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·26. Januar 2026
Sechs Milliarden Umsatz ersetzen keine Tore in der Champions League

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Der deutsche Profifußball erzielt 6,33 Milliarden Euro Umsatz. Trotz stabiler Finanzen wächst die Liga langsamer als England und Spanien.
Der deutsche Profifußball hat eine neue Rekordmarke gesetzt. 6,33 Milliarden Euro Umsatz in einer Saison – das ist beeindruckend, keine Frage. Die Bundesliga knackt erstmals die Fünf-Milliarden-Grenze, die 2. Liga überspringt die Milliardenmarke. Ligapräsident Hans-Joachim Watzke spricht von starken Signalen in herausfordernden Zeiten. Doch bevor der Champagner fließt, lohnt ein nüchterner Blick auf die Zahlen.
Die Wachstumsraten sind solide. 7,9 Prozent mehr als in der Vorsaison, ein operativer Gewinn von 271,5 Millionen Euro. 13 Erstligisten und 15 Zweitligisten schreiben schwarze Zahlen, deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Das klingt nach einer Branche, die ihre Hausaufgaben gemacht hat. Und tatsächlich: Alle Bundesligisten weisen positives Eigenkapital aus, insgesamt 2,17 Milliarden Euro. Der deutsche Fußball steht finanziell stabiler da als viele europäische Konkurrenten.
Doch Stabilität ist nicht gleichbedeutend mit Wettbewerbsfähigkeit. Die Zahlen des FC Bayern verdeutlichen das Dilemma: 978,3 Millionen Euro Umsatz sind ein deutscher Rekord, aber im europäischen Vergleich nur Mittelmaß unter den Topklubs. Real Madrid, Manchester City, Paris Saint-Germain spielen in anderen finanziellen Dimensionen. Die Bundesliga wächst, aber sie wächst langsamer als die Konkurrenz in England und Spanien.
Der deutsche Profifußball verteilt seinen Reichtum breiter als andere Ligen. Das ist sozial verträglich, aber sportlich ein Handicap. Die 2. Liga mit ihrem Rekordwachstum von 13,1 Prozent profitiert vom Solidarprinzip der DFL. Gleichzeitig fehlt den deutschen Spitzenklubs das Kapital, um im europäischen Transfermarkt mitzuhalten.
Watzke betont den gesellschaftlichen Effekt: 1,7 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben, über 64.000 Arbeitsplätze. Das sind Argumente, die in politischen Debatten zählen. Doch sie ersetzen keine sportliche Strategie. Die Frage bleibt, wie der deutsche Fußball seine wirtschaftliche Substanz in internationale Wettbewerbsfähigkeit umwandeln will.
Die Rekordzahlen sind ein Erfolg der Vergangenheit. Sie dokumentieren volle Stadien, steigende Sponsoreneinnahmen und einen funktionierenden Ligabetrieb. Für die Zukunft braucht es mehr. Der deutsche Profifußball muss entscheiden, ob er weiterhin der solide Mittelständler Europas sein will oder ob er bereit ist, größere Risiken einzugehen. Sechs Milliarden Euro sind eine beeindruckende Zahl. Aber sie garantieren keinen einzigen Titel in der Champions League.









































