Rund um den Brustring
·26. April 2026
Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Bremen-Fan Max

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·26. April 2026

Nach dem emotionalen Einzug ins Pokalfinale trifft der VfB auf eine Mannschaft, die zuletzt einen Derbysieg feierte. Wie es beim SV Werder sonst so läuft, erklärt und Bremen-Fan Max vom Weserfunk im Gespräch.
Rund um den Brustring: Hallo Max und vielen Dank dass Du Dir Zeit für andere Fragen nimmst. Vier Spieltage vor Schluss steht Werder auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz, hat sich aber mit dem Derbysieg gegen den HSV etwas Luft verschaffen können. Wie schätzt Du Eure Chancen auf den Klassenerhalt ein?
Max: Moin zusammen! Also ich möchte hier jetzt auf gar keinen Fall irgendwas jinxen, aber die Chancen könnten sicherlich noch schlechter sein bei fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Trotzdem sind wir definitiv nicht durch! Mit Augsburg spielen wir nur noch gegen einen Gegner, der nominell auf Augenhöhe ist. Außerdem müssen wir uns dann noch mit Hoffenheim, Dortmund und eben euch Stuttgartern herumschlagen. Könnte also leichter sein. Andererseits hat auch die Konkurrenz kein einfaches Programm. Ich denke, mit vier Punkten aus den letzten Spielen wären wir definitiv gerettet.
Wir wissen aus eigener Erfahrung, was ein Abstieg auf und neben dem Platz bedeutet. Welche Auswirkungen hätte er für den SVW in der aktuellen Lage?
Wir haben es ja vor nicht all zu langer Zeit selbst erleben dürfen, wie sich so ein Abstieg anfühlt. Und wie viel Glück und irrwitzige Trainer-Lügen und ‑Rochaden es braucht, um auch als vermeintlicher Favorit direkt wieder aufzusteigen. Die zweite Liga ist knallhart! Zudem sind wir ja chronisch pleite, also wäre das auch finanziell ein harter Schlag für Werder. Die Geschäftsführung hat zumindest dafür gesorgt, dass die Verträge der meisten Spieler sich im Falle eines Abstiegs stark reduzieren. Mir hat die Saison in der zweiten Liga zwar insgesamt großen Spaß gemacht, natürlich vor allem dank des Happy Ends. Aber trotzdem will ich das so schnell nicht wieder erleben.
Mit Daniel Thioune beschäftigt ihr nach Horst Steffen schon den zweiten Trainer in dieser Saison. Woran ist Steffen letztlich gescheitert und was macht Thioune anders?
Viele von uns wären gerne mit Horst Steffen erfolgreich gewesen. Mir hat seine sehr menschliche Art sehr gut gefallen. Den bei Elversberg so attraktiven Steffen-Fußball hat man jedoch bei uns nie so wirklich zu sehen bekommen. Klar, die Voraussetzungen waren sicherlich schwierig. Zu den Problemen zählten seit Saisonbeginn unheimlich große Verletzungssorgen sowie ein Kader, der einerseits grundsätzlich unzureichend zusammengestellt war und andererseits auf vielen Positionen nicht zu Steffens System passte. Steffen hat sich jedoch selbst zusätzlich einige unnötige Baustellen aufgemacht. Indem er etwa Kapitän Marco Friedl zum Linksverteidiger degradierte und Leo Bittencourt zwischenzeitig vollständig aus dem Kader warf, verlor er an Rückhalt in der Mannschaft. Außerdem wirkte seine Kommunikation nach außen häufig etwas unglücklich, etwa nach der Derby-Niederlage im Hinspiel gegen den HSV.
Gerade in letzterem Punkt unterscheidet sich Daniel Thioune deutlich von Steffen. Kommunikativ ist er wahrscheinlich sogar einer der fähigsten Coaches, die wir bislang an der Weser hatten. Rhetorisch ist mir das fast schon zu perfekt. Er beweist da ein gutes Gespür für Fans und Mannschaft. Auf dem Platz setzt er zudem die Spieler mehr nach ihren Stärken ein, ist von der Dreierkette zur Viererkette zurückgekehrt.
Wie lässt er Werder spielen und wo siehst Du aktuell die Stärken und Schwächen der Mannschaft?
Bei Thioune ist mittlerweile das 4–3‑3 die bevorzugte Formation. Rein spielerisch unterscheidet sich Thiounes Ansatz sich gar nicht so sehr von dem, was Steffen hat spielen lassen. Weiterhin setzen wir auf einen flachen Aufbau, kombinieren uns durchs Zentrum um dann die Außen frei zu spielen. Thioune lässt gegen den Ball jedoch wieder mehr Mann gegen Mann spielen, wo Steffen noch stärker eine Raumdeckung bevorzugte. Er hat die Defensive deutlich stabilisiert, das Pressing stimmt, gerade auch wegen des Dreiermittelfelds aus Lynen, Puertas und Stage. Doch wegen des großen Verletzungspechs, gerade in der Innenverteidigung, kommt es immer wieder zu Problemen in der Abstimmung der Viererkette. Außerdem kassieren wir regelmäßig Tore aus der Distanz, was weniger an Mio Backhaus, sondern daran liegt, dass wir den Raum vor dem 16er nicht gut geschlossen bekommen.
