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·5. Mai 2026

Problemzone Bank: Sind die Qualitätsunterschiede beim FC Bayern zu groß?

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Der FC Bayern spielt eine grandiose Saison. Könnte die Bank ihnen am Ende aber noch alles kosten?

Nicolas Jackson und Leon Goretzka – das sind die beiden Optionen, die Vincent Kompany im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals als Spätimpulse bringen konnte. Zwei durchaus gestandene Spieler, aber praktisch ohne echte Torgefahr für die Defensive von Paris Saint-Germain.


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Nun sind Goretzka und Jackson auf keinen Fall Spieler, die nichts beim FC Bayern verloren hätten. Trotzdem sind sie zu weit weg vom Niveau, auf dem die erste Elf des Rekordmeisters spielt – vor allem deshalb, weil sie nicht optimal ins System des Trainers passen.

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In der Miasanrot-„Kaderlytics“-Ausgabe vor der Saison wurde bereits empirisch belegt, dass in der Kadertiefe kein großes Problem vorliegt. Könnte es aber sein, dass die Qualität dieser Tiefe nicht ausreicht?

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Die Bank des FC Bayern im Check

Klar ist: Die Münchner sind aktuell mal wieder von Verletzungen geplagt. Mit Lennart Karl, Serge Gnabry und Tom Bischof waren drei ernstzunehmende Optionen zuletzt nicht verfügbar. Bei Gnabry wird sich das auch nicht so schnell ändern. Dazu sind potenzielle Stammspieler wie Alphonso Davies und Jamal Musiala nach ihren langen Verletzungen immer noch schwierig zu bewerten. Doch auch in voller Stärke gibt es eindeutige Schwächen.

Selbst bei voller Mannschaftsstärke würden dem deutschen Rekordmeister nicht viele realistische Optionen bleiben, bei denen kein massiver Leistungsabfall im Vergleich zum Stammpersonal folgt.

Min-jae Kim

Darunter sind durchaus interessante Spieler wie Min-jae Kim. Als der Südkoreaner im Sommer 2023 bei seinem neuen Arbeitgeber in Deutschland antrat, galt er als einer der besten auf seiner Position. Knapp drei Jahre später gibt es aber ein neues Bild.

Kims Stammspielerstatus vom Beginn seiner Bayern-Zeit wurde zu einer reinen Rotationsrolle. Eine wichtige Rolle, keine Frage – aber die Minuten, die Kim diese Saison spielte, überzeugten nicht genug, um ihm zuzutrauen, auf allerhöchstem Niveau eine sichere Option darzustellen.

Oder anders formuliert: Auch wenn seine Saison durchaus als solide zu betrachten ist, ist solide für die Gehaltskosten und die Anforderungen auf höchstem Niveau etwas zu wenig. Beim ersten Innenverteidiger-Backup sollte es kein unsicheres Gefühl geben. Trotzdem ist Kim noch eine Alternative, der man zutrauen kann, von der Bank kommend seinen Job zu machen – hier ist es vor allem das Gesamtpaket aus Vertrag, Leistung und Fehlern der Vergangenheit, die sein Standing schmälern.

Hiroki Ito

Bei Hiroki Ito ist der Fall etwas anders gelagert. Der aus Stuttgart gekommene Verteidiger hatte bisher eine schwere Zeit in München. Verletzungspausen bremsen den Japaner massiv aus. Auch diese Saison stehen wieder 20 verletzungsbedingt verpasste Spiele zu Buche.

Nun ist Ito aber seit dem 11. Spieltag – mit einer dreiwöchigen Unterbrechung – wieder verfügbar und überzeugt nicht unbedingt. Selbst in der Bundesliga erbringt er in der Regel allenfalls durchschnittliche Leistungen. Ein Niveau, das man gegen Mannschaften wie PSG oder Real Madrid nicht bringen will und das im Vergleich zur Stamm-IV zu stark abfällt. Nicht umsonst beträgt seine Spielzeit nur sieben Minuten in der aktuellen K.-o.-Runde der Königsklasse.

