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·5. März 2026
Polzins demonstrative Ruhe beim HSV wirkt nach zwei Niederlagen wie Selbsttäuschung

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·5. März 2026

Vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, Niederlagen gegen Leipzig und Leverkusen. Am Samstag in Wolfsburg wird sich zeigen, ob Polzins Ansatz trägt.
Zwei Niederlagen in vier Tagen, und Merlin Polzin spricht von ruhiger Einordnung in der Kabine. Der HSV-Trainer gibt sich betont sachlich nach dem 0:1 gegen Leverkusen, nachdem seine Mannschaft schon am Wochenende gegen Leipzig mit 1:2 verloren hatte. Ich verstehe den Reflex, keine Panik aufkommen zu lassen. Aber ich frage mich, ob diese demonstrative Gelassenheit der Situation angemessen ist.
Vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, sechs Zähler auf den direkten Abstiegsrang – das sind keine Zahlen, die zur Entspannung einladen. Der Verweis auf die Stärke der Gegner, den Polzin und Torhüter Daniel Heuer Fernandes bemühen, ist faktisch nicht falsch. Leipzig und Leverkusen gehören zur Spitzengruppe der Liga. Aber genau hier liegt das Problem meiner Beobachtung nach: Der HSV hat in dieser Saison nicht gegen die Großen gepunktet, um sich Luft zu verschaffen. Er hat gegen sie verloren, wie es zu erwarten war. Die entscheidende Frage ist, was passiert, wenn es gegen die direkten Konkurrenten geht.
Am Samstag in Wolfsburg wird sich zeigen, ob die betonte Ruhe des Trainers taktisches Kalkül oder gefährliche Selbsttäuschung ist. Der VfL steht auf einem Abstiegsplatz, sechs Punkte hinter dem HSV. Ein Sieg würde den Hamburgern tatsächlich Luft verschaffen. Eine Niederlage würde die Lage dramatisch verschärfen und die Frage aufwerfen, ob Polzins Ansatz der ruhigen Einordnung noch trägt.
Die Klubführung und der Trainer betonen die Prozesshaftigkeit, den eingeschlagenen Weg, die Entwicklung. Das klingt vernünftig, solange die Ergebnisse stimmen. Nach zwei Heimniederlagen in Folge wirkt es wie eine Schutzbehauptung. Der Profifußball verzeiht keine Geduld, wenn die Punkte fehlen. Die Tabelle interessiert sich nicht für Einordnungen.
Was mich an Polzins Kommunikation irritiert, ist nicht die Sachlichkeit an sich. Es ist das Fehlen einer erkennbaren Dringlichkeit. Heuer Fernandes sagt, am Samstag werde es ein anderes Spiel. Aber warum sollte es das sein? Was ändert sich konkret? Welche Stellschrauben werden gedreht? Diese Fragen bleiben unbeantwortet, während der Trainer von Regeneration spricht.
Der HSV hat in seiner jüngeren Geschichte genug Erfahrung mit Abstiegen und Beinahe-Abstiegen gesammelt. Die Verantwortlichen wissen, wie schnell sich Stimmungen drehen können, wie dünn das Eis ist, auf dem sie sich bewegen. Umso erstaunlicher finde ich die demonstrative Gelassenheit nach zwei Niederlagen, die den Puffer auf die Abstiegszone spürbar geschrumpft haben.
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