So erlebte ein ehemaliger Liverpool-Spieler Klopp | OneFootball

So erlebte ein ehemaliger Liverpool-Spieler Klopp | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: Fussballnationalmannschaft.net

Fussballnationalmannschaft.net

·24. September 2026

So erlebte ein ehemaliger Liverpool-Spieler Klopp

Artikelbild:So erlebte ein ehemaliger Liverpool-Spieler Klopp

Robertson über Klopp: Jürgen Klopp prägte Andy Robertson nicht nur mit seiner Spielidee. Der ehemalige FC-Liverpool-Profi erinnert sich im Podcast Stick to Football (Episode 150) vor allem an einen Trainer, der schon beim ersten persönlichen Treffen schnell eine Verbindung zu seinen Spielern aufbaute, im Training jedes Detail beobachtete und seine Mannschaft mit hoher Intensität auf die Belastungen einer Saison vorbereitete.

LIVERPOOL, ENGLAND – 11. Dezember 2021: Jürgen Klopp feiert mit Andrew Robertson den Sieg des FC Liverpool gegen Aston Villa in der Premier League an der Anfield Road. (Foto: Clive Brunskill/Getty Images)


OneFootball Videos


Jürgen Klopp prägte Andy Robertson nicht nur mit seiner Spielidee. Der ehemalige Liverpool-Profi erinnert sich vor allem an einen Trainer, der schon beim ersten persönlichen Treffen schnell eine Verbindung zu seinen Spielern aufbaute, im Training jedes Detail beobachtete und seine Mannschaft mit hoher Intensität auf die Belastungen einer Saison vorbereitete.

  • Robertson erinnert sich an Klopp als Trainer, der schnell persönliche Nähe zu seinen Spielern aufbaute.
  • Im Training war Klopp präsent, detailgenau und forderte hohe Intensität.
  • Seine Trainingsmethoden passte er mit der Zeit an die Mannschaft und ihre Belastbarkeit an.
  • Auch bei der Rotation setzte Klopp gezielt auf Belastungssteuerung.
  • Taktisch vertraute Klopp stark auf die eigene Spielidee und deren konsequente Umsetzung.
  • Bei der Kommunikation setzte er eher auf wenige, dafür ausführliche Mannschaftsbesprechungen.

Klopp wollte zuerst den Menschen kennenlernen

Als Robertson 2017 von Hull City zum FC Liverpool wechselte, war der Transfer für ihn selbst keineswegs selbstverständlich. Liverpool hatte zwar Interesse signalisiert, doch Robertson hielt den Schritt zunächst für zu groß. Erst als Klopps Chefscout seinen Berater mit der Nachricht kontaktierte, dass der Trainer ihn persönlich kennenlernen wolle, änderte sich die Situation.

Das Treffen fand bei Klopp zu Hause statt und dauerte nach Robertsons Erinnerung rund zwei bis zweieinhalb Stunden. Über Fußball wurde dabei vergleichsweise wenig gesprochen. Klopp interessierte sich vielmehr für Robertsons Herkunft, seine Familie und seinen bisherigen Lebensweg. Auch der Trainer erzählte von seiner eigenen Vergangenheit.

Robertson erkannte dabei Parallelen zwischen beiden Biografien. Klopp berichtete unter anderem, dass er während seiner Zeit bei Mainz mehrere Jobs angenommen hatte, weil das Geld als Spieler nicht ausgereicht habe. Robertson hatte ebenfalls keinen klassischen Weg in den Profifußball genommen. Nach seiner Darstellung entstand dadurch schnell eine persönliche Verbindung.

Gerade diese Begegnung ist für Robertson bis heute ein wichtiger Eindruck von Klopp. Er beschreibt den Trainer als jemanden, bei dem man sich schon nach kurzer Zeit das Gefühl verschaffen konnte, ihn als Menschen zu kennen. Nach dem Gespräch habe Klopp intern offenbar schnell deutlich gemacht, dass Robertson sein linker Verteidiger werden solle.

FOXBOROUGH, MASSACHUSETTS – 13. JUNI: Andy Robertson (#3) aus Schottland applaudiert den Fans nach dem 1:0-Sieg seiner Mannschaft im Spiel der Gruppe C der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Haiti und Schottland im Boston Stadium am 13. Juni 2026 in Foxborough, Massachusetts. (Foto: Buda Mendes/Getty Images)

Im Training war Klopp ständig präsent

Robertson erlebte Klopp anschließend nicht als Trainer, der die Mannschaft auf dem Trainingsplatz einfach sich selbst überließ. Bei der Vorbereitung auf die Spiele übernahm Klopp nach Robertsons Erinnerung die Verantwortung für die entscheidenden Bereiche. Zu Wochenbeginn konnte dabei auch Pep Lijnders die Einheiten leiten, Klopp beobachtete jedoch genau, was auf dem Platz passierte.

