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·17. Februar 2026

Samsunspor sucht keine Trainer – der Klub sucht Sündenböcke auf Abruf

Artikelbild:Samsunspor sucht keine Trainer – der Klub sucht Sündenböcke auf Abruf

Nach der Entlassung von Thomas Reis trotz Europa-League-Qualifikation verpflichtet Samsunspor Thorsten Fink bis 2028. Der Klub zeigt erneut wenig Geduld.

Thorsten Fink steht in Samsun auf dem Podium, lächelt in die Kameras und spricht von ausführlichen Gesprächen über Fußball und Spielphilosophie. Ich höre diese Worte und frage mich unweigerlich: Wie viel Philosophie verträgt ein Verein, der seinen dritten deutschen Trainer in Folge präsentiert?


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Das Muster ist unübersehbar. Erst Markus Gisdol, dann Thomas Reis, jetzt Fink. Samsunspor hat sich offenbar auf deutsche Trainer eingeschossen, als gäbe es eine geheime Vereinbarung mit der DFB-Trainerakademie. Das ist bemerkenswert, aber nicht zwingend ein Qualitätsmerkmal. Es wirft vielmehr die Frage auf, ob der Klub eine echte Strategie verfolgt oder schlicht im Bekanntenkreis deutscher Trainervermittler einkauft.

Der Fall Reis zeigt, wie fragil das Konstrukt ist. Eine erfolgreiche Premierensaison mit der Qualifikation für die Europa League – und dann reichen zwei Niederlagen in Folge, um Finks Vorgänger Reis vor die Tür zu setzen. Ich verstehe, dass im Profifußball Ergebnisse zählen. Aber diese Ungeduld offenbart: Samsunspor will Erfolg, hat aber offensichtlich keine Vorstellung davon, wie lange Erfolg braucht, um nachhaltig zu werden.

Fink selbst kommt mit einer interessanten Vita. Fast 600 Spiele als Profi, fast 400 als Trainer – Erfahrung ist vorhanden. Doch er wurde erst vor wenigen Monaten bei KRC Genk entlassen und erhält nun einen Vertrag bis 2028. Die Schnelllebigkeit des Trainergeschäfts trifft auf langfristige Verträge – ein Widerspruch, der im modernen Fußball zur Normalität geworden ist. Verträge sind längst keine Absichtserklärungen mehr, sondern Abfindungsvereinbarungen auf Vorrat.

Die Klubführung in Samsun muss sich fragen lassen, ob sie einen Trainer sucht oder einen Sündenbock auf Abruf. Wer nach einer Europa-League-Qualifikation bei zwei Niederlagen die Reißleine zieht, hat entweder unrealistische Erwartungen oder keine Geduld für echte Entwicklung. Beides ist Gift für jeden Trainer, egal welcher Nationalität.

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