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·7. Januar 2026
Schottlands eigener WM-Feiertag ist kein Populismus, sondern schöne Träumerei

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·7. Januar 2026

Nach 28 Jahren WM-Pause will Regierungschef Swinney den Tag nach dem Auftaktspiel zum Feiertag machen. König Charles III. muss noch zustimmen.
John Swinney hat verstanden, was Fußball für ein Land bedeuten kann. Der schottische Regierungschef will den Tag nach dem WM-Eröffnungsspiel gegen Haiti zum Feiertag erklären lassen. Das ist kein billiger Populismus, sondern ein kluger Schachzug eines Politikers, der weiß, dass Sport und nationale Identität untrennbar verbunden sind.
28 Jahre. So lange musste die Tartan Army auf eine Weltmeisterschaft warten. Die letzte WM-Teilnahme 1998 in Frankreich liegt eine gefühlte Ewigkeit zurück. Eine ganze Generation schottischer Fans kennt das Gefühl nicht, ihr Team bei einem Weltturnier zu erleben. Wer bei der Europameisterschaft 2024 in Deutschland war, hat gesehen, mit welcher Hingabe die Schotten feiern. München wurde zur Party-Zone, Köln zum Außenposten von Glasgow. Diese Energie verdient Anerkennung.
Der Vorschlag muss nun von König Charles III. abgesegnet werden. Das klingt nach royaler Bürokratie, ist aber mehr als eine Formalie. Es wäre ein symbolischer Akt der Wertschätzung für ein Turnier, das Schottland seit fast drei Jahrzehnten verwehrt geblieben ist. Ob der König zustimmt, bleibt abzuwarten. Aber allein die Tatsache, dass ein Regierungschef diesen Weg geht, zeigt, welchen Stellenwert der Fußball nördlich des Hadrianswalls hat.
Natürlich gibt es Einschränkungen. Nur Beschäftigte des öffentlichen Dienstes unter schottischer Regierungshoheit hätten je nach Vertrag einen freien Tag garantiert. Andere Arbeitgeber könnten nachziehen, müssen aber nicht. Das ist pragmatisch gedacht und verhindert wirtschaftlichen Stillstand. Gleichzeitig setzt es ein Signal: Wer will, kann mitfeiern.
Die Gruppe hat es in sich. Haiti zum Auftakt, dann Marokko und schließlich Brasilien. Swinney träumt öffentlich davon, den Rekordweltmeister auszuschalten. Das klingt vermessen, ist aber genau die richtige Haltung. Wer nach 28 Jahren Abstinenz zur WM fährt, darf träumen. Wer nicht träumt, hat den Sinn des Turniers nicht verstanden.
Das Eröffnungsspiel findet am 14. Juni um zwei Uhr morgens schottischer Zeit statt. Ein denkbar ungünstiger Termin für ausgelassene Feierlichkeiten. Umso sinnvoller erscheint der Feiertag danach. Die Fans werden die Nacht durchmachen, das steht fest. Ihnen am nächsten Tag die Möglichkeit zur Erholung zu geben, ist keine Gefälligkeit, sondern Realismus.
Swinney, der der schottischen Unabhängigkeitspartei SNP angehört, nutzt den Fußball auch politisch. Das ist legitim. Sport war immer politisch, und wer das leugnet, hat die Geschichte nicht verstanden. Entscheidend ist, dass die Freude echt ist. Und daran besteht bei der Tartan Army kein Zweifel.









































