Miasanrot
·25. Februar 2026
Punktabzug und viele Abgänge: Die FC Bayern Amateure und die bunte Graumausigkeit

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·25. Februar 2026

Die FC Bayern Amateure sind erfolgreich ins neue Jahr gestartet. Ein Punktabzug und viele Abgänge machen Sorgen – aber es gibt (neue) Lichtblicke.
Für die FC Bayern Amateure war der Start in das neue Pflichtspieljahr ein guter. Mit 1:0 gewannen die Münchner gegen die SpVgg Unterhaching. Ein knapper Sieg, der aber allein wegen der Harmlosigkeit der Gäste absolut in Ordnung ging.
Das frühe Tor von Louis Richter machte am Ende den Unterschied. Die Freude über den Zuwachs an drei Punkten hielt jedoch nicht lange an. Am Mittwoch verkündete das Sportgericht des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) wegen pyrotechnischer Vorfälle rund um das Spiel gegen den SV Wacker Burghausen eine Geldstrafe in Höhe von 26.000 Euro sowie den Abzug eines Punktes.
Die Härte der Strafe resultiert daraus, dass es laut BFV bereits der zehnte Verstoß des FCB II in dieser Saison gewesen sei. Eine Reduzierung der Strafe sei möglich, wenn „täterorientiert“ ermittelt werde, um die Verantwortung stärker auf die jeweilige Person oder die jeweiligen Personen zu verlagern.
Es ist ein Punkt, der sportlich ehrlicherweise keinen großen Unterschied mehr macht. Nach einer sehr durchwachsenen ersten Jahreshälfte stehen die Münchner im oberen Mittelfeld, haben jetzt 29 Punkte und bereits den Anschluss nach ganz oben verloren, wo die Zweitvertretung des 1. FC Nürnberg mit einem Spiel weniger auf 46 Punkte kommt. Der FCN wird allerdings keine Lizenz für die 3. Liga beantragen – aber auch Unterhaching hat bereits zehn Punkte Vorsprung. Die Abstiegs- und Relegationsränge sind mit 14 Punkten Vorsprung wohl eher kein Thema mehr.
Die Amateure verweilen also in der Graumausigkeit der Regionalliga Bayern. Eine Entwicklung, die hier und da für Fragen unter den Fans sorgt. Ist das der Anspruch? Zumal der Aderlass mit einigen Winterabgängen erneut aufgezeigt hat, dass für die Top-Talente das Niveau in der Viertklassigkeit oft zu niedrig ist.
Mit Felipe Chávez, Adin Licina, Javier Fernández, Magnus Dalpiaz und Jussef Nasrawe sind fünf Spieler gegangen, die sportlich sehr wichtig für die Amateure waren oder nach Verletzung wichtig hätten werden können. Hinzu kommen weitere Abgänge, die den Kader doch deutlich verändern.
Für den FC Bayern ist das ein normaler Prozess. Talente, die den Schritt in den Profifußball schaffen wollen und können, brauchen die Amateure nur selten als Sprungbrett – und wenn doch, dann eher für kurze Zeit. In der Vergangenheit gab es den einen oder anderen Spieler, der zu lange in der Regionalliga unterfordert war und deshalb in seiner Entwicklung stagnierte.
Deshalb wurde in den letzten Jahren nicht nur beim FC Bayern viel über Sinn und Unsinn von Zweitvertretungen diskutiert. Bei den betroffenen Klubs selbst gab es einige Abmeldungen – aber wie in Frankfurt auch einige, die sie nach gewisser Zeit wieder angemeldet haben. Bei den Bayern ist das oberste Ziel der Amateure aktuell die individuelle Entwicklung jeglicher Spieler vom Campus – wenn nötig und sinnvoll, dann für Top-Talente, aber auch für alle anderen Spieler.
Die Zweitvertretung ist eine Art Auffangbecken, eine Perspektive für die Spieler, die nicht (sofort) in der Lage sind, den riesigen Sprung von der U19 in den höherklassigen Männerfußball zu gehen. Da geht es einerseits um einen Ausbildungsauftrag im sportlichen, vor allem aber auch im menschlichen Bereich. Und andererseits wirft es ein schlechtes Bild auf den Campus, würden jedes Jahr zahlreiche Spieler von der U19 aus in ein Loch fallen.
Auch wenn die Zweitvertretung in der Regel nicht für eine mittel- oder langfristige Ausbildung der besten Talente taugt, so kann sie ihnen oftmals Zeit verschaffen. Chávez absolvierte beispielsweise zwischen Februar und Oktober 2025 insgesamt 19 Spiele für die Amateure und entwickelte sich dort als Spieler und in seiner Persönlichkeit weiter. Hinzu kamen regelmäßige kleine Möglichkeiten, sich bei den Profis zu präsentieren. Im Winter folgte nun eine Leihe zum 1. FC Köln.
Die kurze Zeit in der Viertklassigkeit kann Spielern dabei helfen, sich zunächst im Männerfußball zu akklimatisieren. Mal geht das schneller, mal etwas langsamer. Die Amateure dafür zu haben, ist aber sinnvoll. Aufgrund dieser hohen Fluktuation und der offenbar definierten Rolle als relativ kurzweilige Zwischenstation forciert man in München auch nicht mehr den Aufstieg in die 3. Liga.
Viel mehr steht die Entwicklung der Einzelspieler im Vordergrund als eine potenzielle Meisterschaft. Entsprechend wird auch bei Personalentscheidungen gehandelt – sowohl an Spieltagen als auch bei Transfers. Und deshalb ist auch eine dem untergeordnete Erwartungshaltung wichtig.
