REAL TOTAL
·16. September 2026
Reals Problemlöser: Warum Espí besser als Joselu sein kann

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Carlos Espí wird immer mehr zu Real Madrids Retter – Foto: realmadrid.com
Für Real Madrid war der Abend in Elche eines dieser eigentümlichen, für die Königlichen aber seit geraumer Zeit typischen Spiele: 2:0 führte die Mannschaft aus der Hauptstadt, alles schien unter Kontrolle, doch dann kam der Einbruch, Elche erzielte zwei Tore und plötzlich stand da in der Nachspielzeit dieses Ergebnis, das sich für die Blancos wie eine Niederlage gegen den Tabellenletzten anfühlte.
Doch dann kam Carlos Espí. Die 91. Minute lief, als der Ball noch einmal nach vorne getragen wurde, und Espí genau das machte, was ein Mittelstürmer in solchen Situationen machen muss: Er blieb dort, wo es für einen Verteidiger am unangenehmsten ist, hielt sich zwischen den Linien, wartete auf den einen Moment, in dem sich der Raum öffnete, und war schließlich zur Stelle, als das Abspiel von Kylian Mbappé kam: Ein Kontakt, das Tor, 3:2 für Real Madrid.
Und es war nicht das erste Mal. Schon am 1. Spieltag hatte Espí gegen Espanyol in der letzten Minute getroffen und Real Madrid damit den Sieg gesichert, und nur wenige Wochen später in Sevilla gegen Betis hatte er erneut kurz vor Schluss getroffen, ehe sein Tor nach VAR-Überprüfung wegen einer knappen Abseitsstellung aberkannt wurde. Drei Schlussphasen, drei entscheidende Szenen, zweimal zählte der Treffer und immer wieder derselbe Spieler. Oder auch: Zwei reguläre Tore in nur 25 LaLiga-Minuten. Wenn man seine Abschlussquote hochrechnen würde auf 90 Minuten, würde er durchschnittlich 14 Mal pro 90 Minuten abschließen, so gut ist er eingebunden und auch motiviert (zum Vergleich: Mbappé kommt hier nur auf 6,7/90). Langsam entwickelt sich das Ganze zu einem Muster. Carlos Espí ist der Mann geworden, nach dem Real Madrid sucht, wenn die Uhr abläuft. Beeindruckend: Damit ist er in der LaLiga-Historie erst der zweite Spieler überhaupt, der an den ersten sechs Spieltagen zwei Spiele in der Nachspielzeit entschied. Das war bislang erst Ayoze Pérez geglückt (2024/25).
Real Madrid hatte in den vergangenen zwei Jahren viele Dinge, die sich andere Vereine gewünscht hätten: Weltklassespieler, Geschwindigkeit, technische Brillanz, individuelle Qualität und Offensivspieler, die aus einer scheinbar harmlosen Situation innerhalb von Sekunden eine Torchance machen können. Was der Mannschaft jedoch immer wieder fehlte, war etwas wesentlich Einfacheres und zugleich im modernen Fußball erstaunlich Wertvolles: ein klassischer Mittelstürmer, ein Spieler, der nicht unbedingt überall auf dem Platz auftauchen muss, sondern seine Bedeutung dort entfaltet, wo Spiele entschieden werden – im Strafraum. Einer, wie es Joselu in der Saison 2023/24 gewesen war.
Carlos Espí ist genau dieser Typ. Mit seinen 1,94 Metern bringt er eine körperliche Präsenz mit, die dem Madrider Angriff eine neue Dimension gibt, doch es ist nicht allein seine Größe, die ihn interessant macht, sondern vielmehr die Art und Weise, wie selbstverständlich er sich im Strafraum bewegt. Einen Mittelstürmer der alten Schule zeichnet aus, dass er den Bruchteil einer Sekunde früher als alle anderen erkennt, wohin der Ball fallen wird, und Espí scheint genau dieses Gespür zu besitzen. Genau Joselu vor drei Jahren, doch der ehemalige Levente-Spieler ist nicht nur darauf beschränkt, im Strafraum zu lauern. Technisch durchaus versiert, vor allem für seine Körpergröße, legt der Angreifer auch ein recht solides Tempo sowohl mit als auch ohne Ball an den Tag. Allein diese Fähigkeiten machen ihn zu einem potenziell viel besseren Stürmer, als es Joselu je war, vom Altersunterschied zum Galicier ganz zu schweigen.
