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·11. März 2026

Sand-Kapitänin Jenny Gaugigl: "Gegen Jena keineswegs chancenlos"

Artikelbild: Sand-Kapitänin Jenny Gaugigl: "Gegen Jena keineswegs chancenlos"

Schon zweimal stand der SC Sand im Pokalfinale der Frauen in Köln, unterlag 2016 und 2017 aber jeweils Seriensieger VfL Wolfsburg 1:2. In dieser Saison tritt der Tabellenzweite der 2. Frauen-Bundesliga im Viertelfinale um den DFB-Pokal der Frauen beim Bundesligisten FC Carl Zeiss Jena an. Im DFB.de-Interview spricht Sands Kapitänin Jenny Gaugigl (29) über das Duell heute (ab 18.30 Uhr, live bei Sky).

DFB.de: Die Länderspielpause endet für den SC Sand mit dem Viertelfinale im DFB-Pokal beim Bundesligisten FC Carl Zeiss Jena. Wie groß ist die Vorfreude im Team, Frau Gaugigl?


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Jenny Gaugigl: Die Vorfreude ist wirklich riesig. Es ist auch vom Zeitpunkt her gut, dass wir uns für einen Moment komplett auf den DFB-Pokal fokussieren können. Solche Spiele sind einfach etwas Besonderes. Gleichzeitig wissen wir natürlich, dass danach wieder sehr wichtige Wochen in der Liga auf uns warten. Aber gerade deshalb tut es gut, dieses Highlight gemeinsam als Team genießen zu können.

DFB.de: Was war Ihr erster Gedanke bei der Auslosung?

Gaugigl: Ehrlich gesagt: mega! Uns war ja von Anfang an klar, dass wir als einziger Zweitligist immer der Underdog sein würden. Aber genau das macht ja auch den Reiz aus. Gegen Jena sehe ich uns keineswegs chancenlos. Wir werden sicherlich unsere Möglichkeiten bekommen und die wollen wir natürlich nutzen, um vielleicht den nächsten Erstligisten zu ärgern.

DFB.de: Der FC Carl Zeiss Jena rangiert in der Google Pixel Frauen-Bundesliga am Tabellenende. Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Gaugigl: Grundsätzlich merkt man schon, dass zwischen der ersten und zweiten Liga ein Unterschied im Tempo und in der Spielgeschwindigkeit besteht. Jena ist immer ein unangenehmer Gegner. Sie bringen viel Aggressivität, viel Mentalität und eine große Intensität mit ins Spiel. Deshalb erwarten wir ein sehr intensives Pokalspiel.

DFB.de: Mit dem 1. FC Köln schaltete der SC Sand bereits einen Bundesligisten im Pokalwettbewerb aus. Ist das ein Hinweis darauf, dass Ihr Team durchaus schon in der Lage ist, mit den Mannschaften aus der höchsten deutschen Spielklasse mithalten zu können?

Gaugigl: Gegen Köln hatten wir einen überragenden Tag als Team. Unsere Mentalität, die Laufbereitschaft und der unbedingte Wille - das hat an diesem Tag einfach perfekt gepasst. Wir arbeiten hart dafür, dass wir hoffentlich in der nächsten Saison wieder in der Bundesliga spielen dürfen. Ob wir dort konstant mithalten können, wird man dann sehen. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Jetzt müssen wir ihn nur konsequent weitergehen.

DFB.de: Worauf wird es ankommen, um das Halbfinale zu erreichen?

Gaugigl: Wir müssen versuchen, das Quäntchen Glück auf unsere Seite zu ziehen oder es uns einfach zu erzwingen. Das beginnt bei jedem 50-zu-50-Ball und jedem Zweikampf. Wir müssen mit voller Aggressivität und Leidenschaft verteidigen und gleichzeitig vorne unsere Chancen konsequent nutzen. Am Ende wird es nur als Team funktionieren. Gleichzeitig wollen wir auch einfach genießen, dass wir als einziger Zweitligist noch auf dieser Bühne stehen.

DFB.de: Was würde ein solcher Erfolg für den SC Sand bedeuten?

Gaugigl: Ganz ehrlich: Es träumen schon wieder viele im Umfeld von Köln. Die Teilnahmen an den Pokalendspielen 2016 und 2017 sind bei unseren Fans, Sponsoren und im gesamten Verein unvergessen. So etwas würde natürlich jeder gerne noch einmal erleben. Der Halbfinaleinzug wäre ein weiterer Schritt dahin und würde für unseren kleinen Verein wirklich etwas Großes bedeuten.

DFB.de: Wäre es ein persönlicher Traum, im weiteren Verlauf des Wettbewerbs auf Ihren Ausbildungsverein FC Bayern München zu treffen?

Gaugigl: Ich glaube, für jede Spielerin aus der 2. Bundesliga wäre es etwas Besonderes, gegen die Stars des FC Bayern zu spielen. Für mich persönlich ist es sogar schon speziell, gegen die zweite Mannschaft in Aschheim zu spielen, weil dort früher mein Trainingsgelände war. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann natürlich das Finale SC Sand gegen FC Bayern München.

DFB.de: Der SC Sand kämpft als Tabellenzweiter in der 2. Frauen-Bundesliga um den Wiederaufstieg in die Google Pixel Frauen-Bundesliga. Welchen Stellenwert hat vor diesem Hintergrund der DFB-Pokal?

Gaugigl: Für uns sind das zwei komplett unterschiedliche Wettbewerbe. Die Liga ist ein Marathon über viele Monate, in dem Konstanz entscheidend ist. Im Pokal dagegen geht es um ein einzelnes Spiel. In der Liga sind wir mittlerweile oft in der Favoritenrolle, im Pokal können wir als Underdog völlig frei aufspielen. Wir haben nichts zu verlieren.

