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·29. Mai 2026

Saison 2026/27: 3. Liga spielt (fast) nur im Süden und Westen

Artikelbild:Saison 2026/27: 3. Liga spielt (fast) nur im Süden und Westen

Das Drehbuch des 19. Drittliga-Jahres ist noch im Entwurfsstadium, doch die Protagonisten für die Saison 2026/27 sind so gut wie alle unter Vertrag. Und selbst wenn Lok Leipzig den Aufstieg noch schaffen sollte, sind klare – und für einige Regionen besorgniserregende – Tendenzen erkennbar.

Hansa vor sehr weiten Auswärtsfahrten

Fan von Hansa Rostock zu sein, ist aus vielen Gründen nicht leicht. Die Reisebereitschaft wird nicht nur von sportlichen Durststrecken, sondern auch von enormen Strecken auf die Probe gestellt, und doch macht sich der Tross zuverlässig auf den Weg. Beim Blick auf die Drittliga-Landkarte dürfte dem einen oder anderen FCH-Fan aber doch schwindlig werden: Die kürzesten Routen führen derzeit nach Verl und Meppen – jeweils mehr als 800 Kilometer, hin und retour. Sollte Lok Leipzig aufsteigen, ginge es "nur" 750 Kilometer weit. Drei Viertel der Auswärtsreisen knacken sogar die 1.000-Kilometer-Marke.


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An der Ostsee ist man das gewohnt, doch erweitert man das Blickfeld auf die 3. Liga als Gesamtes, so ist ein erstaunlicher Trend abzulesen. Immerhin acht Klubs stammen als Nordrhein-Westfalen (Münster, Verl, Duisburg, Düsseldorf, Fortuna Köln, Viktoria Köln, Aachen, Essen) – so viele wie noch nie. Weitere sieben kommen aus Baden-Württemberg und Bayern (Mannheim, Hoffenheim II, Großaspach, Stuttgart II, Ingolstadt, Regensburg, 1860 München).

Im Gegenzug gibt es neben den drei Stadtstaaten noch mindestens fünf weitere Bundesländer ohne Drittligisten: Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg. Sollte Lok Leipzig die Aufstiegsrelegation gegen Würzburg nicht gewinnen, käme erstmals nach langer Zeit auch Sachsen hinzu. Hier hat sich nach Chemnitz, Zwickau und Dresden nun auch Aue verabschiedet.

Aufstiegsmodus als naheliegende, aber nicht alleinige Ursache

Die Ursachenforschung führt zu naheliegenden und komplexeren Ursachen. Dass Vereine aus den Regionalligen West sowie Südwest in der seit 2020/21 bestehenden, äußerst umstrittenen Aufstiegsregelung zur 3. Liga einen großen Vorteil besitzen, ist offensichtlich: Sie verfügen im nunmehr 6. Jahr über einen gesicherten Aufstiegsplatz, während die Meister der Staffeln Nordost, Nord und Bayern seit 2021 nur in jeweils zwei von sechs Fällen automatisch aufsteigen durften. So ist seit der Saison 2017/18 stets ein NRW-Vertreter in die 3. Liga aufgestiegen, seit der Saison 2018/19 stets einer aus der Regionalliga Südwest. Zum Vergleich: Aus dem Osten stiegen seit 2019 nur drei Klubs auf (Leipzig könnte der vierte sein), aus Bayern im gleichen Zeitraum vier (Würzburg könnte der fünfte werden).

Aus dem Norden schaffte es hingegen immerhin seit 2020 stets ein Vertreter, sich über den direkten Aufstiegsplatz oder die Aufstiegsspiele für die 3. Liga zu qualifizieren. Das Abschneiden dieser Klubs wirft jedoch Fragen nach der sportlichen Qualität auf, die der 3. Liga zugeführt wurde. Denn aus Nord-Staffel scheiterten die Aufsteiger in steter Regelmäßigkeit teils kläglich, darunter der VfB Lübeck und der TSV Havelse gleich zweimal, dazu Oldenburg und Hannover 96 II. Mit Ausnahme vom diesjährigen Aufsteiger SV Meppen sowie weniger Bundesliga-Reserven (HSV, Bremen, Hannover) gibt es hier schlicht keine weiteren Klubs, die perspektivisch auf Profiniveau hochrüsten könnten.

