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·20. Juli 2026
Paredes-Eklat und Scaloni-Tränen: Argentiniens bitterste Nacht

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·20. Juli 2026

Ferran Torres traf, Spanien jubelte, Argentinien war entthront. Das war die Sportmeldung aus East Rutherford. Was danach kam, brauchte keinen Spielbericht mehr – sondern einen Blick auf einen Spieler, der die Kontrolle verlor, und einen Trainer, der sie gar nicht erst suchte.
Um die Eskalation zu verstehen, muss man die Demütigung davor verstehen. Spanien gewann das Endspiel mit 1:0 nach Verlängerung, Ferran Torres traf in der 106. Minute vor 80.663 Zuschauern – nach Kopfballvorlage von Nico Williams. Argentinien brachte bis zur 115. Minute keinen einzigen Schuss aufs spanische Tor, stand tief und wartete auf Umschaltmomente, die nie kamen. Zwölf zu null Torschüsse lautete am Ende die Bilanz – kein Finalteilnehmer seit Beginn der detaillierten Datenerfassung 1966 blieb derart blass. Dazu flog Enzo Fernández in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit mit Gelb-Rot vom Platz.
90 Minuten Ohnmacht, 30 Minuten Verlängerung ohne Hoffnung. Und dann der Abpfiff.
Die Szene lief im Live-TV zunächst gar nicht – erst die Wiederholung machte sichtbar, was sich direkt nach dem Schlusspfiff abspielte. Leandro Paredes geriet in der Rudelbildung zunächst mit Eric García aneinander, den er am Hals attackierte. Dann eskalierte es endgültig: Gavi, der eigentlich schlichten wollte, bekam Paredes‘ Arm ins Gesicht und wurde zu Boden geschubst. Schiedsrichter Slavko Vinčić zeigte dem 32-Jährigen dafür die Rote Karte – nach dem Ende eines WM-Finals.
Ex-Nationalspielerin Tabea Kemme brachte es bei MagentaTV auf zwei Wörter: Bei Paredes sei „etwas durchgeknallt“.
Man kann das als Affekt eines Verlierers abtun. Man kann es auch als Endpunkt eines Musters lesen. Denn Paredes stand von seiner Einwechslung an am Limit:
Die Frage ist also nicht, ob Paredes die Nerven verlor. Das ist dokumentiert. Die Frage ist, warum niemand auf argentinischer Seite – weder Mitspieler noch Trainerteam – einen Spieler einfing, der 45 Minuten lang sichtbar überkochte. Am Ende war es ausgerechnet Lionel Scaloni, der seinen Schützling auf dem Rasen beruhigte.
Derselbe Scaloni saß wenig später im Presseraum – und erlebte dort seinen eigenen Kontrollverlust, nur eben einen leiseren. Erst versicherte der 48-Jährige noch, er habe sich bereits in der Kabine die Augen ausgeweint und werde deshalb jetzt nicht weinen. Es dauerte nicht lange, bis genau das passierte. „Es ist sehr schmerzhaft, es tut mir sehr leid“, sagte Scaloni heftig weinend – und eilte von der Bühne. Die anwesenden argentinischen Journalisten applaudierten ihm aufmunternd.
Zwischen Ansage und Zusammenbruch lagen wenige Minuten. Dazwischen: ein Trainer, der von seiner Mannschaft schwärmte und hoffte, dass kommende Generationen von diesem Team geprägt werden.
Hinter den Tränen verbergen sich zwei Personalien, die Argentinien in den kommenden Wochen beschäftigen werden. Auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt des 39-jährigen Lionel Messi erklärte Scaloni, er habe noch nicht mit seinem Kapitän gesprochen. Der Verband selbst klang da schon weiter: In einem Post nach dem Finale dankte die AFA ihrem Kapitän in einem Ton, der verdächtig nach Abschied klang.
Und Scaloni selbst? Sein Vertrag läuft nur bis Jahresende, zuletzt kursierten Berichte über eine bereits vereinbarte Verlängerung bis 2030 – bestätigen wollte der Coach nichts, er verwies auf Gespräche mit dem Verbandspräsidenten. Wer im Amt bleibt und wer geht: In East Rutherford blieb beides offen.
Paredes schlug um sich, Scaloni weinte. Zwei Reaktionen, ein Befund: Hier ging mehr zu Ende als ein Turnier. Die Weltmeister von 2022 wurden nicht nur entthront, sie wurden vorgeführt – und hatten dem nichts entgegenzusetzen außer Emotion. Wer diese Nacht nur als Randnotiz zu Spaniens Triumph abheftet, übersieht das Wesentliche: Argentinien muss jetzt klären, wer diese Mannschaft künftig führt. Auf dem Platz wie an der Linie.







































