Rund um den Brustring
·23. Februar 2026
Schwierig

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·23. Februar 2026

In Heidenheim lässt der VfB zwei wichtige Punkte liegen. Erneut reicht es bei einem Abstiegskandidaten nicht zu einem Dreier, weil die Mannschaft mit einem motivierten Gegner und einem erratischen Unparteiischen Probleme hat.
“Also Robert, ich erkenne hier auf dem Bild so gut wie nichts”, sprach Sascha Stegemann einst im Mai 2020 in sein Mikro. Oder wie es anschließend beim DFB hieß: “Der Schiedsrichter hat ein strafbares Handspiel wahrgenommen”. Nunja. Was genau Stegemann am regnerischen Sonntagabend auf dem Heidenheimer Schloßberg wahrgenommen hat hat, ist nicht ganz klar. Denn den recht offensichtlichen Tritt von Maxi Mittelstädt an den Knöchel seines Gegenspielers sah er erst, nachdem VAR Günter Perl ihn darauf hinwies und er sich die Szene eine gefühlte Ewigkeit anschaute. In der Zwischenzeit hatte der VfB schon die vielumjubelte erneute Führung erzielte. Statt 2:1 aus weiß-roter Sicht hieß es plötzlich 1:2. Derartige Situationen können nicht im Sinne des Erfinders sein.
Genauso wenig wie die Ausmessung von Schultereckgelenken, um ein Abseits nachzuweisen. Mal ganz unabhängig von dem zweiten anerkannten Tor von Ermedin Demirovic an diesem Abend: Welchen Vorteil hat ein Stürmer davon, dass sein linker Schnürsenkel näher am gegnerischen Tor ist als der des Gegners? Meiner Meinung versagt der VAR hier noch mehr als sowieso schon. Denn während man bei Fouls die falsche Wahrnehmung nur delegiert und verzögert, wird beim Abseits eine Eindeutigkeit suggeriert, die es schlicht nicht gibt.
Geradezu grotesk ist die selektive Anwendung des VAR. Die Eingriffsschwelle wird so angepasst, wie man es gerade braucht, um dem Kollegen auf dem Feld den Allerwertesten zu retten — was gefühlt bei Sascha Stegemann häufig vorkommt, schaut man sich die Bewertung im einschlägigen Fachmagazin an. So wieder gesehen beim Foul an Ramon Hendriks vor dem 3:2 der Heidenheimer. Wenn man eine chaotische Spielführung dann noch durch autoritätsheischende gelbe Karten verschlimmert ist das in der Gesamtbetrachtung, nun kam schwierig.
Es ist aber genauso schwierig und fehlgeleitet, das 3:3 beim Tabellenletzten allein an Stegemann fest zu machen. Denn der VfB, der von einem frühen Geistesblitz Chris Führichs profitierte, investierte über lange Strecken zu wenig in das Spiel. Nicht unbedingt körperlich, schließlich wies Sebastian Hoeneß darauf hin, dass man erneut viele Kilometer gelaufen sei, sondern vielmehr mental. Denn alle drei Gegentore resultierten auch aus einem schwierigen Stellungsspiel und fehlender Übersicht. Insgesamt brachten sich die Jungs im Brustring immer wieder durch Nachlässigkeiten in die Bredouille und so hatten die Hausherren neben den drei Toren noch weitere Chancen.
Der VfB allerdings auch und das ist vielleicht das Beste an diesem schwierigen Abend: Die Mannschaft ist meist nicht totzukriegen und hätte auch gut und gerne noch das 4:3 erzielen können. Die Qualität, solche Spiele für sich zu entscheiden, ist weiterhin da. Wie gegen St. Pauli hatte man daneben der erwartbaren Entschlossenheit des Abstiegskandidaten zu wenig entgegenzusetzen, um alle drei Punkte wieder mit in die Landeshauptstadt zu nehmen: Zu wenig Mut vorm Tor, zu wenig Konzentration in der Rückwärtsbewegung, zu viele fahrlässige Fehlpässe. Das reicht so nur, wenn Du auch ein bisschen Glück hast, denn Heidenheim ist ja grundsätzlich eine Mannschaft, in der es stimmt, auch mit dem Trainer — die Qualität reicht nur voraussichtlich nicht für die Bundesliga. Verlässt man sich gegen einen solchen Gegner nur auf die Qualität, wirds schwierig.
Und was machen wir jetzt mit dem Ergebnis? Weitermachen! Der VfB konnte oben nicht zum großen Sprung ansetzen, rutscht aber auch nicht ab. Ärgerlich ist, dass man die Punktverluste fast aller Konkurrenten nicht nutzen konnte. Am Donnerstag und am Sonntag hat man aber vor eigener Kulisse die Möglichkeit, sich ergebnistechnisch und tabellarisch wieder zu rehabilitieren. Vielleicht diesmal, ohne den Gegner nach früher Führung wieder mit ins Spiel zu holen. Am Ende ist eine Bewertung dieses Spiels am Ende gar nicht so schwierig: Nichts passiert, neuer Anlauf.
Zum Weiterlesen: Der sehr interessante Reisebericht aus Glasgow beim Vertikalpass.
Titelbild: © Sebastian Widmann/Getty Images









































