Vertikalpass
·7. Februar 2026
Return of the Aufbaugegner

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Gebt’s zu: Irgendwie habt ihr es doch auch geahnt, dass der VfB Stuttgart aus-ge-rech-net gegen Sankt Pauli sein erstes Ligaspiel im Jahr 2026 verlieren würde. Gegen den Tabellenvorletzten, das zuletzt am 13.12.2025 dreifach punkten konnte und der seit 30(!) Jahren auf einen Heimsieg gegen den VfB Stuttgart wartet. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich die Hamburger in dieser Saison gegen Top 5 Mannschaften stets beachtlich präsentierten: Beim 1:3 in München stand es bis zur 93. Minute Unentschieden. In Dortmund fiel der Siegtreffer zum 3:2 für die Borussia ebenfalls tief in der Nachspielzeit. Und im vorherigen Heimspiel am Millerntor musste sich Leipzig mit einem Punkt zufrieden geben.
Man hätte also durchaus ahnen können, dass das Spiel mindestens so unangenehm werden würde wie das Hamburger Schietwetter am Samstagnachmittag. Vielleicht war das auch der Grund, warum Sebastian Hoeneß etwas überraschend nur zwei Mal rotierte, indem er Jeltsch für Chabot brachte und Demirovic für Leweling. Doch bereits von Anpfiff an wirkte sein Team seltsam müde – sowohl physisch wie auch mental. Ein Stück weit verständlich am Ende der vierten englischen Woche in Folge in einem Spiel, das sicher nicht so im Fokus stand wie das Pokalviertelfinale oder die anstehenden Play-off-Spiele gegen Celtic Glasgow.
Dennoch darf man von der Mannschaft mehr erwarten. Dass Sankt Pauli mit seiner Art, Fußball zu spielen, dem VfB weh tut, war zu erwarten. Doch Stuttgart machte es dem Team von Alexander Blessin auch viel zu einfach. Mit Unkonzentriertheiten in der Defensiv, die immer wieder zu Chancen führten, vor allem aber durch eine Ideenlosigkeit in der Offensive, die wir in dieser Saison so noch nicht gesehen haben. Die vielleicht beste Chance im gesamten Spiel: Ein Pfostenschuss von Dzwigalas aufs eigene Tor. In der zweiten Halbzeit konnte einzig Deniz Undav in der 59. Minute das Sankt Pauli Tor in Gefahr bringen bevor Jamie Leweling (zu) spät traf. Übrigens einer von zwei Schüssen, die Undav abgab. Nicht viel, aber zwei mehr als Sturmkollege Demirovic. Am Ende standen 0,88 xG in der Statistik.
Die Geschichte des Spiels ist natürlich nicht fertig erzählt ohne das Kapitel Chris Führich aufzuschlagen. Führich, der vermutlich bislang der VfB-Spieler des Jahres 2026 ist, hatte zu Beginn des Spiels eine vielversprechende Chance, tauchte dann aber wie seine Kollegen ab. Allerdings nur bis zur 55. Minute, denn dann war nach einem Handspiel im Fokus der VAR-Intensiv-Recherche. Und, ja: Niemand weiß mehr, nach welchen Kriterien entschieden wird, ob ein Handspiel strafwürdig ist oder nicht. Doch im Falle von Chris Führich müssen wir wohl nicht groß diskutieren. Höchstens über die Frage, ob die Situation aus der 28. Minute im Strafraum der Hamburger vergleichbar war oder nicht.
Es war einfach eines dieser Spiele, in denen der VfB nicht genug investierte, der Gegner am Leistungslimit spielte und dann auch noch viele Dinge, die in diesem Jahr bislang zugunsten des VfB, auf die Seite des Gegners kippten. Spiele, die wir früher in unschöner Regelmäßigkeit sahen, aber unter Sebastian Hoeneß zum Glück sehr selten.
Ist die Niederlage verdient? Auf jeden Fall! Ist sie ärgerlich? Definitiv! Ist sie ein Drama? Sicher nicht. Den Spielern war die Enttäuschung nach Abpfiff deutlich anzusehen. Sie wissen, dass sie es besser können. Wir wissen, dass sie es besser können. Im Heimspiel gegen Köln sollten sie es beweisen, um den Platz in den Top 5 der Tabelle nicht zu gefährden.
Und ganz ehrlich: Lieber gegen Sankt Pauli verlieren als gegen Kiel im Pokal. Und lieber drei Punkte am Millerntor liegen lassen als in Wolfsburg, Mainz oder Augsburg. Oder in Heidenheim am 22. Februar zwischen den beiden Celtic-Spielen.
Photo by Selim Sudheimer/Getty Images









































