese Meisterschaft, schreibt er, hätte "die Größe des Ausnahmestürmers nie wirklich definiert, weil Bayern die Bundesliga ohnehin fast immer gewinnt". Es ist eine sportlich nüchterne, fast buchhalterische Bewertung dessen, was eine Schale beim deutschen Rekordmeister im internationalen Vergleich noch wiegt.
Owen geht sogar einen Schritt weiter und benennt, was das Bild verändert hätte: ein Champions-League-Titel. Den aber hat Bayern nicht geholt, also bleibt aus seiner Sicht eine Lücke zwischen Aufwand und Ertrag, zwischen dem Wechsel und dem, was dieser Wechsel an Strahlkraft hätte hinterlassen können. Man kann das hart finden, aber Owens Logik ist konsequent. Wer den Karriereschritt eines Stürmers daran misst, ob er den Status eines Ausnahmespielers untermauert, der schaut nicht auf einen, sondern auf den Henkelpott.
Bemerkenswert ist, dass Owen seine Kritik nicht mit Häme verbindet. Er bewundert ausdrücklich, dass Kanes Spiel mit 32 Jahren "immer besser" werde, er nennt ihn "zweifellos den besten Torjäger der Welt", auch wenn er ihn nicht in die Kategorie Messi oder Mbappé einsortiert. Und er fügt einen Satz an, der in der Debatte unterzugehen droht: Kane sei "ein Vorbild dafür, dass man nicht unbedingt Lionel Messi, Pelé oder Diego Maradona sein muss". Das ist eine Differenzierung, die der Boulevard selten leistet – Anerkennung der Person, Kritik an der Entscheidung.
Die größere Frage hinter Owens Beitrag ist die nach dem Standing der Bundesliga. Wenn ein Titel mit Bayern aus englischer Perspektive eher als Erwartungswert denn als Auszeichnung gilt, dann sagt das weniger über Kane als über die Wahrnehmung der Liga im Ausland. Und es sagt etwas über die Premier League, deren Rekordtorschützen-Liste offenbar einen Karrierewert besitzt, gegen den eine deutsche Meisterschaft argumentativ ins Hintertreffen gerät. Owen formuliert das aus, was viele in England denken dürften.
Kane selbst wird darauf vermutlich nicht antworten, jedenfalls nicht jetzt, mitten in einem Turnier. Am Mittwoch um 18.00 Uhr trifft er mit England im Sechzehntelfinale auf die DR Kongo. Dort zählt eine andere Statistik: In den USA hat er zuletzt Gary Lineker überholt und ist nun englischer Rekordtorschütze bei Weltmeisterschaften. Eine Marke, gegen die Owen kaum etwas einzuwenden haben dürfte.







