Alphonso Davies

Ein Spieler mit Qualität, aber auch Fragezeichen ist Alphonso Davies. Von einem Kreuzbandriss zurückzukommen, ist eine sehr schwere Aufgabe für jeden Sportler, besonders für jene, die stark von ihrer Athletik profitieren. Allgemein bringt der Kanadier alles mit, was ein Weltklassespieler braucht – und trotzdem waren die letzten Jahre nie ein kompletter Erfolg für Davies. Mal verletzt, mal unkonstant oder manchmal passte sein Spielerprofil einfach nicht, wie unter Thomas Tuchel. 

Doch gezeigt hat der aus Vancouver gekommene Linksverteidiger trotzdem genug, um ihm zu attestieren, dass er absolut das Niveau der ganz Großen mitgehen kann. Erwähnenswert ist dabei sein guter Auftritt gegen Real Madrid, in dem er den schwachen Josip Stanišić ersetzte und dabei eine bessere Figur abgab als der Kroate.

Tom Bischof

Für Tom Bischof war die bisherige Saison wohl ein Erfolg. Er überzeugte in mehreren Partien, zuletzt auch gegen Freiburg, wo er mit einem Doppelpack das späte Comeback einleitete. Trotzdem konnte er in der Rückrunde nicht ganz die Rolle einnehmen, die er noch in der Hinrunde innehatte. Der ehemalige Hoffenheimer hat viele gute Ansätze gezeigt und war vor allem wegen seiner Flexibilität ein wichtiger Faktor im Rotations-Konstrukt des FC Bayern.

Die Chancen, sich auf höchstem Niveau zu beweisen, hat er noch nicht wirklich bekommen. In der Bundesliga gegen Dortmund oder in der Champions League gegen Paris, Arsenal und Real Madrid bekam er wenig bis keine Einsatzminuten. Auch in seinen Bundesligaeinsätzen gab es teilweise noch Luft nach oben – ein entscheidender Faktor, da Fehler auf diesen Positionen gegen Weltklasseteams schnell bestraft werden.

Dennoch ist Bischof ein Toptalent und eine Art Spieler, die der FC Bayern immer im Kader haben sollte.

Raphaël Guerreiro

Raphaël Guerreiro wird den Verein im Sommer verlassen. Seine aktuelle Saison ist nicht gut genug. Offensiv hat er zu wenig Einfluss auf das Spiel, defensiv ist er anfällig wie eh und je. Trotzdem war Guerreiro zuvor ein gutes Beispiel für einen Rotationsspieler mit hoher Qualität, guter Anbindung zum System und Akzeptanz für die Rolle.

Guerreiro ist schlicht etwas in die Jahre gekommen. Die Trennung im Sommer ist richtig. Mit seiner Flexibilität war er jedoch ein sehr guter Transfer. Der ehemalige Dortmunder ist ein Spieler, den man so erstmal ersetzen muss.

Leon Goretzka

Der umstrittene Mittelfeldspieler hat es nicht einfach. Er steht stärker im Brennglas als viele andere Spieler. Das liegt auch an seiner hohen Spielzeit: Mit 45 Saisonspielen, davon 25 in der Startelf, spielt Goretzka mit Abstand die größte Rolle aller Rotationsspieler. Das liegt natürlich auch daran, dass er eine der besten Bankoptionen ist.

Der Ex-Schalker ist weiterhin ein gestandener Spieler mit klaren Qualitäten. Dass er jedoch diese Menge an Einsatzzeit hat, ist gleichzeitig auch ein Indikator für fehlende Klasse in der Reserve. Der Unterschied in Zweikampfstärke, Passgenauigkeit und technischem Niveau zwischen Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlović und Goretzka ist teilweise so groß, dass er den Spielfluss der Münchner oft spürbar runterzieht.

Sein Niveau ist keineswegs schlecht, aber als Spielertyp passt er nicht optimal zu den Anforderungen des Kompany-Fußballs. Seine Einwechslungen machen das Team trotz frischer Beine häufig nicht besser – und das ist weit weg von dem, was man von der ersten Alternative im Mittelfeld erwarten sollte.

Lennart Karl

Lennart Karl hat sich diese Saison einen Namen gemacht wie kaum ein anderer beim Deutschen Meister. Mit 16 Scorerpunkten in 1.890 Minuten ist der Nationalspieler im Schnitt knapp alle 120 Minuten an einem Treffer beteiligt – ein starker Wert selbst für Spieler, die nicht ihre erste Profisaison spielen. Karl überzeugte auch gegen Arsenal und im Nationaltrikot. Prinzipiell scheinen ihm wenig Grenzen gesetzt.

