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·30. März 2026

Pernille Harder: Unersetzlich für den FC Bayern – und immer noch unterschätzt?

Artikelbild:Pernille Harder: Unersetzlich für den FC Bayern – und immer noch unterschätzt?

Gegen Manchester United war Pernille Harder mit ihrem Doppelpack erneut entscheidend für den FC Bayern. Auch mit 33 zählt sie noch zu den Größten des Sports.

Zwei Tiefenläufe wie gezielte Nadelstiche mitten in das Herz von Manchester United. Was Pernille Harder im Viertelfinal-Hinspiel des FC Bayern in der Champions League zeigt, war nicht weniger als die höchste aller Qualitätsstufen.


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Diese eine Stufe, die es über der Weltklasse noch gibt und die unter zig Profisportler*innen nur wenige erreichen. Es ist diese besondere Stufe, auf der die Größten ihrer Generation einen Platz finden, aber sonst niemand.

Bei Harder hat man oft das Gefühl, dass es selbstverständlich geworden ist, auf welch unglaublich hohem Niveau sie seit vielen, vielen Jahren performt. Ob in Dänemark, Schweden, beim VfL Wolfsburg oder auch beim FC Chelsea in England – sie hat neben einer herausragenden Torbeteiligungsquote immer mit fußballerischen Qualitäten glänzen können, die ihr Team auf ein höheres Niveau beförderten.

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Neben vielen nationalen Titeln sammelte Harder auch einige individuelle Auszeichnungen. Vom Guardian wurde sie 2018 und 2020 als beste Fußballerin der Welt gekürt, in Deutschland wurde sie 2020 Fußballerin des Jahres, in Dänemark pachtet sie diesen Titel mit neun Auszeichnungen seit 2012 fast schon.

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Was ihr fehlt, ist der ganz große internationale Wurf. Die dänische Nationalelf war während ihrer Zeit oft nicht stark genug und bei der großen Gelegenheit 2017 verloren sie das EM-Finale gegen die Niederlande. Mit Wolfsburg und Chelsea scheiterte sie insgesamt dreimal im Finale der Champions League.

Dass ihr dieser Coup mit den Bayern gelingt, ist nicht ausgeschlossen, angesichts der Übermacht von Barcelona, Lyon und Co. aber doch etwas unwahrscheinlicher als anderswo. Umso bemerkenswerter ist ihre erneute Verlängerung in München gewesen.

Die Vitrine ist nicht alles: Harder zählt zu den Größten

Vielleicht ist auch die Titelsammlung der Grund dafür, dass sie unter den ganz Großen des Sports nur selten frühzeitig genannt wird. Zu oft werden Fußballer*innen noch daran gemessen, wie oft sie die allerwichtigsten Titel gewonnen haben. Nachfragen kann man da bei Michael Ballack, der in Deutschland einst ähnliche Erfahrungen machte. Harder droht ein ähnliches Schicksal.

Wer aber nicht stumpf die Objekte in der Vitrine zählt, wird schnell merken, was für eine riesige Persönlichkeit sie ist. Eine Inspiration für viele junge Menschen, eine herausragende Fußballerin und eine, die nicht nur für sich und ihre Karriere spielt, sondern auch die kommenden Generationen im Blick hat und sich für die Entwicklung des Fußballs in der Heimat und auf der Welt generell stark macht.

Jüngst hat sie dafür zusammen mit Nike ein Projekt gestartet. „The Harder Way“ ist ein Mentorprogramm, mit dem Harder junge Athletinnen unterstützen möchte, ihre Träume zu verfolgen. Harder sagte in einem Interview mit Elle (DK) dazu: „Ich möchte meine Erfahrungen teilen und jungen Mädchen einige der Werkzeuge an die Hand geben, die mir zu Beginn meiner Karriere gefehlt haben.“

Eine ähnliche Rolle nimmt sie als Führungsspielerin auch beim FC Bayern ein. Harder geht voran, übernimmt Verantwortung, stellt sich in Interviews und ist eine, an der sich alle Spielerinnen des Kaders orientieren können.

„Nochmal weiterentwickelt“: Ex-Trainer Straus schwärmte von Harders Entwicklung in München

Auch Ex-Trainer Alexander Straus war begeistert von ihr – vor allem von ihrer Entwicklungsfähigkeit, obwohl sie schon längst über den Punkt hinaus ist, an dem der Körper auf diesem Niveau rein physiologisch abbaut. Im Miasanrot-Interview sagte der damalige Coach: „Wenn wir uns Pernille anschauen: Sie kam von Chelsea, ist 32 Jahre alt und dann sehen Sie sich an, wie sie diese Saison absolviert hat. Es ist großartig zu sehen, dass sie sich nochmal weiterentwickelt hat.“

Mittlerweile ist sie 33 und spielt nach wie vor auf dem höchsten Niveau Fußball. In dieser Saison kommt die Dänin auf 23 Tore und neun Vorlagen in 30 Einsätzen. Schaut man sich ihre Statistiken beispielsweise bei Wyscout an, steht sie in fast allen relevanten Bereichen auf dem zweiten Rang im Bayern-Kader. Nur Klara Bühl ist nochmal deutlich dominanter als der Rest.

Eine weitere Spielerin, die mittlerweile zur höchsten Stufe zählt und das vor ihrer Verletzung Woche für Woche nachgewiesen hat. Beide Spielerinnen lassen sich kaum miteinander vergleichen. Gerade weil sie so unterschiedlich in ihren Anlagen sind, harmonieren sie so gut miteinander. Harder hat einen enormen Output, wenn es um eigene Abschlüsse geht. Fast vier sind es pro 90 Minuten – Topwert beim FC Bayern. Auch bei den Deep Completions, also den erfolgreichen Zuspielen in einen virtuellen Raum mit einem Radius von 20 Metern zum gegnerischen Tor, steht sie mit 2,25 nur hinter Bühl (etwas mehr als drei).

