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Philipp Overhoff·3. April 2026
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Philipp Overhoff·3. April 2026
Seine Fäuste sind geballt. Der Blick ist entschlossen. 25.000 Fans auf der Tribüne feiern ihn frenetisch und grölen aus tiefster Kehle „Super, super Frank!“. Mehr noch: Über seinen Klub hinaus zählt er sogar zu den heißesten Coaching-Aktien auf der Insel.
Noch vor anderthalb Jahren hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass sich Frank Lampard als Trainer noch einmal einer derartigen Popularität erfreuen würde. Zu frisch waren die negativen Schlagzeilen aus seiner Zeit bei Everton und Chelsea. Zu deutlich waren vor allem die Zahlen, die gegen ihn sprachen.

Bei Everton kam Lampard zwischen Januar 2022 und Januar 2023 auf einen Punkteschnitt von gerade einmal 1,0. Bei seiner zweiten Chelsea-Amtszeit waren es ernüchternde 0,45 Zähler pro Partie. Vereinsübergreifend kassierte er zwischenzeitlich satte zehn Niederlagen am Stück. Eine solche Negativserie hatte Englands Top-Liga seit 1988 nicht mehr gesehen!
Die Kritik an Lampard war dementsprechend heftig. In den Medien wurde er teils als schlechtester Trainer in der Geschichte der Premier League verspottet. Ex-Mitspieler Cesc Fabregas höhnte, seine Mannschaft wirke, „als wären elf Oliven aus dem Einwegglas auf dem Tisch ausgeschüttet worden“. Der Absturz vom gefeierten Weltklasse-Spieler zum belächelten Coach schien komplett und ganz England diese Entwicklung auch noch zu feiern.
Doch dann kam Coventry City. Als der Zweitligist im November 2024 Klubikone Mark Robins entließ, war der Unmut bei den Fans groß. Fast acht Jahre lang hatte Robins den Verein geprägt, ihn aus der viertklassigen Bedeutungslosigkeit zurück in die Reichweite der Premier League geführt.
Dass ausgerechnet Lampard sein enormes Erbe antrat, stieß vielerorts auf Unverständnis. Sollte ein seit 18 Monaten arbeitsloser Trainer ohne wirkliche Erfolgserlebnisse tatsächlich die Lösung sein?
Lampard verstand diese Skepsis. „Sie können mich nicht alle lieben“, sagte er damals offen. „Meine einzige Antwort auf solche Kritik ist: Gebt mir eine Chance, zu arbeiten.“ Dieser Satz wirkt aus heutiger Sicht fast schon wie eine Kampfansage. Denn genau diese Chance nutzte er – und wie!
Schon in seiner ersten Saison führte Lampard Coventry auf Platz fünf der Championship und damit in die Aufstiegsplayoffs. Erst in der Verlängerung des Halbfinals gegen den späteren Aufsteiger AFC Sunderland platzte der Traum.
Statt einzubrechen, entwickelte sich die Mannschaft jedoch weiter und startete in der aktuellen Spielzeit so richtig durch.
Sieben Spieltage vor Schluss steht Coventry mit 80 Punkten komfortabel an der Tabellenspitze. Der Vorsprung auf den ersten Verfolger liegt bei satten neun Zählern. Mit 81 Treffern stellen die Sky Blues zudem die mit Abstand beste Offensive der Liga.
📸 Dan Istitene - 2026 Getty Images
Lampards Handschrift ist dabei klar erkennbar. Er steht für hohes Tempo, aggressives Pressing und mutigen Angriffsfußball. „Dieser Hunger und Antrieb von ihnen, deswegen sind sie da oben“, stellte etwa Preston-Coach Paul Heckingbottom nach einer 0:3-Niederlage seiner Mannschaft vor wenigen Wochen fest.
Bemerkenswert ist vor allem, wie stabil Coventry mittlerweile auftritt. Selbst eine Dürreperiode rund um den Jahreswechsel, in der die Ergebnisse kurzzeitig ausblieben, brachte das Team nicht aus der Spur. „Diese Phase hat uns hoffentlich stärker gemacht", sagte Lampard damals und sollte wieder einmal recht behalten. Spätestens seit dem 3:1-Erfolg gegen den zweitplatzierten FC Middlesbrough ist Coventry glasklar auf Aufstiegskurs.
Und dann ist da noch diese eine Zahl, die Lampards ganz persönliche Entwicklung wohl am besten zusammenfasst: 2,05. So viele Punkte holt der einstige Kult-Kicker momentan mit Coventry. Den Wert aus seiner zweiten Chelsea-Zeit, dort waren es jämmerliche 0,45, hat er nahezu verfünffacht.
Aus allgegenwärtigem Spott ist mittlerweile Respekt geworden. Aus Zweifeln der leidgeplagten Coventry-Fans fast schon blindes Vertrauen. Und aus einem vermeintlich gescheiterten Coach plötzlich wieder ein gefragter Mann. Vieles spricht dafür, dass Lampard in der kommenden Saison wieder in der Premier League arbeiten wird – ob für Coventry oder einen anderen Klub.
Erste Gerüchte machten bereits die Runde, wonach der 47-Jährige im Sommer zum dritten Mal an der Stamford Bridge anheuern könnte. Denn dort kann Trainer-Talent Liam Rosenior bislang nur bedingt überzeugen...
📸 Leila Coker - 2026 Getty Images









