Dorffußball in Bayern, prominente Warteschleifen im Osten

In der Bayern-Liga liegen die Ambitionen noch niedriger: Mit dem 1. FC Nürnberg II und Ex-Drittligist Unterhaching verzichteten zwei Klubs aus dem Top-Trio auf die 3. Liga, sodass den Würzburger Kickers kampflos das Feld geräumt wurde. Die nächsten Verfolger heißen Illertissen, Vilzing und Aubstadt – hier wird auf besseren Sportplätzen gekickt. Und auch die jüngsten Aufsteiger, vom blamablen Projekt Türkgücü München über die heillos überforderten Traditionsklubs aus Bayreuth und Schweinfurt, lieferten wenige Argumente für sportliche Konkurrenzfähigkeit. Umso erstaunlicher wirkt das beharrliche Querstellen des bayrischen Verbands bei allen Reformversuchen der Aufstiegsregelung im Sinne des Fußballs – ein Thema, das an dieser Stelle jeden Rahmen sprengen würde.

Fast schon dramatisch ist hingegen die Ansammlung prominenter Vertreter in der Ost-Staffel: Erzgebirge Aue gesellt sich hier bald zu Chemnitz, Halle, Zwickau, Jena und Erfurt – fünf Klubs, die in den vergangenen zehn Jahren die 3. Liga mindestens abschnittsweise geprägt haben und über hochmoderne, für die 2. Bundesliga taugliche Stadien verfügen. Letztlich täuschen die schmucken Spielstätten aber allenfalls hinweg über tiefe Strukturprobleme, die den Osten wirtschaftlich immer weiter abhängen.

West-Klubs mit potenten Sponsoren

Das Ergebnis sind Etats, die mit kleineren Sponsoren-Erträgen kaum auf heutigem Profiniveau landen. Und übersetzt in die Fußball-Realität: Klubs wie der SV Wehen Wiesbaden und der FC Ingolstadt haben bessere Perspektiven, obgleich sie in der höheren Liga nur einen Bruchteil der Fan-Mengen aus Erfurt oder Jena zum Stadionbesuch motivieren. Mit Blick darauf, dass in der Ost-Staffel 2025/26 gleich sieben (!) Vereine mindestens 5.000 Zuschauer pro Heimspiel begrüßt haben, ist diese Entwicklung bedauerlich. Vor allem für jene, deren Leidenschaft für den Fußball von vollen Tribünen und prall gefüllten Gästeblöcken genährt wird.

Umso wundersamer war die Entwicklung bei Energie Cottbus, die die Lausitzer allen Widrigkeiten zum Trotz nun in die Zweitklassigkeit führte – und dem Osten Mut machen darf. Die Kehrseite: Auf der Karte der 3. Liga fehlt Energie nun auch noch, Hansa ist derzeit alleine. Eine Saison ganz ohne Ost-Duelle? Das würde schmerzen. Noch kann Lokomotive Leipzig dieses Szenario aber verhindern. Eine Neufassung der Aufstiegsregelung würde die geografische Unwucht im Drittliga-Zirkus sicherlich auf Dauer ein wenig abschwächen, ein Allheilmittel ist sie aus den genannten Gründen nicht. Und wer verlangt auch, dass sich die 20 Drittligisten ganz artig auf das ganze Bundesgebiet verteilen? Letztlich decken Profifußball-Standorte – Ausnahmen bestätigen die Regel! – die Gegenden großer Städte und Metropolregionen ab. Und dies ist am Teilnehmerfeld der Saison 2026/27, von Ruhrgebiet über Rheinland bis zum Großraum München, gut ablesbar.

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