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·22. Juni 2026
Senegal vor dem Finale: Ein Verband lässt seine Stars im Stich

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Aberkannter Afrika-Cup-Titel, offene Prämien, Vertragsstreit um Trainer Thiaw: Senegal geht mit Problemen ins WM-Schlüsselspiel gegen Norwegen.
Senegal hat sich diese Weltmeisterschaft anders vorgestellt. Nach dem 1:3 zum Auftakt gegen Frankreich steht die Mannschaft um Sadio Mané sportlich unter Druck, und am Dienstag um 2.00 Uhr MESZ wartet Norwegen. Nationaltrainer Pape Thiaw nennt die Partie selbst ein „Finale". Wer bei dieser Wortwahl bleibt, sagt damit auch: Ein weiterer Ausrutscher, und der Weg ins Sechzehntelfinale wird sehr eng.
Was diese Lage besonders macht, ist nicht die Tabellensituation. Die kennt man, mit der lebt jede Mannschaft, die ihr Auftaktspiel verliert. Bemerkenswert ist die Geräuschkulisse, die das senegalesische Team auf dem Weg in dieses Spiel begleitet. „Es gab einige Schwierigkeiten, aber wir Spieler und das Trainerteam konzentrieren uns auf das Spiel gegen Norwegen", sagt Thiaw. Die Probleme seien „intern geregelt". Sätze, die man so nur sagt, wenn vorher etwas nicht intern war.
Die Liste ist lang. Der Titel als Afrikameister wurde Senegal am Grünen Tisch aberkannt. Die Prämien für den Afrika-Cup sollen den Spielern noch nicht ausgezahlt worden sein. Ein langjähriger Betreuer gehört nicht zur Delegation, und im Hotel in New Jersey sind die Profis mit dem Essen so unzufrieden, dass sie sich Mahlzeiten von außerhalb bestellen. Jeder einzelne dieser Punkte wäre für sich genommen verkraftbar. In Summe ergeben sie das Bild eines Verbandes, der seine Mannschaft nicht so vorbereitet hat, wie es das Turnier verlangt.
Dazu kommt der Trainer selbst. Thiaw hat seit seinem Vertragsende im Februar offenbar ohne Kontrakt gearbeitet. Erst jetzt, mitten im Turnier, gibt er bekannt, sich mit dem senegalesischen Verband geeinigt zu haben. Die Vertragssache sei „geklärt", Einzelheiten nennt er nicht. „Es hat zu lange gedauert, aber es ging nie um Geld, sondern vielmehr um Prinzipien und Respekt." Ein Cheftrainer, der bei einer WM seinen eigenen Vertragsstatus klären muss, sagt mehr über die Strukturen aus als jede Pressemitteilung.
Man muss sich das vor Augen führen: Senegal ist kein Außenseiter, der zum ersten Mal dabei ist. Senegal ist ein Land, das sich in den vergangenen Jahren als feste Größe im afrikanischen Fußball etabliert hat, mit Spielern in den größten europäischen Ligen, mit Mané als Identifikationsfigur. Wenn ausgerechnet diese Mannschaft kurz vor einem entscheidenden Gruppenspiel über Hotelessen und ausstehende Prämien sprechen muss, dann hat das nichts mit Pech zu tun. Dann hat ein Verband seine Hausaufgaben nicht gemacht.
Sportlich wartet mit Norwegen ein Gegner, der einen Unterschied macht – auch wenn Thiaw den Namen Erling Haaland nicht ausspricht und sich auf die Partie als Ganzes konzentriert. „Es wird ein schwieriges und wichtiges Spiel. Für uns ist es ein Finale. Wir dürfen uns keinen Fehler mehr erlauben und müssen die Punkte holen, wenn wir das Sechzehntelfinale erreichen wollen", sagt der Trainer. Das ist der Auftrag, und er ist klar formuliert.
Die Frage ist nur, mit welchem Kopf eine Mannschaft in ein solches Spiel geht, deren Umfeld in den vergangenen Wochen und Monaten in vielen kleinen Punkten signalisiert hat: Wir kriegen das nicht zusammen. Profis können viel ausblenden. Aber alles ausblenden können sie nicht. Am Dienstag in der Nacht wird man sehen, wie viel Senegal davon im Strafraum noch dabei hat – und wie viel im Hotel geblieben ist.







































