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·11. Juni 2026
Reise in die Vergangenheit: Dritter Platz und Brasilien-Drama: Das war Türkiyes letzte WM! Teil 1

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·11. Juni 2026

Lange 24 Jahre mussten türkische Fans auf diesen Moment warten: 2026 ist Türkiye zurück bei einer Weltmeisterschaft – und die Erinnerung an die letzte Teilnahme könnte kaum größer sein. Denn als die Türkei 2002 letztmals auf der WM-Bühne stand, endete die Reise nicht in der Vorrunde, sondern mit dem dritten Platz, einem spannenden Turnierlauf und einer Mannschaft, die bis heute Legendenstatus besitzt. In dieser zweiteiligen Reihe blickt LIGABlatt-Redakteur Jan-Niklas auf den letzten Auftritt auf der großen Bühne.
Viele türkische Fans erinnern sich gerne an die großen Turniere der eigenen Nationalmannschaft zurück. Das Erreichen des Halbfinals bei der Europameisterschaft 2008 gehört ebenso dazu wie der historische Lauf bei der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan. Damals reiste Türkiye nicht als großer Favorit an, entwickelte sich im Verlauf des Turniers aber zu einer der großen Geschichten dieser WM.
Die Gruppenphase
Die Gruppe C der Weltmeisterschaft 2002 bestand aus Brasilien, Türkiye, Costa Rica und China. Auf dem Papier war Brasilien der klare Favorit, China galt als vermeintlich schwächster Gegner, und der zweite Platz sollte wohl zwischen Türkiye und Costa Rica entschieden werden. Genau diese Ausgangslage machte die Gruppenphase von Beginn an brisant, und das erste Spiel gegen Brasilien wurde dabei direkt zum großen Aufreger: Türkiye verlor am 3. Juni 2002 mit 1:2, obwohl Hasan Şaş kurz vor der Pause das 1:0 erzielt hatte. Brasilien drehte die Partie nach der Halbzeit durch Ronaldo und einen späten Elfmeter von Rivaldo.
Die Schauspiel-Einlage
Doch schon in diesem Auftaktspiel bemerkten Mannschaft und Fans, dass Türkiye auf diesem Niveau mithalten konnte. Die Türken führten gegen die großen Brasilianer, Rüştü Reçber hielt überragend, Hasan Şaş setzte mit seinem Treffer ein erstes Ausrufezeichen – und trotzdem stand die Mannschaft am Ende mit leeren Händen da. Besonders bitter war die Schlussphase. Alpay Özalan sah nach dem Foul vor dem Elfmeter die Rote Karte, Rivaldo verwandelte zur brasilianischen Führung. Kurz darauf kam es zu einer Szene, die bis heute mit diesem Spiel verbunden wird: Hakan Ünsal schoss den Ball in Richtung Rivaldo, der Ball traf den Brasilianer am Bein. Rivaldo fasste sich jedoch ins Gesicht und ging zu Boden. Hakan Ünsal sah Gelb-Rot, Rivaldo wurde später von der FIFA für seine Schauspiel-Einlage bestraft.
Der Schock
Nach der knappen Niederlage gegen Brasilien stand für Türkiye das eigentliche Schlüsselspiel der Gruppe an. Gegen Costa Rica ging es darum, sich im Kampf um Platz zwei in eine gute Position zu bringen. Wer dieses Duell gewinnt, hat das Achtelfinale fast in der Hand. Türkiye ging in der 56. Spielminute durch Emre Belözoğlu in Führung, vorbereitet von Hasan Şaş. Lange sah es so aus, als würde die Mannschaft von Şenol Güneş den ersten Sieg des Turniers holen – bis Winston Parks in der 86. Spielminute das 1:1 erzielte. Für Türkiye war dieser späte Ausgleich ein schwerer Rückschlag. Statt mit einem Sieg einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale zu machen, musste die Mannschaft plötzlich wieder rechnen. Costa Rica brauchte nun im letzten Gruppenspiel ein Ergebnis gegen Brasilien, während Türkiye gegen China möglichst deutlich gewinnen musste. Auch die Schlussphase gegen Costa Rica blieb gefährlich: Kurz nach dem Ausgleich gab es eine Rangelei rund um die Bank der Mittelamerikaner, später hatte Winston Parks sogar noch eine große Chance auf das 2:1, nachdem er Rüştü Reçber bereits umkurvt hatte. Aus spitzem Winkel vergab er jedoch. Türkiye taumelte, aber fiel nicht.
Das letzte Gruppenspiel
Vor dem letzten Gruppenspiel gegen China war die Ausgangslage klar: Türkiye musste liefern. Und zwar nicht irgendwie. Weil Costa Rica punktgleich bleiben konnte, ging es auch um das Torverhältnis. Die Antwort der türkischen Mannschaft fiel deutlich aus. Hasan Şaş traf bereits in der 6. Spielminute zum 1:0, Bülent Korkmaz erhöhte nur drei Minuten später auf 2:0. In der 85. Spielminute sorgte Ümit Davala mit dem Treffer zum 3:0 endgültig für Klarheit. Parallel verlor Costa Rica gegen Brasilien mit 2:5. Dadurch zog Türkiye als Gruppenzweiter ins Achtelfinale ein.
Der Motor
Vor allem Hasan Şaş wurde in dieser Gruppenphase zu einer der prägenden Figuren der Türkei. Gegen Brasilien hatte er getroffen, gegen Costa Rica bereitete er das Tor von Emre Belözoğlu vor, gegen China erzielte er das frühe 1:0 und war auch an den weiteren Treffern beteiligt. Er wurde zum emotionalen Motor einer Mannschaft, die aus Frust, Druck und Rückschlägen immer mehr Energie zog. Aus der gefühlten Ungerechtigkeit gegen Brasilien wurde keine Ausrede. Aus dem späten Schock gegen Costa Rica wurde kein Zusammenbruch. Und aus dem Druck vor dem China-Spiel entstand die erste große Befreiung einer Mannschaft, die danach bis ins Halbfinale marschierte.
Foto: Shaun Botterill/Getty Images







































