DFB-Frauen
·2. April 2026
Peter: "Wir achten auf die individuelle Superkraft"

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·2. April 2026

Für viele junge Spielerinnen und Spieler ist ein Sichtungsturnier des DFB der erste große Schritt auf dem Weg in die Nationalmannschaft. Hier treffen die talentiertesten Nachwuchskräfte der Landesverbände aufeinander, um ihr Können zu zeigen. Kathrin Peter, Cheftrainerin der weiblichen U 16-Nationalmannschaft, war am Wochenende vor Ort und berichtet im DFB.de-Interview, wie ein solches Sichtungsturnier abläuft und worauf es beim Sichten besonders ankommt.
DFB.de: Wie läuft ein Sichtungsturnier beim DFB ab?
Kathrin Peter: Das Sichtungsturnier erstreckt sich über fünf Tage. Am ersten Tag reisen alle Landesverbände, Trainer*innenteams und Schiedsrichterinnen an – wir nutzen die Zeit, um uns gemeinsam auf das Turnier einzustimmen. Von Tag zwei bis fünf wird nach dem Hammes‑Modell gespielt, sodass möglichst gleichstarke Teams aufeinandertreffen. So können wir die Spielerinnen unter fairen und vergleichbaren Bedingungen beobachten. Ein großes Sichterteam aus DFB‑Trainerinnen, Stützpunkttrainerinnen, Ausbilder*innen und Analyst*innen begleitet alle Spiele. Zusätzlich gibt es ein eigenes Team, das die Torhüterinnen beobachtet – nicht nur in den Spielen, sondern auch in speziellen Trainingseinheiten. Am Abschlusstag stehen die letzten Spiele und die Ehrungen für Teams und Einzelpreise an. Das ist immer ein schöner Moment für alle Beteiligten.
DFB.de: Wie viele Teams und Spielerinnen nehmen teil?
Peter: Insgesamt sind 22 Teams mit 352 Spielerinnen dabei. Alle 21 Landesverbände stellen ein Team, Bayern als größter Verband sogar zwei, damit wir eine gerade Mannschaftszahl haben.
DFB.de: Welche Aufgaben übernehmen Sie als Sichterin?
Peter: Als Cheftrainerin des Jahrgangs leite ich gemeinsam mit unserem Teammanager das Turnier – aber entscheidend ist: Wir arbeiten vor Ort als ein Team. Unsere Co‑Trainer*innen, die DFB‑Trainer*innen und Sichter*innen sind eng eingebunden. Meine Aufgaben reichen von der Einführung des Sichter*innenteams über die Beobachtung der Spiele bis hin zur täglichen Auswertung. Wir dokumentieren alles sehr sorgfältig, gleichen Ergebnisse ab und besprechen uns intensiv mit den Verbandssportlehrer*innen. Wichtig ist mir, dass wir transparent arbeiten und im Austausch mit Spielerinnen, Vereinen und Eltern stehen. Sichtung ist Teamarbeit – und sie gelingt nur gemeinsam.
DFB.de: Welche Kriterien sind besonders wichtig?
Peter: Zunächst möchte ich Spielfreude sehen. Das ist oft das Erste, was auffällt. Dazu kommen Mut, Aktivität und Intensität. Wir achten auf gute Basics, aber auch auf die besondere Fähigkeit einer Spielerin – ihre individuelle "Superkraft". Gleichzeitig denken wir in Entwicklungen, nicht in Momentaufnahmen. Wir begleiten die Spielerinnen das ganze Jahr über und wissen, wie viel sich in kurzer Zeit verändern kann – sportlich wie mental.
DFB.de: Welche Rolle spielen körperliche Voraussetzungen?
Peter: In diesem Alter sind die Unterschiede enorm. Manche Spielerinnen stecken gerade mitten in einem Wachstumsschub, andere sind körperlich noch nicht so weit oder schon deutlich weiter. Wir müssen diese Unterschiede berücksichtigen und fair vergleichen. Entscheidend ist nicht, wer heute körperlich überlegen ist, sondern wer langfristig das Potenzial hat, sich durchzusetzen. Bei diesem Länderpokal wurde erstmals eine Messung zur Bestimmung des biologischen Alters durch die Uni Tübingen vorgenommen. Das hilft uns natürlich bei der Bewertung der Spielerinnen.
DFB.de: Welche mentalen Eigenschaften zeichnen ein Toptalent aus?
Peter: Es braucht eine tiefe Liebe zum Fußball und den inneren Antrieb, jeden Tag ein bisschen besser werden zu wollen. Dazu eine gute Portion Resilienz – also die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. Ohne diese Eigenschaften wird es auf dem Weg nach oben schwierig.
DFB.de: Wie geht es nach dem Turnier weiter?
Peter: Wir haben 36 Spielerinnen für unseren Lehrgang am DFB‑Campus vom 13. bis 16. April 2026 nominiert. Dort können wir die neu gesichteten Spielerinnen mit den bereits bekannten zusammenführen – eine tolle Möglichkeit für alle, sich weiterzuentwickeln. Parallel findet die Trainertagung der Verbandstrainerinnen und der Leiterinnen der weiblichen Nachwuchsleistungszentren statt, was einen wertvollen Austausch ermöglicht. Im Mai reisen wir mit einem 23er‑Kader zum UEFA‑Development‑Turnier nach Portugal und treffen dort auf Portugal, Belgien und Frankreich. Hier sammeln die Spielerinnen wichtige Erfahrungen auf internationalem Niveau. Weitere internationale Spielerfahrungen folgen im Juni in zwei Heimländerspielen gegen England. Ende Juli steht ein weiterer Lehrgang an, bevor wir in die neue U 17‑Saison und die erste EM‑Qualifikation für 2027 starten.
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