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·19. Mai 2026

Sammer macht Nagelsmann den Weg frei: Nur die sportliche Eignung dürfe zählen

Artikelbild:Sammer macht Nagelsmann den Weg frei: Nur die sportliche Eignung dürfe zählen

Vor der Kaderbekanntgabe am Donnerstag stellt sich Matthias Sammer hinter eine Rückkehr Manuel Neuers – Oliver Baumann müsste zurückstecken.

Manuel Neuer kehrt offenbar zurück, und Matthias Sammer findet das richtig. In der Sky-Sendung „Sammer & Basile – der Hagedorn-Talk" hat der Europameister von 1996 die Frage nach der Torwartposition auf einen Satz heruntergebrochen, der so schlicht ist, dass man ihn fast übersieht: „Das Ziel muss ja sein, den besten Torhüter zum jetzigen Zeitpunkt zu haben." Wer das nüchtern liest, kann kaum widersprechen. Wer es im Kontext der bevorstehenden WM in den USA, Mexiko und Kanada liest, der vom 11. Juni bis 19. Juli ausgetragen wird, versteht, warum es dennoch eine kleine Provokation ist. Denn Bild und Sky berichten, Bundestrainer Julian Nagelsmann habe Oliver Baumann bereits darüber informiert, dass Neuer zurückkehrt. Baumann, in der Phase nach Neuers Rücktritt vor zwei Jahren ins Tor der Nationalmannschaft gerückt, würde ins zweite Glied geschickt, bevor das Turnier überhaupt beginnt. Bestätigt hat Nagelsmann öffentlich nichts, dementiert aber auch nichts. Den 26er-Kader gibt er am Donnerstag um 13 Uhr in Frankfurt am Main bekannt. Bis dahin bleibt der Vorgang ein offenes Geheimnis, dem Sammer mit bemerkenswerter Klarheit den moralischen Rahmen genommen hat. Sammer verweist auf Sepp Maier und andere großartige Torhüter, die sehr viel gewonnen hätten, und stellt fest: „Manuel Neuer ist der beste deutsche Torhüter, den wir haben." Dieser Vergleichsmaßstab ist nicht beliebig. Er bedeutet, dass die Frage nach Fairness gegenüber Baumann in Sammers Logik gar nicht zuerst gestellt werden darf. Zuerst kommt die sportliche Beurteilung, dann alles andere. Wer einwendet, man könne mit Rücksicht auf den aktuellen Stammkeeper auch anders entscheiden, bekommt von Sammer eine Gegenfrage, die in dieser Härte sitzt: „Sind wir bei einer Kaffeefahrt oder sind wir im Hochleistungshochleistungssport, wo auch die Brutalität solcher Entscheidungen manchmal im ersten Moment für die Menschen da draußen aberwitzig erscheint?" Bemerkenswert ist, wie sauber Sammer zwischen den Fällen trennt. Marc-André ter Stegen, mit dem er nach eigener Aussage beim DFB einst U17-Europameister wurde, tue ihm leid, weil er verletzt sei und nicht agieren könne. Baumann hingegen könne agieren. Genau deshalb empfinde er kein Mitleid. „Es ist vielleicht ungerecht, aber das ist das Los", sagt er und verweist auf den begrenzten Platz im Torwartfach: „Bei Torhütern ist noch weniger Platz als bei den anderen Spielern, deshalb tut er mir überhaupt nicht leid." Das ist keine Geringschätzung Baumanns, sondern eine Geringschätzung jeder Argumentation, die etwas anderes als sportliche Eignung in den Vordergrund rückt. Man kann diese Haltung kalt finden. Man kann sie auch konsequent finden. Sammer selbst schließt nicht aus, dass am Ende eine andere Reihenfolge herauskommt, und formuliert es höflich: „Wenn er es ist, gratuliere ich ihm. Wenn er es nicht ist, gratuliere ich dem anderen. Aber der Beste ist Manuel Neuer." Nagelsmann muss diese Entscheidung am Donnerstag treffen, mit allem, was an ihr hängt – auch mit der Erklärung gegenüber einem Torhüter, der nichts falsch gemacht hat, außer den Falschen zur Konkurrenz zu haben. Sammers Beitrag dazu ist nicht originell, er ist nur ehrlich. Manchmal genügt das.

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