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·20. Juni 2026
Polats Post-Match-Analyse: Drei gravierende Fehler und Montellas taktischer Starrsinn kosten die Türkei die WM

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·20. Juni 2026

Nach der bitteren Paraguay-Pleite (0:1) ist klar: Die Türkei kann aus dieser Weltmeisterschaft nur eine Sache mitnehmen, den Ballbesitz, denn aus diesem ist nichts Zählbares entsprungen. Das vorzeitige Aus bei dieser Endrunde, bei der 32 von 48 Teams weiterkommen werden, ist ein massiver Rückschlag für den türkischen Fußball, der in den vergangenen Jahren eine so vielversprechende Entwicklung mit großen Talenten auswies. Doch nachdem das Aus der „Milli Takim“ nun offiziell feststeht, kann man die Kritik jetzt deutlich härter äußern.
Drei gravierende Fehler sind der Türkei dabei zum Verhängnis geworden. Nummer eins: die enorme Emotionalität und Selbstüberschätzung, zweitens das im Vorfeld explizit beschriebene Fehlen eines Topstürmers und drittens das Beharren von Nationaltrainer Vincenzo Montella auf gewisse Spieler und taktische Vorlieben bzw. das Fehlen von Flexibilität. Wie wurde mal so treffend gesagt: „Es ist Wahnsinn, immer wieder dasselbe zu versuchen und ein anderes Ergebnis zu erwarten.“ Dieser Satz, der fälschlicherweise oft dem Physiker Albert Einstein zugeschrieben wird (Original: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“), beinhaltet jedoch eine große Wahrheit.
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Warum soll die Spielweise, die gegen Australien nicht funktioniert hat, gegen ein exakt ähnlich agierendes Team plötzlich funktionieren? Fakt eins: Die Türkei tut sich schwer gegen körperlich robuste Teams, die tief stehen und aggressiv verteidigen. Fakt zwei: Kerem Aktürkoglu gegen physisch starke, hochgewachsene Innenverteidiger aufzubieten, funktioniert ebenfalls nicht. Also warum darauf so dermaßen penetrant bestehen?
Aktürkoglu ist bei freien Räumen und in Eins-gegen-eins-Positionen bei Kontern wirkungsvoll. Nicht bei Kopfbällen oder wenn er mit dem Rücken zum Tor agieren muss. Der Wechsel auf Baris Alper Yilmaz, einer der wohl ineffektivsten Offensivkräfte der türkischen Fußballgeschichte, was Einsätze in der Spitze und Tore betrifft, und auf Besserung zu hoffen, war gegen den dezimierten Gegner nach dem Seitenwechsel auch keine taktische Finesse oder Überraschung durch Montella. Die späten Einwechslungen von Can Uzun und Deniz Gül waren nur der Not geschuldet und förmlich eher Zwang für den Italiener als Überzeugung.
Ein weiterer Fakt ist, dass die Türkei bei einem Unentschieden zumindest noch rechnerische Chancen aufs Weiterkommen im letzten Spiel gegen die USA (26. Juni) gehabt hätte und die Spannung für die türkischen Fans zumindest eine weitere Woche hätte weitertragen können. Was wäre also gewesen, wenn die Türkei den Gegner völlig überrascht hätte, auch schon die Australier, und den Ball vehement dem Gegner überlassen und selbst verteidigt hätte, wie einst zweimal erfolgreich gegen Frankreich? Die Gegner wären absolut perplex gewesen und hätten womöglich tatsächlich probiert, spielerisch einen Vorwärtsgang einzulegen, was den Qualitäten der türkischen Spieler für Konter bei mehr Freiräumen zugutegekommen wäre. Sogar bei zwei unansehnlichen torlosen Unentschieden hätte man jetzt noch alle Chancen gehabt.
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Dies soll keine Lösung oder Anregung für die Spielweise der Türkei sein, sondern lediglich überspitzt verdeutlichen, dass man bezüglich der benötigten Punkte berechnend und taktisch unberechenbar für den Gegner auftreten und mehr Varianten hätte ausprobieren können. Auch mit Doppelspitze zu Spielbeginn aufzulaufen oder im Vorfeld körperlich für den Gegner passendere Angreifer wie Bertug Yildirim zum Beispiel oder einen weiteren dribbelstarken Offensivakteur wie Aral Simsir mitzunehmen, wären womöglich bessere Entscheidungen von Montella gewesen, hinter dessen Zukunft nach erfolgreichen drei Jahren jetzt ein gewaltiges Fragezeichen stehen dürfte, nach diesen Vorstellungen der Türkei und diesem Imageschaden für diese neue „Goldene Generation“, wie sie in den Medien aufgrund der zahlreichen Top-Talente nicht zu Unrecht bezeichnet wird. Aber um diese Bezeichnung auch zu verdienen, muss man sie mit Leistungen und Erfolgen eben „vergolden“.
Zusammenfassend, ohne allzu tief ins taktische Grundgeschehen einzutauchen: Ballbesitz allein reicht nicht. Überheblichkeit und Selbstüberschätzung, taktische Steifheit sowie zu behäbige Abwehrspieler, Unkonzentriertheiten in der Defensivarbeit sowie offensichtlich mangelnde mentale Fitness und Stressmanagement sind der Türkei zum Verhängnis geworden. Man kann es als Lernprozess betrachten, aber am Ende sind die großen Hoffnungen einer ganzen Nation nach nur 180 Minuten verpufft. Nach 24 Jahren des Wartens haben Montella und die türkischen Spieler den Fans kein Lächeln ins Gesicht gezaubert, sondern leider nur den Gegnern. Die Spieler selbst vergossen bittere Tränen, genauso wie viele türkische Fußball-Fans. Am Ende bleibt die Gewissheit, dass dies mit den Möglichkeiten und Qualitäten, die man hatte, einfach viel zu wenig war. Dafür müssen jetzt einige die Verantwortung übernehmen, allen voran offenkundig der Trainer.
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