Szenenanalysen: Warum Harder so unglaublich wichtig für den FC Bayern ist

Harder ist mit ihrer Spielintelligenz das Hirn des Bayern-Spiels, Bühl wiederum ist mit ihrer Wucht und ihren unermüdlichen Angriffen das Herz, das in der Offensive den Takt vorgibt. Und mit Momoko Tanikawa haben die Bayern eine weitere Spielerin, die, wenn sie sich so weiterentwickelt, bald ebenfalls auf diesem Niveau agieren kann und nochmal andere Qualitäten mitbringt.

Doch im Moment ist Harder der Dreh- und Angelpunkt des FCB. Schon deshalb, weil sie fast überall ist und fast alles macht. Teilweise leitet sie ihre eigenen Tore ein – wie beim 5:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt, als sie entscheidenden Anteil daran hatte, dass ihr 3:0 überhaupt erst fallen kann.

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Auf dem linken Flügel hatte Bühl den Ball und innen nur wenige Optionen. Sie entschied sich also für ein Dribbling in Richtung Zentrum. Harder wiederum erkannte diese Situation und bewegte sich trabend aus der Spielfeldmitte nach außen. Ihre Gegenspielerin hatte einen kleinen Abstand zu ihr.

Harder wiederum machte zwei entscheidende Schulterblicke, um die Situation richtig einschätzen zu können. Beim ersten orientierte sie sich zur Gegenspielerin und erkannte, dass diese die Tiefe absichern und sich von ihr entfernen wird. Harder nahm also Tempo aus ihrem Lauf und blieb im Zwischenraum kurz stehen. So wurde sie anspielbar.

Bühl spielte den Pass auf die Offensivkollegin, die einen Bruchteil einer Sekunde vor der Ankunft des Passes einen zweiten Schulterblick machte, um die offensiven Räume im Blick zu behalten. Harder kontrollierte den Ball und spielte ihn schnell wieder in die Tiefe, wo Bühl direkt durchstartete.

Nur so bekamen die Bayern Tempo in den Angriff. Harder blieb ebenfalls aktiv in der Situation und ersprintete sich den Abschluss, der zum 3:0 führte. Eine beispielhafte Szene für sie. Immer wieder lässt sich die beidfüßig starke Angreiferin zwischen die Linien fallen, um Drucksituationen aufzulösen und das Spieltempo ihres Teams zu erhöhen.

Pernille Harder: Spielmacherin und Torjägerin zugleich

Harder verknüpft Spielmacherinnenqualitäten mit der einer eiskalten Neunerin, wie ihre beiden Tore gegen United jüngst zeigen, als sie in den perfekten Momenten in die Tiefe startete. Ein Tor, das sie in ihrer Karriere schon oft erzielt hat. Weil sie eine herausragende Ballverarbeitung, kluge Laufwege und ein gewisses Grundtempo in sich vereint.

Ein gutes Beispiel für ihre Laufintelligenz ist ihr 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg im Bundesliga-Hinspiel. Ihre Gegenspielerinnen führte sie gleich mit mehreren Richtungswechseln in die Irre.

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Zunächst orientierte sie sich in die Schnittstelle der äußersten Verteidigerin und der nächsten Innenverteidigerin in der Kette. Die Innenverteidigerin hatte in diesem Fall eine Gegenspielerin. Eigentlich hätte die Außenverteidigerin sich also direkt an Harder orientieren können. Doch es gab noch die Gefahr, dass Giulia Gwinn den dadurch entstehenden Raum nutzen könnte.

Außerdem war Nürnberg im Zentrum klar in Überzahl, weshalb sich die Außenverteidigerin wohl dachte, dass es in Ordnung wäre breiter zu verteidigen. Harder positionierte sich so im Rücken der Innenverteidigerin, dass sie nicht sofort in ihrem Blickfeld war.

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Und exakt aus diesem „blinden Fleck“ heraus ließ sie sich zunächst an den zweiten Pfosten fallen, um von dort dann einen perfekt getimten Sprint um die Innenverteidigerin herum anzusetzen und sich einen Raumvorteil zu verschaffen, der ihr bei der flachen Flanke von Bühl die Möglichkeit zur Torerzielung gab.

„P“ wie „Pi“: Unverzichtbar für den Kreislauf ihres Teams

Manche würden es erfahren und abgezockt nennen. Andere würden zu Recht die Verteidigungsqualität von Nürnberg mit anführen. Doch Harder spielt auf diese Art und Weise mit all ihren Gegenspielerinnen. Egal, ob in der Champions League oder im DFB-Pokal gegen unterklassige Teams oder eben in der Bundesliga.

Sie hat auf jedem Niveau bewiesen, wie gut sie ist. Und dass sie zudem so gut wie nie ausfällt, ist für den FC Bayern ein echter Segen. Harder ist Dauerbrennerin, kann wegen ihrer Qualitäten auf der Neun, auf der Zehn oder sogar einrückend auf dem Flügel agieren. Überall reißt sie das Spiel an sich und gibt wichtige Impulse.

So wie die Zahl Pi unverzichtbar für jegliche Berechnungen rund um Kreise ist, ist die Fußballerin, die von ihren Teamkolleginnen liebevoll englisch ausgesprochen „P(i)“ genannt wird, unverzichtbar für den Kreislauf des FC Bayern. Und so wird Harder auch am Mittwochabend wieder im Fokus stehen, wenn es darum geht, ihre lange eigene Geschichte, aber vor allem auch die Geschichte des FC Bayern weiterzuschreiben und das erste Halbfinale seit 2021 für ihren Klub zu sichern.

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