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·26. Juni 2026

Paraguay gegen Australien: Die Pressekonferenz mit Gustavo Alfaro nach dem WM-Spiel

Artikelbild:Paraguay gegen Australien: Die Pressekonferenz mit Gustavo Alfaro nach dem WM-Spiel

Nach dem 0:0 gegen Australien bei der WM 2026 wirkte Gustavo Alfaro vor allem mit einer Sache beschäftigt: der offenen Frage, ob Paraguay bei der Weltmeisterschaft in USA, Kanada und Mexiko bereits weiter ist oder noch warten muss. Der Nationaltrainer sprach von einer klaren Enttäuschung über das Ergebnis, ordnete das Remis aber als Ausdruck eines sehr komplizierten Spiels ein. Im Fokus standen die Defensive, die Wahl der Fünferkette und die fehlende Präzision im letzten Drittel. Paraguay gilt als der wahrscheinliche Gegner Deutschlands im Sechzehntelfinale der WM 2026.

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INGLEWOOD, KALIFORNIEN – 11. Juni: Paraguays Nationaltrainer Gustavo Alfaro reagiert während der Pressekonferenz einen Tag vor dem FIFA-Weltmeisterschafts-Gruppenspiel der Gruppe D zwischen den USA und Paraguay im Los Angeles Stadium am 11. Juni 2026 in Inglewood, Kalifornien. (Foto: Stu Forster/Getty Images)


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Alfaro sieht Paraguay defensiv stabil, aber offensiv zu harmlos

Alfaro machte deutlich, dass ihm das Unentschieden ein Gefühl von zu wenig hinterlässt. Das Ergebnis sei nicht das gewesen, was sich sein Team erhofft habe. Zugleich betonte er, dass Wunsch und Wirklichkeit im Fußball oft weit auseinanderliegen. Gegen Australien habe Paraguay einen extrem unangenehmen Gegner erwischt, der bereits Türkei und USA vor große Probleme gestellt habe.

Der Coach hob hervor, dass Australien mit defensiver Stabilität, Schnelligkeit, Körpergröße, Wucht und starkem Kopfballspiel eine ganze Reihe von Eigenschaften vereine, die jedem Gegner das Leben schwer machten. Hinzu komme die Fähigkeit, Räume konsequent zu nutzen und davon zu profitieren, wenn ein Gegner aus Ungeduld zu weit aufrücke. Besonders auffällig waren für ihn die hohen Tempowerte von Spielern wie Nestory Irankunda, Mo. Touré und Bos, die nach seiner Einschätzung zu den schnellsten Akteuren des Turniers gehören.

Paraguay habe zunächst mit einer Viererkette experimentiert, doch Alfaro erklärte, dass ein Spiel mit fünf Mann in der letzten Linie in dieser Konstellation mehr Sicherheit gebracht habe. Mit einer Viererkette wären aus seiner Sicht mehr Räume entstanden, die Australien noch aggressiver hätte attackieren können. Genau das wollte Paraguay vermeiden.

Warum die Fünferkette aus Sicht des Trainers sinnvoll war

Im ersten Durchgang habe sein Team vor allem über die rechte Abwehrseite Probleme bekommen. Dort sei Jordan Bos, der eigentlich auf links im Einsatz sei, auf der anderen Seite aufgetaucht, nach innen gezogen und habe sich gut mit Cristian Volpato verbunden. Dadurch sei Australien immer wieder in die Tiefe gekommen, während Paraguay wegen mangelnder Ruhe und Genauigkeit Schwierigkeiten hatte, den Ball sauber aus der Defensive oder dem Mittelfeld herauszuspielen. Am Ende landete vieles bei langen Bällen, die die Paraguyaner dann auch noch bei den zweiten Bällen verloren.

Für die zweite Halbzeit sah Alfaro klare Anpassungen. Mit dem eingewechselten Mauricio sei es gelungen, dem Team mehr Pause am Ball zu verschaffen und sich eher im gegnerischen Drittel festzusetzen. In der Spielkontrolle habe das geholfen, auch wenn Mauricio nach seinen Worten nicht überragend im Aufbau glänzte. Trotzdem sei es dem Team weiterhin schwergefallen, über die Außenbahnen Durchbrüche zu erzwingen.

Julio Enciso sei dabei von Alessandro Circati sehr eng und gut kontrolliert worden. Paraguay habe deshalb bei den Flanken und beim letzten Pass die nötige Schärfe vermissen lassen. Auch der Standardbereich sei gegen vier australische Spieler über 1,95 Meter körperlich enorm schwierig gewesen, zumal Australien eine starke Mischung aus guter Hereingabe und körperlicher Präsenz im Luftduell mitbringe.

