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·26. März 2026

Schweiz gegen Deutschland: Viel Kurioses im Rekordduell

Artikelbild: Schweiz gegen Deutschland: Viel Kurioses im Rekordduell

Am Freitag (ab 20.45 Uhr, live bei RTL) trifft die deutsche Nationalmannschaft in Basel auf die Schweiz. Es ist bereits das 54. Duell der beiden Fußballnationen - gegen kein Team hat Deutschland häufiger gespielt. DFB.de über Anekdoten und Kuriositäten der gemeinsamen Länderspielgeschichte.

Vertragsbruch: Gegen kein Land hat Deutschland mehr Spiele bestritten (54) – und doch viel zu wenig. Eigentlich müssten es schon 118 sein. Vor der legendären Premiere am 5. April 1908 in Basel wurde ein Vertrag zwischen den beiden Fußballverbänden aufgesetzt, alljährlich mindestens einmal gegeneinander zu spielen. Das wurde bis 1913 durchgehalten, dann kam der 1. Weltkrieg. 1920 war die Schweiz zwar wieder der erste Gegner, aber mit der Regelmäßigkeit war es schon 1921 vorbei. Die größte Lücke: jeweils acht Jahre (1942 bis 1950 und 2012 bis 2020). Übrigens gab es nur sechs Pflichtspiele: viermal bei Weltmeisterschaften, einmal bei der EURO und einmal bei Olympia.


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Schnelles Wiedersehen: 1938 spielte man binnen vier Monaten dreimal gegeneinander. In so einem kleinen Zeitraum gab es das nie mehr in der DFB-Geschichte. Der Grund lag in den eigentümlichen WM-Regeln. Im Februar hatte man sich schon in Köln testweise getroffen (1:1), dann traf man im Juni im Achtelfinale von Paris aufeinander (1:1 n. V.) und nach einem Remis gab es damals ein Wiederholungsspiel (2:4). Zweimal wurde deutsche WM-Geschichte geschrieben. Johannes Pesser sah den ersten WM-Platzverweis (beim 1:1), im zweiten Spiel gab es die noch immer einzige Niederlage nach Zwei-Tore-Führung.

Antike Torfunde: In den Chroniken steht, dass Deutschland 1908 gegen die Schweiz 3:5 verlor. Das scheint unumstößlich, es stand ja damals auch in allen Zeitungen. 1943 kamen allerdings Zweifel auf, als der bekannte Sportjournalist Richard Kirn ein Buch auf den Markt brachte, in dem Nationalspieler Fritz Becker zu Wort kam, welcher darin behauptete, es sei 2:5 ausgegangen. Karlsruhes Fritz Förderer habe nur die Latte getroffen. Kirn führte aus: „Man muß wissen, daß es damals noch kaum eine Berichterstattung gab und schon gar keine Zeitung, die einen Mann um eines Fußballspiels willen nach der Schweiz geschickt hätte. Zur Internationalen Ausstellung von Rassekarnickeln und Zuchthähnen, ja! Zum Treffen der besten Skatspieler Europens: mit Wonne! … Aber Fußball? Nee, Fußball war eine odiose Angelegenheit. Und deshalb hat Beckers Begründung einen winzigen Hauch von  Wahrscheinlichkeit: in dem Artikel eines Berichterstatters habe sich das 5:3 eingeschlichen und seit dieser Zeit werde es geglaubt.“ Zumal auch der Spieler Walter Hempel 1927 von einem 2:5 sprach. Es gab aber sehr wohl qualifizierte Berichterstattung anno 1908 und die vermeldete unisono ein 3:5 – und daran wird längst nicht mehr gerüttelt. Sehr wohl korrigiert wurde die DFB-Statistik allerdings im Jahr 2011. Mit 100 Jahren Verspätung wurde ein Tor von Max Gablonsky beim 6:2-Sieg in Stuttgart endlich anerkannt, weil man einen Zettel in seinem Nachlass fand mit der Notiz „6. Tor von mir“. Bis dahin wurde es Gottfried Fuchs zugeschrieben. Das Studium diverser Zeitungen stützte seine Version. 

Foulspielverbot: Zum ersten Spiel nach dem ersten Weltkrieg stand wieder die Schweiz parat. Es stand unter besonderen Vorzeichen, viele wollten noch nicht mit Deutschland spielen. Nachdem ihnen der DFB-Präsident Gottfried Hinze noch eingetrichtert hatte, wie wichtig ihr erster Auftritt im Ausland sei, zogen die Nationalspieler in Zürich vor lauter Demut also lieber mal den Fuß zurück. Kapitän Hans Kalb aus Nürnberg gestand: „Wir verzichteten im entscheidenden Moment lieber auf den Ball, nur um einem möglichen Zusammen-prall aus dem Weg zu gehen.“ Sie verloren so hoch wie nie (1:4).

