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·2. Juli 2026
Portugal gegen Kroatien: Zwei Ikonen kämpfen um ihren letzten großen WM-Traum

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Die Debatte, wie sehr einzelne Spieler über dem Teamgefüge stehen dürfen, beschäftigt vor allem im Rahmen der Weltmeisterschaft viele Fußballfans. Während im Fall von Cristiano Ronaldo von überall lautstark viele unterschiedliche Meinungen kundgetan werden, bestreitet Luka Modric im Vergleich fast heimlich, still und leise seine letzte WM-Reise.
Fest steht: Eine der beiden Legenden muss im Anschluss an das Sechzehntelfinal-Duell zwischen Portugal und Kroatien (zum wahrscheinlich letzten Mal) die Heimreise antreten. Ob mit Pauken und Trompeten im Fall von CR7 oder würdevollem, höflichen Applaus für Maestro Modric ist durchaus eine knifflige Angelegenheit.
Portugal-Coach Roberto Martinez blickt lieber aufs große Ganze: ,,Ich glaube, die Bedeutung des Spiels ist so groß, dass alles, was damit zu tun hat, wie sich der Nationaltrainer fühlt oder wie die Zukunft irgendeines Spielers aussieht, nicht wichtig ist.“ Ja und Nein. Ronaldo und Modric sind so groß, dass es unmöglich erscheint, die Wichtigkeit der beiden Persönlichkeiten auszublenden. Natürlich aber hat Martinez vor allem mit dem ersten Teil seiner Aussage völlig recht. Die Bedeutung des Spiels ist unheimlich groß – denn ein weiteres europäisches Schwergewicht wird wohl oder übel früher als erwartet die Segel streichen müssen.
Es ist das Duell zweier Vize-Gruppensieger. Portugal musste Kolumbien in Gruppe K den Vortritt lassen, Kroatien ging in Gruppe L hinter den Engländern über die Ziellinie. Auf dem Papier ist die westeuropäische Seefahrernation im direkten Duell favorisiert. Der Kader ist so stark wie nie, zahlreiche Weltstars wie Vitinha, Bruno Fernandes, Joao Neves oder Nuno Mendes unterstützen CR7 auf seiner letzten Titelmission.
Unterdessen ist die goldene Generation Kroatiens mittlerweile auf dem absteigenden Ast. Leistungsträger wie Modric, Ivan Perisic und Mateo Kovacic drehen ihre letzten Runden, vor zwei Jahren scheiterten die Vatreni bereits in der EM-Vorrunde. Und doch hat der bisherige Turnierverlauf in den USA, Mexiko und Kanada gezeigt, dass beide Teams deutlich näher beieinander liegen als erwartet.
Das liegt vor allem an den (bisher) uninspirierten Auftritten der Selecao. Portugal strahlte wenig von der erwarteten Dominanz aus und konnte lediglich gegen das kleine Usbekistan überzeugen. Gegen den Kongo verlor man durch das überraschende Unentschieden zum Auftakt zwei Punkte. Gegen Kolumbien konnte man froh sein, dass man wenigstens einen davon mitnehmen durfte. Damit steht eine ernüchternde Zwischenbilanz von einem Sieg aus drei Spielen zu Buche, dementsprechend gedrückt ist die Stimmung.

Foto: Getty Images
Die Mannschaft wirkt nicht befreit, was nicht nur, aber auch am Medienrummel rund um ihren Megastar liegt. Der passt zuweilen nicht immer ins Spiel von Roberto Martinez, hat aber immer noch seinen Stammplatz inne. Im Anschluss an das Kongo-Spiel löste Mittelfeld-Ass Joao Neves durch seine aus dem Kontext gerissene Aussage ,,Er ist nur ein weiterer Spieler, der uns hilft. Er unterscheidet sich nicht von den anderen“, zahlreiche heftige Social-Media-Reaktionen aus.
Ronaldo und Portugal beweisen, dass das bekannte Sprichwort ,,Jede Publicity ist gute Publicity“ zumindest nicht auf sie zutrifft, da die sportliche Leistung stand jetzt nicht für den ganz großen Traum ausreicht. Auf der anderen Seite kennt Kroatien solche Probleme nicht. Medial werden Modric und Co. oft noch noch stiefmütterlich behandelt, trotz großer Erfolge in der Vergangenheit. 2022 standen die Karo-Kicker im WM-Halbfinale, 2018 sogar im Endspiel. Angeführt wurden sie jedes Mal von Luka Modric. Dass jener 2018 sogar zum Spieler des Turniers ernannt wurde, daran erinnern sich bei weitem nicht alle. Nicht dass der mittlerweile 40 Jahre alte Mittelfeldstratege zu wenig Anerkennung für seine Leistungen bekam. Es zeigt aber dennoch den Kontrast zu Akteuren wie Ronaldo auf, der im Übrigen auf der WM-Bühne deutlich weniger vorzuweisen hat als sein langjähriger Teamkollege bei Real Madrid.

Foto: Getty Images
Modric und Kroatien fühlen sich wohl in der Rolle des Spielverderbers. Überrannt werden sie selten von ihren Gegnern – die 4:2-Niederlage gegen England in der Gruppenphase ist eine Ausnahmeerscheinung. Kroatien hält Spiele oft eng und verliert in diesen Situationen weder die Ruhe noch die Kontrolle. Insgesamt viermal mussten die Vatreni seit der WM 2018 in ein Elfmeterschießen – und gewannen allesamt. Eine für Portugal gefährliche Statistik, da ein Szenario ohne Sieger nach 120 Minuten durchaus möglich erscheint.
Ob die beiden von Roberto Martinez zurecht als ,,Ikonen des Fußballs“ bezeichneten Ronaldo und Modric dann noch auf dem Platz stehen würden? Der Zahn der Zeit hat an beiden genagt, trotz des enormen Ehrgeizes können beide Ausnahmekönner wohl kaum noch die Intensität eines WM-K.O.-Spiels über eine Verlängerung, geschweige denn über 90 Minuten mitgehen.
Fest steht, dass es in der Nacht auf Freitag besondere Momente zu Bestaunen geben wird. Für eine der beiden Legenden wird die wahrscheinlich letzte WM-Reise dann zu Ende gehen. Nur die Art und Weise steht noch aus. Bekanntlich entscheidet das letzte Kapitel einer Geschichte darüber, wie man sie in Erinnerung behält. Roberto Martinez hat Recht mit seinen Worten. Die Bedeutung des Spiels ist groß – in jeglicher Hinsicht.
Denn bei all den Storys um Ronaldo, Modric und den Traum vom WM-Titel rückt eine andere Geschichte in den Vordergrund. Am 3. Juli jährt sich zum ersten Mal der Todestag des bei einem Autounfall verunglückten portugiesischen Nationalspielers Diogo Jota. Auch für ihn wollen seine ehemaligen Nationalmannschaftskollegen die nächste Runde erreichen, wie Mittelfeldstratege Vitinha betont. In diesem Punkt treten alle anderen Debatten in den Hintergrund. Es gibt eben Dinge, die größer sind als der Fußball selbst.
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