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Dass Carlos Espí ausgerechnet unter José Mourinho eine solche Rolle einnimmt, macht die Geschichte noch interessanter, denn zwischen dem portugiesischen Trainer und seinem jungen Angreifer ist innerhalb weniger Wochen eine Beziehung entstanden, die weit über das gewöhnliche Verhältnis zwischen Trainer und Spieler hinauszugehen scheint. Espí verbringt viel Zeit in Valdebebas, und Mourinho hat mehrfach erkennen lassen, wie eng der Kontakt zwischen beiden ist. Es sind die kleinen Dinge, die dabei entscheidend sind: Gespräche nach dem Training, gemeinsame Mahlzeiten, die Nähe im täglichen Ablauf und die Selbstverständlichkeit, mit der Mourinho seinen jungen Stürmer immer wieder in seine Gedankenwelt einbezieht. Für einen 21-Jährigen, der gerade erst in die gigantische Welt von Real Madrid hineingeworfen wurde, kann eine solche Beziehung enorm viel bedeuten. Denn Mourinho weiß wie wenige andere, wie gnadenlos Real sein kann. Gerade deshalb kann ein junger Spieler jemanden brauchen, der ihm vermittelt, dass Entwicklung nicht nur aus Einsatzzeiten und Toren besteht, sondern auch aus Vertrauen.
Bei Espí wirkt Mourinho beinahe wie eine Vaterfigur, nicht im wörtlichen Sinne, sondern in dieser besonderen Mischung aus Autorität und persönlicher Nähe, die einem jungen Spieler Sicherheit geben kann, ohne ihm die Verantwortung abzunehmen. Und Mourinho scheint seinerseits Freude daran zu haben, diesen Spieler wachsen zu sehen. Nach dem späten Sieg gegen Espanyol war die Umarmung zwischen beiden deshalb mehr als nur die übliche Gratulation eines Trainers an den Torschützen. Für einen Moment war Mourinho nicht der große Taktiker, der nach dem Spiel erklären musste, warum Real Madrid gewonnen hatte, er war einfach der Trainer, der sah, dass ein junger Spieler gerade seinen vielleicht wichtigsten Moment bis dahin erlebt hatte.
Espí und Mouriho haben eine besondere Verbindung – Foto: David Ramos/Getty Images
Vielleicht liegt genau darin ein Teil von Espís Stärke – er spielt nicht so, als müsse er in jedem Spiel beweisen, dass er der nächste große Star von Real Madrid ist. Er spielt so, als wüsste er, dass Mourinho an ihn glaubt. Und er umso mehr an sich selbst. So erklärte auch der Portugiese: „Er macht es sehr gut und leistet einen wichtigen Beitrag zum Team. Ein Junge mit viel Motivation. Er ist kein gewöhnlicher Spieler.“
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Noch ist es zu früh, aus dem Neuzugang den neuen großen Mittelstürmer von Real Madrid zu machen, denn eine Handvoll entscheidender Szenen ersetzt keine komplette Saison und schon gar nicht den langen Weg, der vor einem jungen Spieler liegt. Doch genau deshalb lohnt sich der Blick auf das, was bereits passiert ist, denn Espí hat sich in erstaunlich kurzer Zeit etwas erarbeitet, das bei Real Madrid normalerweise Jahre dauern kann: Er ist zu einer konkreten Lösung für ein konkretes Problem geworden. Er scheint keine Angst vor der Uhr zu haben. Je weniger Zeit bleibt, desto klarer wird seine Aufgabe. Er muss nicht das Spiel an sich reißen, er muss nicht 90 Minuten lang im Mittelpunkt stehen, er muss nicht versuchen, alles selbst zu lösen, sondern derzeit nur auf den Moment warten, in dem eine Mannschaft wie Real Madrid einen Spieler braucht, der einen Ball über die Linie bringt.
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Noch ist seine Rolle klar auf die des Jokers und des Mannes für die letzten Minuten begrenzt, doch es werden vor allem in LaLiga Spiele auf die Blancos zukommen, in denen es von Beginn an darum geht, den tiefen Block des Gegners zu bespielen und Lösungen im Strafraum zu suchen. Dann wäre Espí durchaus ein Startelf-Kandidat, der den Bann so früh wie möglich brechen soll. Im kommenden Madrid-Derby ist ein solches Szenario noch wenig wahrscheinlich, doch Mourinho wird im Hinblick auf die kommenden Monate diesen Gedanken sicherlich schon längst im Hinterkopf haben. Denn diese eigentümlichen Abende, bei denen es am Ende noch einen Retter braucht, werden wohl so schnell nicht aufhören…







































