feverpitch.de
·29. Juni 2026
Saudi-Arabiens Fußball-Projekt: Wo Milliarden auf die Wirklichkeit treffen

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·29. Juni 2026

Nach dem dritten WM-Vorrunden-Aus in Folge zieht Yasser Al-Misehal die Konsequenz. Zwei Milliarden Dollar Investition ohne sportlichen Ertrag.
Der Rücktritt von Yasser Al-Misehal nach dem Vorrunden-Aus der saudi-arabischen Nationalmannschaft bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada ist mehr als ein personeller Vorgang. Er ist die Quittung für ein Projekt, das sich selbst eine andere Erzählung verordnet hatte. Sieben Jahre hat Al-Misehal den Verband geleitet, sieben Jahre, in denen Saudi-Arabien sich vom Mitläufer zum Hauptakteur des globalen Fußballgeschäfts erklärte. Dass am Ende dieser Phase wieder das frühe Aus steht, lässt sich nicht mehr mit Pech und engen Spielen erklären.
Zum dritten Mal in Folge ist für Saudi-Arabien nach der Vorrunde Schluss, nach 2018 und 2022 nun auch 2026. In der Gruppe mit Europameister Spanien, Kap Verde und Uruguay blieb in drei Spielen ein einziges Tor. Al-Misehal hat das auf X selbst eingeordnet: Die Mannschaft sei „weit hinter unseren Erwartungen" geblieben, für das „Scheitern übernehme ich die volle Verantwortung". Er entschuldige sich „bei allen, die gehofft hatten, unsere Mannschaft in einer besseren Position zu sehen". Das ist ein Tonfall, den man im internationalen Funktionärsbetrieb selten hört. Es ist ein Eingeständnis, das die Differenz zwischen Anspruch und Realität sichtbar macht.
Denn der Anspruch ist gewaltig. Fast zwei Milliarden Dollar hat Saudi-Arabien in den vergangenen drei Jahren in den Fußball investiert. Cristiano Ronaldo, Neymar, Karim Benzema – die Saudi Pro League sollte zu einer der finanziell attraktivsten Ligen der Welt aufsteigen, und in vielerlei Hinsicht ist ihr das gelungen. Neymar spielt mittlerweile wieder in Brasilien, aber das Grundmodell steht: viel Geld, prominente Namen, große Bühne. Was es bislang nicht produziert hat, ist eine Nationalmannschaft, die bei einer WM mithalten kann.
Hier setzt die Frage an, die Al-Misehals Rücktritt offenlegt, ohne sie zu beantworten. Die saudische Strategie war auf zwei Säulen gebaut: die Liga als Schaufenster, die Nationalmannschaft als sportlicher Beleg. Die erste Säule funktioniert ökonomisch, die zweite ist beim Härtetest in Nordamerika eingebrochen. Eine Liga, die mit den höchsten Gehältern wirbt, aber keine WM-taugliche Nationalelf hervorbringt, hat ein Erklärungsproblem. Vor allem dann, wenn man selbst die WM 2034 ausrichten wird – eine Vergabe, an deren Zustandekommen Al-Misehal wesentlich beteiligt war.
Bei der Heim-WM in acht Jahren soll Saudi-Arabien „wesentlich erfolgreicher" sein. Das ist die offizielle Zielsetzung, und sie hängt nun an einem Verband ohne Präsident und an einer Strategie, deren bisherige Resultate ernüchtern. Acht Jahre klingen lang. Im Aufbau einer Nationalmannschaft, die mit Spanien oder Uruguay konkurrieren soll, sind sie es nicht. Al-Misehals Formulierung, er wolle „den Weg für eine neue Phase freizumachen", verlagert die Frage nur an seinen Nachfolger.
Was bleibt, ist ein bemerkenswerter Kontrast. Ein Staat, der den Fußball als Instrument seiner globalen Sichtbarkeit gewählt hat, scheitert in der Disziplin, die er finanziell dominiert. Dass der Verbandspräsident die Verantwortung übernimmt und nicht der Trainer oder die Mannschaft als Erste genannt werden, ist ein ungewohnter Vorgang. Er deutet darauf hin, dass in Riad verstanden wurde: Das Problem ist nicht ein verlorenes Turnier. Das Problem ist, dass Geld allein nicht reicht.
Live







