DFB.de: Was macht für Sie persönlich den Reiz des Pokalwettbewerbs aus?

Gaugigl: Der Spruch ist zwar ein Klassiker, aber er stimmt einfach: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. In 90 oder 120 Minuten kann immer alles passieren. Man hat das zuletzt auch bei den Männern gesehen, als in den zurückliegenden beiden Jahren der 1. FC Kaiserslautern als Zweit- und Arminia Bielefeld sogar als Drittligist im Finale standen. Genau diese Geschichten machen den Wettbewerb so besonders. Und ich durfte 2017 mit Sand schon einmal im Finale stehen. Dort möchte ich unbedingt noch einmal hin.

DFB.de: Wenn Sie die Wahl hätten: Würden Sie sich für den Aufstieg oder das Pokalfinale im Kölner RheinEnergieStadion entscheiden?

Gaugigl: Das kann ich nicht entscheiden - ich will beides. (lacht) Solange beides theoretisch möglich ist, gibt es für mich auch nichts zu wählen.

DFB.de: Wie bewerten Sie die Chancen, in der nächsten Saison wieder erstklassig zu sein?

Gaugigl: Sportlich stehen wir aktuell gut da. Wir sind Zweiter und haben noch ein Nachholspiel. Aber der März wird sehr entscheidend. Zwei Englische Wochen, mehrere weite Auswärtsfahrten. Viele von uns müssen Urlaub nehmen, um alles zwischen Job und Fußball zu organisieren. Das ist natürlich eine zusätzliche Belastung. Wenn wir diese Phase gut überstehen, freue ich mich auf ein richtig spannendes Saisonfinale.

DFB.de: Welche Vereine sind die größten Konkurrenten?

Gaugigl: Der VfB Stuttgart spielt für mich fast in einer eigenen Liga, wenn man sich den Kader und die Möglichkeiten anschaut. Dahinter ist der SV Meppen aktuell unser größter Konkurrent um Platz zwei. Sie geben nie auf und haben schon mehrfach in der Nachspielzeit Punkte geholt. Mainz, Viktoria Berlin und Bochum haben aktuell etwas Rückstand. Aber das sind Vereine, die sicherlich in den nächsten Jahren oben angreifen wollen.

DFB.de: Sie sind bereits seit fast zehn Jahren im Verein, haben für den SC Sand auch schon in der Bundesliga gespielt. Wie würden Sie Ihre Verbindung zum Verein beschreiben?

Gaugigl: Wenn mir das jemand am Anfang gesagt hätte, hätte ich es wahrscheinlich nicht geglaubt. Aber ich habe inzwischen eine unglaublich enge Verbindung zum Verein. Ich kenne hier fast jeden, und Sand ist einfach ein besonderer Ort im Frauenfußball. Ich habe hier wirklich schon fast alles erlebt: Jugendtrainerin der U 15 und U 17, nach meiner langen Verletzungspause den Wiedereinstieg in der dritten Mannschaft, spielende Co-Trainerin in der zweiten Mannschaft und jetzt wieder Teil der ersten Mannschaft. Der Verein liegt mir wirklich sehr am Herzen.

DFB.de: Was zeichnet das Team in dieser Saison besonders aus?

Gaugigl: Unser Teamgeist und die Qualität jeder einzelnen Spielerin. Wir haben viele unterschiedliche Stärken im Kader und kennen diese auch voneinander. Außerdem haben wir eine klare Spielidee und einfach richtig Lust, gemeinsam etwas zu erreichen.

DFB.de: Obwohl Sie Kapitänin sind, kamen Sie zuletzt oft von der Bank. Wie sind Sie mit dieser ungewohnten Situation umgegangen?

Gaugigl: Natürlich will man als Spielerin immer auf dem Platz stehen. Aber am Ende steht der Erfolg des Teams über allem. Wenn ich krankheitsbedingt oder angeschlagen nicht bei 100 Prozent bin, dann ist es nur fair, dass andere Spielerinnen ihre Chance bekommen. Und wenn diese Chance genutzt wird, dann ist es meine Aufgabe, das Team von außen zu unterstützen und zu pushen.

DFB.de: Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team?

Gaugigl: Ich sehe mich klar als Führungsspielerin. Egal, ob auf dem Platz oder daneben: Ich möchte dem Team Energie geben, Fokus vermitteln und mit dem richtigen Mindset vorangehen. Als Kapitänin ist es meine Aufgabe, Verantwortung zu übernehmen und das Team zusammenzuhalten.

DFB.de: Was nehmen Sie sich für den weiteren Saisonverlauf vor? Wie lauten, auch mittelfristig, Ihre persönlichen Ziele?

Gaugigl: Für unser Team wünsche ich mir vor allem Gesundheit - und dass wir unseren Flow fortsetzen. Wenn wir Spiel für Spiel unser Potenzial abrufen, werden wir sehen, wo wir am Ende landen. Wichtig ist mir, dass wir uns nach der Saison nichts vorwerfen müssen. Persönlich genieße ich es gerade einfach unglaublich, wieder auf dem Platz zu stehen. Nach meiner langen Verletzungspause von dreieinhalb Jahren weiß ich das umso mehr zu schätzen. Gleichzeitig beschäftige ich mich schon mit der Zeit nach meiner aktiven Karriere. Mit dem DFB Players Pathway Management Programm bereite ich mich darauf vor. Ich freue mich darauf, dem Frauenfußball auch in Zukunft erhalten zu bleiben und vielleicht für die nächste Generation den Weg ein Stück weit mitzugestalten.

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