Trotzdem ist sein Defensivbeitrag fraglich und teilweise noch etwas unbeholfen – gegen Mannschaften, die jeden fehlenden Meter im Pressing bestrafen, ein nicht zu unterschätzender Faktor. Vielleicht auch ein Grund, warum Karl gegen Real nicht zum Einsatz kam, als es eng wurde.

Nicolas Jackson

Nicolas Jackson ist Backup für Harry Kane. In dieser Rolle macht der ehemalige Londoner seinen Job ordentlich, mit Tendenz nach oben in den letzten Wochen. Doch auch hier gilt: Der Impact von Jackson auf das Bayern-Spiel ist aktuell zu gering, um ein enges Champions-League-Spiel entscheidend zu beeinflussen. Als frischer Impuls in engen Partien ist er bislang kaum aufgefallen.

Ist die Bank des FC Bayern gut genug?

Unterm Strich bleiben mit Karl und Davies für den Rest der Saison eigentlich nur zwei Spieler, von denen man erwarten kann, ein Spiel auf Champions-League-Halbfinal-Niveau entscheidend mitzugestalten. Und selbst bei ihnen bleiben Fragezeichen hinsichtlich Fitness und Erfahrung. Das ist zu wenig und nimmt dem FC Bayern Möglichkeiten, ein Spiel taktisch zu verändern oder frische, qualitativ hochwertige Impulse zu setzen.

Auffällig ist auch Vincent Kompanys Wechselpolitik. Der Cheftrainer wechselte gegen Real Madrid und PSG oft sehr spät und wenig. Ausnahmen waren Davies, Musiala und Konrad Laimer, die jeweils früh gebracht wurden.

Das bestätigt aber eher die fehlende Qualität in der Breite als eine konservative Herangehensweise. Da Spieler, die auf dem Niveau des ersten Teams sind, auch schon früher gebracht werden. Die Auffälligkeit lag darin, dass ohne einen Gnabry oder Musiala auf der Bank im Hinspiel gegen PSG erst in der 79. und 94. Minute gewechselt wurde, abgesehen von dem wohl nicht ganz fitten Davies, der schon zur Pause raus musste.

Wo Bayern nachlegen könnte

Im Prinzip hat der FC Bayern selbst bei voller Kaderstärke Zonen im Kader, in denen die Einwechseloptionen nicht ausreichen. Nicht jeder Spieler muss ein Spiel entscheiden können – aber der Anspruch sollte sein, dass das Niveau nicht deutlich abfällt. Das ist gewiss eine Herausforderung, weil Weltklasse-Spieler sich nicht freiwillig auf die Bank setzen. Aber das Loch ist aktuell zu groß.

Die Offensive ist dabei die wichtigste Baustelle. Offensivspieler haben den größten Einfluss von der Bank. Genau dort sollte der Rekordmeister nachlegen. Aktuell gibt es auf vier Offensivpositionen nur zwei echte Top-Optionen. Zudem fehlt ein Profil, das müde Gegner mit Tempo und Dribbling wirklich unter Druck setzen kann. Ein Spieler wie der aktuell gehandelte Anthony Gordon könnte genau dieses Profil erfüllen.

Im Zentrum fehlt zudem ein Spieler, den man ohne Qualitätsverlust bringen kann. Mit Bischof gibt es Potenzial, aber noch keine Konstanz auf dem Niveau von Kimmich oder Pavlović. Ein weiterer Sechser oder ein spielveränderndes Profil würde dem Kader gut tun.

Natürlich sind Rotationsspieler wichtig, die qualitativ vielleicht nicht an die A-Elf herankommen, dafür aber gut ins System passen. Aber wenn der FC Bayern sich mit Europas Elite misst, ist es zu wenig, wenn in entscheidenden Spielen nur Goretzka oder Jackson als Optionen bleiben.

Die Verantwortlichen in München werden sich damit beschäftigen müssen. Nicht ohne Grund gibt es Gerüchte um Anthony Gordon oder Givairo Read. Auf einigen Positionen fehlt weiterhin Qualität in der Tiefe. Wie Max Eberl und Christoph Freund dieses Thema angehen, bleibt spannend. Mit den Abgängen von Goretzka, Guerreiro und Jackson wird aber in jedem Fall einiges an Plätzen frei im Kader.

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