Jede Umstrukturierung beinhaltet die Chance für junge Spieler, sich in den Vordergrund zu spielen und in der kommenden Transferperiode vorn dabei zu sein, wenn andere Klubs sich am Campus umschauen – oder wenn der FC Bayern selbst Lücken in seinem Profikader anbietet.
Offensichtliche Kandidaten sind hier freilich David Santos, den viele Fans schon aus dem Dunstkreis der Profis kennen, und Guido Della Rovere. Der 19-jährige Santos spielte bisher vor allem in der U19 und sammelte 18 Minuten in der Männer-Bundesliga. Gegen Unterhaching stand er in der Startelf der Amateure.
Santos ist ein Spielgestalter, der sich viel im Mittelfeld bewegt, sich immer wieder freiläuft und anbietet. Er kann unter Druck angespielt werden und die Bälle klug verteilen. Laut Wyscout hat er in den verschiedenen Wettbewerben dieser Saison eine Passquote von 88,5 Prozent – und das, obwohl er von 46 Pässen pro 90 Minuten 14 vorwärts spielt.
Della Rovere ist ein Kreativspieler in der Offensive. Er dribbelt gerne (3,2 pro 90 Minuten, 57 Prozent erfolgreich), setzt andere gern in Szene (eine Schussvorlage pro 90 Minuten) und schließt auch selbst regelmäßig gefährlich ab (zwei Abschlüsse pro 90 Minuten). In der Regionalliga Bayern kommt er in dieser Saison bereits auf vier Tore und neun Assists in 16 Einsätzen und dürfte spätestens im Sommer bereit für den nächsten Schritt sein.
Ebenfalls neu gegen Unterhaching dabei: Deniz Ofli. Der Linksverteidiger ist gebürtiger Münchner mit türkischen Wurzeln. Ein Spieler, dem zugetraut wird, dass er es in den Profibereich schafft, wenn alles passt. Wie hoch, wird sich zeigen. Ofli ist ein extrem zuverlässiger Spieler, der wenig Spektakel und Highlights liefert, dafür aber auch so gut wie keine Fehler macht – sowohl defensiv als auch offensiv.
Herausragende Fähigkeiten hat er im Vergleich nicht, kann vieles aber gut bis sehr gut. Dass Zuverlässigkeit, Wille und Arbeitseinstellung auch zu größeren Karrieren führen können, zeigt Josip Stanišić, bei dem es am Campus damals verschiedene Meinungen darüber gab, wie weit er es schaffen könnte.
Ein weiterer Spieler, der am Dienstag mit dabei war und auf den man gespannt sein darf: Maycon Cardozo. Der 17-Jährige ist wohl der erste Spieler aus dem World-Squad-Konstrukt des FC Bayern, für den es einigermaßen weit gehen könnte. Bisher spielte der Brasilianer vor allem in der U19. Er traf in der Nachwuchsliga des DFB in Gruppe E in zwölf Einsätzen viermal und bereitete vier weitere Tore vor. Auch in der Youth League gelangen ihm in 238 Minuten ein Tor und ein Assist.
Cardozo kann brasilianische Spielfreude auf den Platz bringen. Er ist klein, wendig, schnell und sehr dribbelstark. In der Offensive kann er sowohl auf beiden Außenbahnen als auch im Zehnerraum spielen. Er ist kombinationsstark unter Druck, kann mit schnellen Bewegungen das Pressing auflösen und Torgefahr entwickeln. In einer Partie gegen die U19 des SC Freiburg lupfte er mit dem Rücken zum Gegenspieler den Ball über ihn und hatte so einen Raumgewinn.
In Ulm nahm er eine Verlagerung so perfekt an, dass er sofort Tempo aufnehmen konnte und am Gegenspieler vorbeidribbelte. Daraus entstand nach seinem Querpass eine Großchance. Gegen die Stuttgarter Kickers drehte er vorm Strafraum unter Druck auf und spielte direkt einen Tiefenpass, der zu einem Tor führte. Aktionen, die Spaß machen. Bei aller Euphorie bleibt aber abzuwarten, auf welchem Niveau er all das wirklich kann. Die Streuung in seinen Aktionen ist noch ziemlich groß, sein Mut ist aber bemerkenswert.
Auch das Thema Physis könnte bei ihm noch relevant werden. Aber genau dafür sind die Amateure eben da. Dort können die Spieler selbst und der Verein einen ersten Eindruck davon bekommen, wie durchsetzungsfähig die Talente im Männerbereich schon sind. Für Cardozo könnte das in der Rückrunde der nächste Entwicklungsschritt sein.
Und für die Zweitvertretung wird diese mal wieder eine Art Selbstfindungsphase darstellen. Das 1:0 gegen den Tabellenzweiten war ein guter Auftakt. Gerade die Hinrunde hat jedoch gezeigt, dass die ständigen Wechsel im Kader und auch Verletzungen dazu führen können, dass man schnell Rhythmus verliert.
Wenn im Sommer dann aber wieder drei, vier oder sogar mehr Spieler den Sprung in den Profifußball wagen können und einige weitere Talente zumindest eine Perspektive haben, auf gutem Niveau zu kicken oder zeitnah diesen Weg zu bestreiten, ist die Aufgabe der Amateure erfüllt. Und dann werden wieder neue Spieler aus der U19 aufrücken, die sich ins Rampenlicht spielen können.
Insofern ist die sportliche Existenz der Amateure beim Blick auf die Ergebnisse der letzten Jahre sicher eine in der Graumausigkeit. Beim Blick auf die vielen individuellen Geschichten, die am Campus geschrieben werden ist jedoch sehr viel Farbe zu erkennen – und das auch abseits derjenigen, die den ganz großen Schritt machen konnten. Es ist eine bunte Graumausigkeit.









































