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Matti Peters·4. Oktober 2026

Provokation mit perfektem Timing: Hat ER die DFB-Elf wachgekitzelt?

Artikelbild:Provokation mit perfektem Timing: Hat ER die DFB-Elf wachgekitzelt?

Die ersten Auftritte des DFB-Teams unter Jürgen Klopp haben gemischte Gefühle in Fußball-Deutschland hervorgerufen. Der Tenor beinahe flächendeckend: Das Debüt gegen Oranje war noch ganz ok, die Niederlage gegen Griechenland direkt schon wieder eine Vollkatastrophe und zuletzt der Sieg gegen Serbien ein Pflichtsieg mit guten Ansätzen und erstmals auch mit der klassischen Klopp-Handschrift.

Die einen verstehen das Experiment mit dem geteilten XXL-Kader als das, was es war und ist – eine von Vornherein als radikale Ursachenforschung angelegte Maßnahme. Die anderen sahen entgegen ihrer riesigen Erwartung wenig Berauschendes und wähnen das DFB-Team endgültig angekommen in der fußballerischen Mittelmäßigkeit.


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Speziell die Pleite gegen die Griechen war ein herber Euphorie-Dämpfer. Der kreativarme Auftritt von Klopps Team Nummer eins lieferte aber vor allem wichtige Erkenntnisse. Oder wie Klopp es gegenüber 'RTL' formulierte: „Solange du die richtigen Schlüsse daraus ziehst, ist das am Ende auch eine Information wie ein Sieg.“

Schützenhilfe vom Star der Gegner

Unabhängig davon, dass der Bundestrainer gemeinsam mit seinem Staff dazu auch mehr als in der Lage ist, diese Schlüsse zu ziehen, gab es noch am gleichen Abend vom Gegner ordentlich Schützenhilfe.

Griechenlands Offensivkünstler Christos Tzolis legte im Interview mit der 'ARD' den Finger in die deutschen Wunden und sprach schonungslos über ihre Schwächen: „Wir wussten, dass sie Fehler machen würden, und wir mussten effizient genug sein, um zu treffen“, verriet der Angreifer.

Auch dem gefürchteten deutschen Gegenpressing entkam Griechenland mit robuster Simplizität: „Sie sind sehr aggressiv darin, den Ball nah an unserem Strafraum zu gewinnen. Also haben wir versucht, viele lange Bälle zu spielen.“ Das bitterste Urteil fällte Tzolis schließlich über das deutsche Aufbauspiel im letzten Drittel: „Deutschland hatte viel Ballbesitz, aber eigentlich haben sie nicht viel kreiert. Das ist mein Gefühl“, erklärte er schonungslos. Damit packte der ehemalige Angreifer von Fortuna Düsseldorf das DFB-Team bewusst oder unbewusst zum richtigen Zeitpunkt an der Ehre und gab ihnen lehrreiche Hausaufgaben für das heutige Rückspiel.

Zum Teil wurden diese vom „Zweiten DFB-Kader“ beim 2:0-Heimsieg gegen Serbien schon aufgearbeitet und umgesetzt. Zur Einordnung ist aber wichtig: Die Serben präsentierten sich deutlich harmloser und anfälliger als die Niederlande und Griechenland.

Klopp als Schutzmauer gegen die Schnellschüsse

Diese ehrlichen Worte von Tzolis legten genau jene Wunden offen, die in einer Findungsphase unvermeidbar sind. Jürgen Klopp stellte sich in dieser Situation als Schutzmauer vor seine Mannschaft. Im Gespräch mit 'RTL' bremste der Bundestrainer die überzogene Erwartungshaltung ab und verwies auf die sportliche Realität.

„Eingespieltheit ist unmöglich in der Kürze der Zeit“, betonte Klopp auch beim 'BR' mit Blick auf die Nominierung von 44 Spielern in vier Partien. Den Auftritt gegen die kompakt verteidigenden Griechen ordnete er gewohnt plastisch ein: „Tiefstehende Gegner sind die größte Herausforderung im Fußball für jede Mannschaft. Mir ist wurscht, was die Leute über mich denken. Aber kein Trainer der Welt schafft es, in vier, fünf Tagen einer Mannschaft eine Spielweise auf die Festplatte zu hauen, wo sie tief stehenden Griechen mit dem fußballerischen Talent, das sie dazu noch haben, einfach einmal durchs Nasenloch spielt.“

Und doch wird das die große Herausforderung im so wichtigen Rückspiel gegen den ungeschlagenen Tabellenführer der Nations League-Gruppe 2 aus Griechenland.

Wann gibt es Heavy-Metal-Fußball?

Eben dieses Rückspiel am Sonntag in Thessaloniki bekommt zudem eine ganz eigene, fast schon ironische Dynamik. Christos Tzolis selbst wird nach seiner Provokation am Sonntagabend nämlich gar nicht auf dem Platz stehen. Der Offensivstar fällt verletzungsbedingt aus. Mit seiner öffentlichen Demontage hat er dem DFB-Team vielleicht sogar geholfen, zur richtigen Zeit in Tritt zu kommen. Die Quittung müssten somit seine Teamkollegen bekommen.

"Unsere Offensivaktionen mit dem Gegenpressing, die sind gegen jeden Gegner möglich“, betonte Klopp nach seinem ersten Sieg mit dem DFB-Team. Seine Mannschaft könne sich „alle Frechheiten, Freiheiten und Risiken leisten, wenn wir die Kugel gemeinsam zurückerobern“. Ein weiterer Punkt, der im Hinspiel gegen kompakte und umschaltstarke Griechen noch überhaupt nicht funktioniert hat, aber essenziell für Klopps Heavy-Metal-Fußball ist. In neuer Besetzung bekommt Deutschland heute Abend nun also die nächste Chance auf Wiedergutmachung. An Zusatzmotivation dürfte es nicht mangeln. Die lieferte schließlich der kommende Gegner selbst. 


📸 Alex Grimm - 2026 Getty Images

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