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·18. April 2026

SC Freiburgs Erfolg ist das beste Argument für Wertarbeit im deutschen Fußball

Artikelbild:SC Freiburgs Erfolg ist das beste Argument für Wertarbeit im deutschen Fußball

Mit einem 6:1 über Celta Vigo steht der SC Freiburg im Halbfinale – dazu wartet das DFB-Pokal-Halbfinale in Stuttgart. Trainer Julian Schuster wurde Trainer des Jahres.

Sechs zu eins. Das ist kein Ergebnis, das man gegen einen spanischen Erstligisten einfach so erzielt – schon gar nicht, wenn man SC Freiburg heißt. Und doch stand da nach 180 Minuten in Hin- und Rückspiel gegen Celta Vigo eine Mannschaft, die zu keinem Zeitpunkt wie ein Überraschungsgast wirkte, sondern wie ein Team mit einem Plan. Freiburgs Einzug ins Europa-League-Halbfinale ist keine Sensation. Es ist die logische Konsequenz eines Weges, den dieser Verein seit Jahren geht – und der gerade zum besten Argument wird, das die Bundesliga für sich selbst vorbringen kann.


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In Vigo traf Igor Matanovic per Traumtor-Volley nach VAR-Bestätigung zur Führung, Yuito Suzuki legte zwei weitere Tore nach. Schon zur Halbzeit war das Viertelfinale entschieden. Trainer Julian Schuster nahm danach Leistungsträger vom Platz – nicht aus Arroganz, sondern aus Kalkül. Denn innerhalb von drei Wochen spielt der SC jetzt Bundesliga gegen Heidenheim, Pokal-Halbfinale in Stuttgart und Europa-League-Halbfinale gegen Sporting Braga. Wer so rotiert, braucht Kadertiefe. Wer so rotiert und trotzdem 6:1 gewinnt, hat etwas, das sich nicht auf dem Transfermarkt kaufen lässt: Vertrauen ins eigene System.

Sportvorstand Jochen Saier, seit 2014 im Amt, fand nach dem Spiel Worte, die bei fast jedem anderen Verein nach Phrasen klingen würden: „Die Reise geht weiter – und jetzt wollen wir alles." Bei Freiburg klingt das anders. Es klingt gedeckt. Weil hinter dem Satz kein Kader für 200 Millionen steht, sondern einer, der durch präzise Scouting-Arbeit und geduldige Entwicklung entstanden ist. Und weil hinter dem Trainerwechsel von Christian Streich zu Julian Schuster kein Bruch lag, sondern ein nahtloser Übergang – so nahtlos, dass der kicker Schuster zum Trainer des Jahres wählte, mit den meisten Stimmen aller Kandidaten unter 633 Journalisten.

Natürlich gibt es eine Kehrseite. Platz acht in der Bundesliga nach 29 Spieltagen, 40 Punkte, die letzten fünf Ligaspiele mit nur zwei Siegen – Freiburg ist kein Spitzenteam im klassischen Sinn, und die Dreifachbelastung kann ein Kader dieser Größenordnung auch zerreiben. Zuletzt verlor man zu Hause gegen Bayern, trotz 2:0-Führung, durch zwei Tore in der Nachspielzeit. Wer in dieser Frequenz spielt, lebt am Rand der Überlastung. Lothar Matthäus sagte bei RTL: „In dieser Verfassung traue ich dem SC noch viel mehr als das Halbfinale zu. Wenn sie das wiederholen können, ist wirklich mehr drin." Das entscheidende Wort ist: wenn.

Und trotzdem profitiert die Bundesliga von diesem Lauf. Das zweite Europa-League-Halbfinale bestreiten Aston Villa und Nottingham Forest – zwei englische Klubs mit dem Vielfachen an Ressourcen. Dass Freiburg in dieser Gesellschaft steht, verschiebt die Wahrnehmung der Liga. Nicht durch Marktmacht, sondern durch sportliche Substanz. Dazu das Pokal-Halbfinale in Stuttgart, wo der Titelverteidiger wartet. Jeder Sieg hält die Chance auf einen tiefen Lauf in zwei Wettbewerben offen – und damit auch die Hoffnung, dass der deutsche Fußball über seine drei, vier üblichen Adressen hinaus international bestehen kann.

Saier sprach von einem „besonderen Jahr" und einer „besonderen Gruppe". Das klingt einfach. Dahinter steckt das Komplizierteste, was es im Profifußball gibt: Kontinuität in einer Branche, die Kontinuität für Stillstand hält. Freiburg beweist das Gegenteil – am 30. April in Braga.

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