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Die Startelf Paraguays stellt sich vor dem Gruppenspiel der Gruppe D bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gegen Australien für das traditionelle Mannschaftsfoto auf. Die Partie wurde am 25. Juni 2026 im San Francisco Bay Area Stadium in Santa Clara, Kalifornien, ausgetragen. Stu Forster / Getty Images

Kein Spiel auf Sicherheit, sondern ein Kampf um den historischen Durchbruch

Auf die Frage, ob Paraguay eher auf ein Remis oder auf einen Sieg gespielt habe, stellte Alfaro klar, dass sein Team gewinnen wollte. Auch seine Mannschaft habe sich einen Platz in der paraguayischen WM-Geschichte sichern wollen, indem sie als erstes Team zwei Spiele bei einer Weltmeisterschaft gewinnt. Dass am Ende dennoch vieles dagegenlief, führte er nicht auf fehlenden Willen zurück, sondern auf die Grenzen der eigenen Möglichkeiten gegen einen so unbequemen Gegner.

Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass Paraguay die nächste Runde erreichen kann. Nach dem schweren Auftakt gegen die USA sei es schwierig gewesen, sich wieder aufzurichten. In den vergangenen beiden Partien habe das Team aber defensiv wieder Stabilität gefunden. Was weiter fehle, seien die Qualitäten von der Mittellinie nach vorn. Genau dort sieht Alfaro die Baustelle, die Paraguay schon länger begleitet.

Sein Fazit zur Leistung blieb deshalb zweigeteilt. Hinten war er zufrieden, vorne nicht. Das Team habe solide verteidigt, aber eben nicht genug getan, um Australien wirklich unter Druck zu setzen.

Offene Fragen vor der K.o.-Runde

Auf die nächste Phase blickte Alfaro mit einer Mischung aus Geduld und Pragmatismus. Noch sei offen, ob Paraguay überhaupt weiterkomme und wann im Falle einer Qualifikation gespielt werde. Die Belastung werde entscheidend sein, ebenso die personelle Lage. Omar Alderete konnte die Partie nicht beenden und soll nach Möglichkeit rechtzeitig wieder fit werden. Diego Gómez steht aktuell nicht zur Verfügung, während Miguel Almirón zurückkehren würde.

Auch der mögliche Gegner spielt in der Planung bereits eine Rolle. Zwar gilt Deutschland als sehr wahrscheinliche Option, doch für den Trainer ist das nur ein Teil der Rechnung. Er verwies darauf, dass die Bedingungen mit Wetter, Anstoßzeit, Spielort und Regeneration alles verändern können. Als Beispiel nannte er die Partien Ecuador gegen Deutschland sowie Australien gegen USA, die bei 38 bis 39 Grad ausgetragen wurden. Unter solchen Umständen sieht er ganz andere Anforderungen als bei idealen Temperaturen.

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Die Startelf Paraguays stellt sich vor dem WM-2026-Gruppenspiel gegen die Türkei am 19. Juni 2026 im San Francisco Bay Area Stadium in Santa Clara zum Mannschaftsfoto auf. (Stu Forster / Getty Images)

Alfaro verteidigt das Defensivkonzept und die Rolle von Galarza

Auch auf die Frage, ob Paraguay zu viel Initiative abgegeben habe, blieb Alfaro bei seiner Linie. Er sei mit der Defensivarbeit zufrieden, nicht aber mit dem Beitrag nach vorn. Seine Mannschaft habe vermeiden müssen, sich so naiv zu öffnen wie Türkei in anderen Partien, weil Australien jeden Raum für Konter genutzt hätte. Für ihn war klar, dass ein Fehler gegen diesen Gegner sofort bestraft worden wäre.

Im zweiten Durchgang übernahm Matías Galarza als Schienenspieler eine wichtige Aufgabe. Alfaro lobte seinen Auftritt ausdrücklich. Vor allem habe er das Problem auf der Bos-Seite gelöst. Zwar sei Galarza im Verlauf des Spiels vom hohen Laufpensum müde geworden, doch seine Arbeit gegen Australien bewertete der Coach als sehr stark. Dass er die Rolle kennt, hatte Paraguay bereits in der Woche davor einstudiert, zudem hatte Galarza diese Position schon gegen Bolivien ausgefüllt.

WM 2026 Tabelle der Gruppe D

Warum Alfaro von Hierarchie, Niveau und Lernprozessen spricht

In einer längeren Antwort ordnete Alfaro die Grenzen seines Teams auch grundsätzlicher ein. Paraguay habe gute Spieler, aber im internationalen Vergleich fehle noch die Hierarchie im Kader. Er verglich die Marktwerte mit Australien und zog dabei einen deutlichen Unterschied zu Türkei und USA. Gegen diese beiden Gegner sei Paraguay aus seiner Sicht im Verhältnis ungefähr vier zu eins unterlegen. Das liege nicht nur am Preis auf dem Transfermarkt, sondern an gewachsener Qualität und Erfahrung.

