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·28. Oktober 2025
Schiedsrichterskandal: Dieses Spiel soll Ermittlungen ausgelöst haben – Staatsanwaltschaft übernimmt

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TFF-Präsident Ibrahim Haciosmanoglu hat die wohl deutlichste Bilanz seit Jahren gezogen: Von 571 aktiven Schiedsrichtern verfügen 371 über Wettkonten, 152 sollen aktiv gewettet haben. Der Verbandschef stellte klar: „Unser Disziplinarrat wird ab heute die notwendigen Verfahren einleiten“ – die Namen sollen an die PFDK übermittelt und „gemäß den Anweisungen“ sanktioniert werden.
Nach übereinstimmenden Darstellungen rückte ein Spiel in den Mittelpunkt der Untersuchungen: die 0:0-Partie zwischen Ankaraspor und Nazilli Belediyespor in der weißen Gruppe der TFF 2. Lig (Saison 2023/24, 37. Spieltag). Das Duell endete ohne einzigen Schuss – mit sportpolitischen Folgen: Nazilli blieb in der Liga, Zonguldak Kömürspor stieg ab. In der Folge wurden zahlreichen Beteiligten Rechte entzogen, darunter 23 Spieler, Klubpräsident Sahin Kaya, Funktionär Volkan Erten – sogar der Masseur soll betroffen sein.
Die vom TFF präsentierte Kategorisierung zeichnet ein klares Bild: 7 Schiedsrichter der Top-Klasse, 15 Top-Klassen-Assistenten, 36 Klassen-Schiedsrichter und 94 Klassen-Assistenten tauchen im Raster auf. Besonders drastisch: Ein Schiedsrichter soll alleine 18.227 Wetten platziert haben; 10 Referees liegen bei >10.000, weitere 42 bei >1.000 Einsätzen.
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Die Staatsanwaltschaft Istanbul bestätigt eine bereits im April 2025 eröffnete Untersuchung; aktuelle Aussagen des TFF-Präsidenten würden als „Warnung“ gewertet und die Ermittlungen weiter vertiefen. Parallel verweist der Verband auf die Fußballdisziplinordnung, Artikel 57 „Wetten“: Wer gegen das Verbot direkter/indirekter Wetten und einschlägiger Interessenverstöße verstoße, riskiere Rechtsentzug von drei Monaten bis zu einem Jahr. Zudem greifen Bestimmungen aus den Gesetzen Nr. 6222, 7405 und 7258.
TFF-Vizepräsident Mecnun Otyakmaz kündigte an, die Namen würden über die offiziellen PFDK-Mitteilungen publiziert: „Wenn das TFF Legal Board die Akte … an die PFDK einreicht, werden die Namen … auf der offiziellen Website unter dem Titel ‚Disziplin‘ bekannt gegeben.“ Ein gleichzeitiger Systemumbau ist Teil des Plans: Ausländische Schiedsrichter seien laut Verbandsflügel kein Thema – man wolle den türkischen Nachwuchs stärken und das System „mit moralischen jungen Schiedsrichtern nachhaltig“ aufstellen.
Nach dem mutmaßlichen Auslöser-Spiel soll es zu einem internen Krisentreffen gekommen sein. Mit dabei: Mecnun Otyakmaz, Fuat Göktas und MHK-Präsident Ferhat Gündogdu. Vereinbart wurde demnach ein vertrauliches Prüfverfahren, um Leaks zu unterbinden und Spuren lückenlos zu sichern.
Die nächsten Tage werden entscheidend: PFDK-Überweisungen, staatsanwaltliche Maßnahmen und mögliche Sperren zeichnen sich ab. Für die Schiedsrichterei bedeutet der Fall eine Zäsur – mit der Chance, Vertrauen zurückzugewinnen. Oder, wie es der Verband skizziert: „Wir werden den Schmutz entfernen und den türkischen Fußball dorthin bringen, wo er es verdient.“









