Das Bahnchaos: Als die Schweizer im März 1922 nach Frankfurt kamen, musste der Zugverkehr für eineinhalb Stunden eingestellt werden, da 40.000 Menschen am Bahnhof auf sie warteten. Am Römerberg, wo heute die Massen nur nach großen Turniererfolgen zusammen-strömen, standen 20000, nur um der Rede des Schweizer Verbands-präsidenten zu lauschen. 

Farbpremiere: Im Heimspiel am 1. Februar 1942 in Wien (damals Deutsches Reich) entstanden die ersten Farbfotos von einem Länderspiel. Trotzdem war es eher ein grauer Tag, die Schweiz drehte die Partie und traf kurz vor Schluss zum 1:2-Endstand.

Viererpack-Rekord: Am 18. Oktovber 1942 in Bern (5:3) schoss Ernst Willimowski die ersten vier deutschen Tore – das war damals ein Novum. Erst Gerd Müller stellte den Rekord 1972 ein.

Der unpräzise Zuschauerrekord: Auch nach dem 2. Weltkrieg setzte sich die Schweiz erfolgreich für die Wiederaufnahme des DFB in die FIFA ein und war  am 22. November 1950 in Stuttgart der erste Gegner. Es regnete in Strömen, die Menschen rutschten die Erdhänge herunter. Auch, weil weit mehr gekommen waren, als es Tickets gab. Manche verschafften sich mit Gewalt Einlass. Man zählte 240 Verletzte, 72 schwere Unfälle und 38 Menschen, die ins Krankenhaus mussten. Der DFB meldete offiziell 96.400 Zuschauer, die in der Presse publizierten Schätzungen schwankten damals zwischen 103.000 und 120.000. Jedenfalls gab es nie mehr Zuschauer in einem Heimspiel.

Kälterekord: Ein Tag vor Heiligabend 1962 kam die Schweiz nach Karlsruhe zum wohl eisigsten Länderspiel aller Zeiten: Das Thermometer zeigte zwölf Grad Minus. Die Zuschauer wurden trotzdem warm: Es gab einen 5:1-Sieg.

Kaiser-Novum: In die WM 1966 startete Deutschland mit einem 5:0-Sieg über die Schweiz. Zum einzigen Mal in seiner Länderspielkarriere (103 A) erzielte der damals 20jährige Franz Beckenbauer zwei Tore in einem Länderspiel.

Torschützen des Jahres: Beim 5:1 in Düsseldorf kombinierten sich Günter Netzer und Gerd Müller dermaßen brillant durch die Schweizer Reihen, dass ihr Treffer vom 15. November 1972 (Schütze Netzer) zum Tor des Jahres gewählt und die Plakette ausnahmsweise an beide Spieler verliehen wurde.

Das Tor des Jahrhunderts: Am 14. November 1977 erzielte Klaus Fischer beim 4:1 in Stuttgart sein legendäres Fallrückziehertor, das zum Tor des Monats, des Jahres, des Jahrzehnts, des Vierteljahrhunderts und des Jahrhunderts gewählt wurde.

Blitz-Integration: Im ersten Länderspiel nach der Wiedervereinigung stand wieder die Schweiz Pate. Mit Matthias Sammer stand nur ein Spieler aus der ehemaligen DDR in der Startelf. Nach 74 Minuten löste ihn Andreas Thom ab. Der Ost-Berliner brauchte nur 25 Sekunden für sein erstes Tor im neuen Nationaldress. Schneller traf nur ein Debütant: Uwe Rahn 1984 gegen die Schweden (21 Sekunden nach seiner Einwechslung). 

Zwillingsdebüt: Am 26. 5. 2012 gab e sin Basel wie schon 1908 eine 3:5-Niederlage. Genauso selten wie die Wiederholung des Ergebnisses an gleicher Stelle war der Einsatz von Lars und Sven Bender. Sie waren erst das zweite Zwillingspaar nach den Schalkern Erwin und Helmut Kremers, die gemeinsam auf dem Platz standen – für zwölf Minuten.

Hotspots Basel und Stuttgart: Am häufigsten sah man sich am Ausgangspunkt Basel, dort wurde 14mal gespielt. Auf deutschem Boden sah Stuttgart (sieben) die meisten Spiele.

Lieblingsgegner: Gegen die Schweiz gab es auch die meisten Siege (36) und Tore (143). Auch die Anzahl der Testspiele (46) ist Rekord, nur sechsmal ging es um mehr als Prestige: viermal bei der WM, zweimal in der Nations League, einmal bei der EM, einmal bei Olympia. EM-oder WM-Qualifikationsspiele gab es nie.

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