Der Nationaltrainer verwies darauf, dass Paraguay nach 16 Jahren wieder bei einer Weltmeisterschaft mitspiele und zuvor lange aus dem internationalen Wettbewerb heraus gewesen sei. Wer auf Topniveau mithalten wolle, brauche Spieler mit mehr Routine auf höchster Bühne. Omar und Diego seien in der Premier League gut unterwegs, Toni habe bei Cremonese allerdings nicht als Stammspieler überzeugt. Für Alfaro ist entscheidend, dass Spieler wie Diego Gómez den nächsten Schritt machen und sich sportlich weiterentwickeln.

Er zog auch Parallelen zu anderen Nationen. Ecuador habe sich in den vergangenen vier Jahren mit Spielern aus der Champions-League-Realität enorm gesteigert und dadurch auch Deutschland geschlagen. Genau dieser Weg sei für Paraguay das Ziel, auch wenn er hart und lang sei. Der Trainer forderte deshalb, das eigene Niveau nach oben anzupassen, statt sich mit reiner Kritik an der Formation oder am Ergebnis zufriedenzugeben.

Der Kampf um die nächste Runde bleibt offen

Alfaro ließ keinen Zweifel daran, dass Paraguay trotz aller Limits weiter an die eigene Chance glaubt. Er sprach davon, dass sein Team mit den eigenen Argumenten gegen jeden Gegner antritt, auch wenn es von außen schnell als chancenlos abgestempelt werde. Für ihn sei es nur wichtig, dass die Mannschaft mit Haltung und Überzeugung weiterspielt. Ob es am Ende für das Weiterkommen reicht, werde sich erst noch zeigen.

Bei seiner Bewertung wurde auch deutlich, wie sehr er die Entwicklung des paraguayischen Fußballs als langfristige Aufgabe versteht. Die WM 2030 hat er dabei schon im Blick. Paraguay ist für dieses Turnier bereits qualifiziert, was den Umweg über die Qualifikation erspart. Dennoch, so Alfaro, müsse die Arbeit längst vorher beginnen.

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Paraguays Spieler beim Aufwärmen vor dem WM-Gruppenspiel gegen Australien im Levi’s Stadium von Santa Clara. Foto: Richard Heathcote/Getty Images

Die Pressekonferenz im Detail: Welche Themen Alfaro besonders beschäftigten

Zu Beginn der Fragerunde ging es um die Gefühlslage nach dem Remis und um die Entscheidung für die Fünferkette. Später fragte Eva Rodríguez von Tigo Sports nach dem Umgang mit der Unsicherheit vor der K.o.-Runde und der möglichen Belastungssteuerung. Daniel Maciel von Rocampo wollte wissen, ob Paraguay dem Gegner zu viel Spielanteile überlassen habe und ob der gewählte Plan in der ersten Halbzeit wirklich zufriedenstellend war.

Charlotte Harper von The Athletic fragte, ob beide Teams auf Sieg oder auf Punkteteilung ausgerichtet gewesen seien. Außerdem sprach sie den Zusammenprall von Enciso mit den Werbebanden an und wollte wissen, ob die Bande in diesem Stadion zu nah an der Linie stehen. Alfaro erklärte dazu, dass Enciso bei einem harten, aber fairen Zweikampf gegen die Banden geprallt sei. Seiner Meinung nach wäre mehr Abstand sinnvoll, weil die Intensität in solchen Spielen hoch sei und sich Spieler bei kleinsten Kontakten verletzen könnten.

Gustavo Gavilán von Mega Cadena de Comunicación sprach die schwache Produktion im Angriff an und fragte nach möglichen Alternativen wie Ramón Sosa oder Gustavo Caballero. Alfaro entgegnete, dass Gustavo grundsätzlich eine Option gewesen sei. Gleichzeitig hätte eine andere personelle Lösung auch andere Risiken mit sich gebracht, etwa beim Spiel in der Luft gegen einen zentralen Angreifer mit 1,98 Meter Körpergröße.

Víctor Villalba von Radio Monumental erkundigte sich nach Galarzas Einsatz als Schienenspieler in der zweiten Hälfte. Für Chocho Bando von Urbana Sport stand schließlich die grundsätzliche Frage im Raum, ob die hierarchische Lücke Paraguay zu einer klar defensiven Ausrichtung zwinge und ob das Team in der Lage sei, in der nächsten Phase gegen einen gesetzten Gegner zu bestehen. Alfaro beantwortete all das mit derselben Linie: Die Schwierigkeiten sind real, die Chancen aber auch.

Welche Erklärungen Alfaro für das Remis liefert und wie er die Ausgangslage seines Teams bewertet, zeigt die vollständige Pressekonferenz nach dem Spiel.

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