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·11. Juni 2026

Schatten über der WM: Fünf Polizisten in Mexiko getötet

Artikelbild:Schatten über der WM: Fünf Polizisten in Mexiko getötet

Einen Tag vor dem ersten Anpfiff der Weltmeisterschaft 2026 in Mexiko-Stadt wurden fünf mexikanische Polizisten erschossen. Kein Einzelfall – und kein gutes Zeichen.

Hinterhalt im Purépecha-Land

Die Tat ereignete sich am Mittwoch im Bundesstaat Michoacán, in der Gemeinde Nahuatzen – einer Region, die traditionell von der indigenen Bevölkerung der Purépecha bewohnt wird und seit Jahren unter dem Einfluss des Cártel Jalisco Nueva Generación (CJNG) steht. Fünf Beamte kamen bei dem Angriff unbekannter Täter ums Leben, fünf weitere wurden verletzt. Das Fahrzeug, in dem die Polizisten unterwegs waren, wurde laut AFP-Berichten mit Schüssen durchlöchert. Die Namen der Getöteten sind bekannt: Porfirio Rodríguez Briseño, Brandon Josué Zamora Torres, Francisco Javier Otero Damas, Jonatan Mondragón Servín und Mateo Valdez Abarca.


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Michoacáns Hauptstadt Morelia liegt rund 300 Kilometer von Mexico City entfernt – und fast genauso weit vom WM-Spielort Guadalajara. Eine geografische Randnotiz, die die mexikanische Regierung sicher gerne betonen würde. Nur hilft das wenig, wenn das Bild eines zerfetzten Polizeipickups um die Welt geht.

Der CJNG und ein Staat unter Druck

Der CJNG ist kein regionaler Störenfried – er ist eine der mächtigsten Verbrecherorganisationen des Landes, dessen Einflussgebiet längst weit über Jalisco hinausreicht. Im Februar wurde Kartellanführer Nemesio Oseguera Cervantes, besser bekannt als „El Mencho“, bei einer Militäroperation getötet. Was folgte, war kein Machtvakuum, das zur Beruhigung führte, sondern das Gegenteil: eine Welle der Gewalt mit über 70 Todesopfern, darunter 25 Nationalgardisten, Fahrzeugbränden und Straßenblockaden.

Im April wurde einer der möglichen Nachfolger, Audias Flores Silva alias „El Jardinero“, festgenommen – auf ihn hatte die US-Regierung fünf Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt. Im Mai wurde dann der Bürgermeister einer Kleinstadt mutmaßlich vom CJNG ermordet, was zu wütenden Protesten gegen den Staat führte. Die Bevölkerung Michoacáns fühlt sich von der Regierung im Stich gelassen. Das ist der Kontext, in dem die WM stattfindet.

Mexikos Antwort: Alles unter Kontrolle

Die offizielle Linie der mexikanischen Regierung ist klar: Für WM-Fans bestehe keine Bedrohung. Das mag für die abgesicherten Stadien und die direkt betroffenen Spielorte sogar stimmen. Nur kauft ihr das kaum jemand ab, der die Entwicklungen der letzten Monate verfolgt hat.

Die US-Botschaft in Mexiko hat diese Woche ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Sicherheitsniveau je nach Region stark schwanke – und für jeden der mexikanischen Bundesstaaten eine eigene Reisewarnung herausgegeben. Das ist diplomatisch formuliert, aber deutlich genug.

Für die FIFA und die Organisatoren ist das eine unbequeme Gleichzeitigkeit: Während in Mexico City Shakira die erste von drei Eröffnungszeremonien bestritt, lag 300 Kilometer entfernt ein zerschossener Polizeipickup auf einer Landstraße in Michoacán.

Fußball und Realität

Man muss diese Dinge nicht aufbauschen. Mexiko-Stadt, Guadalajara, Monterrey – die WM-Spielorte sind nicht Nahuatzen. Aber es wäre auch unehrlich, so zu tun, als seien solche Nachrichten irrelevant für das Gesamtbild eines Turniers, das sich als Fest des Sports für alle verkaufen will. Fünf Polizisten starben am Vorabend des Auftakts. Das ist keine Randmeldung – das ist Mexiko 2026.

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