Schweden ohne Sieg in der WM-Quali bei der WM 2026 – Die dreisteste WM-Qualifikation aller Zeiten? | OneFootball

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·8. April 2026

Schweden ohne Sieg in der WM-Quali bei der WM 2026 – Die dreisteste WM-Qualifikation aller Zeiten?

Artikelbild:Schweden ohne Sieg in der WM-Quali bei der WM 2026 – Die dreisteste WM-Qualifikation aller Zeiten?

Schweden fährt zur WM 2026 nach Nordamerika – und das, obwohl die Mannschaft die eigentliche Qualifikation komplett vergeigt hat. Möglich wurde das durch ein UEFA-System, das Misserfolg am Ende sogar belohnt. Vor allem Slowenien dürfte auf dieses Format mit wenig Begeisterung blicken. Nun spielt man in der WM 2026 Gruppe F gegen die Niederlande, Japan und Tunesien.

Jesper Karlström wird beim WM-Qualifikations-Play-off gegen Polen am 31. März 2026 in der Strawberry Arena in Solna durch Teamkollege Besfort Zeneli ausgewechselt. Michael Campanella / Getty Images


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Der schwedische Weg zur Endrunde begann im Grunde schon vor vier Jahren – mit einem Rückschlag statt mit einem Erfolg. Am 27. September 2022, noch vor der WM in Katar, stand der letzte Gruppenspieltag der UEFA Nations League B4 an. Gegen Slowenien musste im eigenen Stadion ein Sieg her, um nicht in die Liga C abzusteigen. Nach 90 Minuten sprang jedoch nur ein 1:1 heraus, Schweden wurde Letzter und rutschte eine Spielklasse tiefer.

Dreieinhalb Jahre später feierte die Nationalmannschaft in Solna bei Stockholm dennoch die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2026. Bemerkenswert daran: In der vorangegangenen WM-Qualifikation hatte Schweden kein einziges Spiel gewonnen. Genau deshalb ist der Weg der Skandinavier nicht nur außergewöhnlich, sondern wohl auch einer der fragwürdigsten der jüngeren Vergangenheit. Er zeigt, dass die UEFA ihr Qualifikationsmodell für kommende Großturniere dringend überprüfen sollte.

Warum der Nations-League-Abstieg plötzlich half

Die Ursache dafür lag in der Abstufung nach dem Abstieg in der vorletzten Nations-League-Saison. In der Spielzeit 2024/25 trat Schweden deshalb nur noch in der dritthöchsten Liga C an. Dort war das Niveau erwartbar geringer: In Gruppe C1 stellte die Slowakei den einzigen wirklich ernsthaften Konkurrenten dar, dazu kamen die europäischen Außenseiter Aserbaidschan und Estland. Dass Schweden am Ende mit nur einem Punktverlust den Gruppensieg holte, war daher kaum überraschend.

Wichtiger war der Nebeneffekt: Schon vor Beginn der eigentlichen WM-Qualifikation hatte sich die schwedische Auswahl damit gute Karten für die Playoffs gesichert. Die UEFA vergibt vier Plätze für die WM-Playoffs an die besten Nations-League-Gruppensieger, die sich nicht auf anderem Weg direkt qualifiziert haben – und das unabhängig von der Liga. Sogar San Marino, das eine der untersten Spielklassen gewann, hatte dadurch zeitweise Chancen auf die Playoffs.

Genau darin liegt der Kern des Problems. Die Nations League sollte ursprünglich ein Turnier ohne große Bedeutung aufwerten und vor allem langweilige Testspiele zwischen Nationalteams ersetzen. In vielen Ländern blieb ihr Stellenwert dennoch überschaubar. Das Resultat ist nun aber ein fragwürdiges Qualifikationssystem, das die eigentlichen WM-Gruppen entwertet – und Misserfolg ausdrücklich belohnt.

Im Fall Schwedens wurde das besonders deutlich: Weil die Mannschaft 2022 nicht gegen Slowenien gewann und abstieg, verschaffte sie sich für den WM-Weg einen Vorteil gegenüber genau diesem Gegner, der den Klassenerhalt schaffte. Slowenien blieb auch in der Nations-League-Saison 2024/25 in der Liga, landete in einer schweren Gruppe aber erneut nur auf Rang drei. In einer niedrigeren Spielklasse hätten die Slowenen wohl um den Gruppensieg und damit sehr wahrscheinlich um einen festen Platz in den WM-Playoffs kämpfen können.

Auch andere Beispiele verdeutlichen die Schieflage. Nordmazedonien reichte in der Nations League C der Vergleich mit Armenien, den Färöern und Lettland, um die Gruppe zu gewinnen und letztlich dabei zu sein. Griechenland wiederum schlug eine Klasse höher England im Wembley-Stadion, landete wegen des schlechteren Torverhältnisses aber nur auf Platz zwei – und verpasste die Extra-Chance in den Playoffs, die Nordmazedonien und Schweden erhielten.

Von der verkorksten WM-Quali bis zum Losglück

Mit diesem möglichen Playoff-Platz im Rücken ging Schweden in die eigentliche WM-Qualifikation – und scheiterte dort komplett. In einer Gruppe mit der Schweiz, dem Kosovo und erneut Slowenien holte das Team um Arsenal-Stürmer Viktor Gyökeres nur zwei Punkte und landete folgerichtig auf dem letzten Tabellenplatz. Dass die Slowenen wieder vor Schweden standen, änderte aber nichts daran, dass die Skandinavier anschließend noch eine zweite Chance bekamen.

Auch diese Playoffs waren aus Wettbewerbssicht nur bedingt fair. Halbfinale und Finale wurden nicht mit Hin- und Rückspiel ausgetragen, sondern jeweils in nur einer Partie entschieden. Zudem fand das Ganze nicht auf neutralem Terrain statt, sondern als Heimspiel für eines der Teams – mit dem entsprechenden Vorteil.

Anthony Elanga feiert mit Teamkollege Daniel Svensson seinen Treffer zum 1:0 für Schweden im WM-Qualifikations-Play-off gegen Polen am 31. März 2026 in der Strawberry Arena in Solna. Michael Campanella / Getty Images

Wer diesen Heimvorteil bekam, wurde per Los entschieden. Maßgeblich war dabei die FIFA-Weltrangliste, nicht die Leistung in der WM-Qualifikation. Schweden und die drei weiteren Nationen, die ausschließlich über die Nations League ins Playoff-Feld rutschten, wurden allerdings automatisch dem letzten Lostopf zugeordnet und mussten damit im Halbfinale auswärts antreten.

Doch auch diese Hürde blieb den Schweden am Ende erspart. Gegen die Ukraine kam der Sieg wegen des russischen Angriffskriegs auf neutralem Boden in Spanien zustande. Und im entscheidenden Spiel spielten die Lostöpfe plötzlich keine Rolle mehr. Stattdessen empfing Schweden die polnische Nationalmannschaft, die sowohl in der WM-Qualifikation als auch in der Nations League höher eingestuft war, im eigenen Nationalstadion.

Dass die Schweden auch in dieser Partie nicht klar überlegen waren, passte ins Gesamtbild. Polen um Altstar Robert Lewandowski erspielte sich zwar zahlreiche Chancen, nutzte sie aber nicht konsequent genug. So stand am Ende ein knapper 3:2-Erfolg für die Gastgeber – und damit die Teilnahme an einer der umstrittensten WM-Qualifikationen der Geschichte.

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