Ein Blick auf die Zahlen offenbart, dass ihr zwar viele Chancen habt, aber daraus zu wenig Tore macht. Ist das das Hauptproblem in dieser Saison?
Absolut, das zieht sich durch die Saison. Romano Schmid hat etwa nur drei Elfmetertore erzielt bei einem xG- Wert von über 7.5. Zudem verschlampen wir häufig gute Umschaltsituationen durch Ungenauigkeiten im Passspiel. Die Offensive hat ein großes Qualitätsproblem. Es zeigt sich, dass wir Spieler wie Marvin Ducksch, den langzeitverletzten Mitchell Weiser und sogar den limitierten Oliver Burke einfach nicht ersetzen konnten. So sind wir enorm abhängig von Jens Stage, der als Achter erneut der beste Torschütze des Teams ist.
Einer, der dieses Problem beheben soll, ist Jovan Milosevic, der im Winter von uns leihweise zu Euch kam — nach einem Hinweis des Portals Transfermarkt zu den Leihregelungen. Wie zufrieden seid ihr mit ihm und wie bewertest du die Transferpolitik Werders?
Nachdem er zwischenzeitlich gegen St. Pauli und Heidenheim in zwei Spielen in Folge getroffen hatte, dachte ich eigentlich, dass wir in Jovan endlich unseren Knipser gefunden haben. Doch dann – und das ist einfach typisch für diese Werdersaison – verletzte er sich am Rücken und musste erstmal die nächsten vier Spiele draußen bleiben. Seitdem kämpft er mit Fitnessproblemen und konnte noch nicht über die volle Spielzeit eingesetzt werden. Ich glaube, dass wir noch gar nicht alles von ihm gesehen haben. In den Spielen selbst fehlt ihm mitunter noch die Bindung, da geht sicher noch mehr. Aber seinen Torriecher hat er mit drei Treffern in nur 378 Minuten schon unter Beweis gestellt. Ich würde mich freuen, wenn er auch in der kommenden Saison bei uns spielt.
Über die Transferpolitik Werders muss man ansonsten eher den Kopf schütteln. Wir haben 10 Millionen für Mbangula ausgegeben, also fast unser komplettes Budget. Der hat großes Potenzial, aber bringt es auch unter dem zweiten Trainer in dieser Saison einfach nicht ausreichend auf den Platz. Dazu die Posse um die vielen Leihspieler. Sugawara war ein guter Transfer, Puertas war lange kein Faktor, kommt aber jetzt ins Rollen, Milosevic hilft zumindest als Torschütze weiter, war aber auch länger verletzt und Karl Hein ist ein solider Ersatztorhüter. Dahinter wird es dann schon recht bitter. Isaac Schmidt war nur eine Ergänzung, Maximilian Wöber hat verletzungsbedingt kein einziges Spiel gemacht und Victor Boniface ist erneut ein Risikotransfer mit Ansage, der zeigt, dass Werder aus dem Fall Keita einfach nichts gelernt hat. Dazu kommt kein Geld durch Verkäufe rein, Romano Schmid wechselt gefühlt wöchentlich seine Berater, nur um dann doch keine guten Angebote zu erhalten. Vielleicht ändert sich das nun aber im Sommer durch einen Abgang vom hochtalentierten Coulibaly.
Mit Keke Topp, Mitchell Weiser und Felix Agu fehlen mehrere Spieler verletzt, zudem sind Leo Bittencourt und Marco Grüll gesperrt. Wie schwer wiegen diese Ausfälle?
Wie schon gesagt ist der Ausfall von Mitchell Weiser in meinen Augen einer der Hauptgründe für die Misere in der Offensive. Als Flügelverteidiger war er oft eher Spielmacher, enorm kreativ und torgefährlich. Felix Agu wäre normalerweise gesetzt, wird aber durch Sugawara und Deman derzeit sehr solide vertreten. Bittencourt und Grüll überzeugen beide durch großen Einsatz, sind aber eher Rotationsspieler. Und so leid es mir tut – aber Keke Topp hat einfach eine sehr schwache Saison gespielt, da hatten sich alle mehr erhofft. Von daher können wir diese Ausfälle gerade zumindest kurzfristig ganz gut auffangen
Ein Fragezeichen steht noch hinter Victor Boniface, mit dem wir nach dem Supercup 2024 unsere eigene Geschichte haben. Glaubst du, er kann im Saisonendspurt noch eine Rolle spielen?
An der Weser glauben wir ja bekanntlich an Wunder. Was Boniface angeht, bin ich da aber recht desillusioniert. Zu gravierend ist da die mangelnde Fitness, auch über mentale Probleme wurde spekuliert. Aber ich bleibe mal hoffnungsvoll: Er wird als Joker noch ein ganz wichtiges Tor für uns erzielen und uns damit ein versöhnliches Ende seiner Zeit in Bremen bereiten.
Zum Abschluss: Dein Tipp für Startelf und Ergebnis?
Die Startelf bleibt die selbe, nur das Friedl für Pieper in die Innenverteidigung zurückkehrt: Backhaus — Sugawara, Friedl, Coulibaly, Deman — Lynen — Stage, Puertas — Njinmah, Schmid — Milosevic. Wir ergaunern uns ein 1:2, die Tore kommen von Milosevic und: VICTOR BONIFACE!
Titelbild: © Reinaldo Coddou H./Getty Images
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