Wenn ihm etwas nicht gefiel, unterbrach er die Einheit. Umgekehrt reagierte er laut Robertson auch sehr deutlich, wenn er eine Aktion oder einen Ablauf besonders gut fand. Klopp war damit auch im Training unmittelbar präsent und beschränkte sich nicht auf die Rolle des Trainers, der lediglich die Übung vorgibt.

Diese Präsenz passte zu einer Arbeitsweise, die Robertson als ausgesprochen intensiv beschreibt. Gerade die Vorbereitung unter Klopp sei körperlich fordernd gewesen. Robertson erinnert sich an Triple-Sessions in der Saisonvorbereitung. Besonders im Gedächtnis blieb ihm ein Spiel gegen Napoli in Edinburgh: Liverpool war zuvor aus Frankreich angereist und hatte am Tag vor der Partie drei Trainingseinheiten absolviert.

Für Robertson steckte dahinter eine klare Idee. Klopp wollte wissen, ob seine Spieler auch dann noch leistungsfähig waren, wenn die Beine bereits schwer waren. Wer eine solche Belastung verkraftete, sollte später auch mit drei Spielen innerhalb einer Woche oder vier Partien in zehn Tagen zurechtkommen.

Robertson führt einen Teil des Erfolgs dieser Liverpool-Mannschaft genau darauf zurück. Die Mannschaft habe ihre Gegner mit ihrer Intensität immer wieder überlaufen können.

Klopp forderte viel, passte sich aber an

Die hohe Trainingsbelastung bedeutete nach Robertsons Darstellung nicht, dass Klopp dauerhaft nach demselben Muster arbeitete. In den ersten rund 18 Monaten habe es viele Muskelverletzungen gegeben, während sich die Spieler zunächst an die Anforderungen gewöhnen mussten. Robertson schildert, dass Klopp damals sinngemäß darauf bestanden habe, seine Spieler für diese Belastungen bereit zu machen.

Mit der Zeit habe sich die Mannschaft an das Niveau gewöhnt. Robertson zufolge standen anschließend häufiger die stärksten Spieler zur Verfügung. Gleichzeitig betont er, dass unterschiedliche Spielergenerationen auch unterschiedliche Anforderungen mitbringen. Aus seiner Sicht müsse ein Trainer deshalb auf die Spieler reagieren, die er vor sich habe.

Robertson verbindet diese Anpassungsfähigkeit ausdrücklich auch mit Klopp. Gegen Ende dessen Liverpool-Zeit habe sich die Herangehensweise an Belastungssteuerung weiterentwickelt. Für Robertson zeigt das, dass auch ein Trainer mit einer extrem intensiven Arbeitsweise seine Methoden an veränderte Rahmenbedingungen anpassen müsse.

HERZOGENAURACH, DEUTSCHLAND – 22. September 2026: Bundestrainer Jürgen Klopp spricht während des Trainings der deutschen Nationalmannschaft im Homeground mit der Mannschaft. (Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Überraschende Wechsel gehörten zu Klopps Belastungssteuerung

Robertson nennt noch einen anderen Punkt, den er bei Klopp besonders schätzte: den Umgang mit der Belastung während einer englischen Saison. Wenn mehrere Spiele innerhalb kurzer Zeit anstanden, habe Klopp nicht einfach immer dieselbe Elf durchgezogen.

Stattdessen habe er teilweise überraschend drei oder vier Spieler ausgetauscht. Robertson nennt unter anderem Divock Origi und Xherdan Shaqiri sowie Veränderungen im Mittelfeld. Auch er selbst oder Trent Alexander-Arnold konnten dabei aus der Mannschaft genommen und später wieder eingesetzt werden.

Aus Robertsons Sicht sorgten diese Wechsel dafür, dass frische Spieler die Mannschaft in entscheidenden Phasen tragen konnten. Gerade bei der hohen Intensität des Liverpooler Spiels sei das ein wichtiger Bestandteil gewesen, um über eine komplette Saison leistungsfähig zu bleiben.

Klopps Fußball folgte einem klaren Plan

Auch taktisch beschreibt Robertson Klopp als Trainer mit einer sehr klaren Grundidee. Auf die Frage nach Klopps taktischer Arbeit bezeichnet er dessen Ansatz sinngemäß als eine Art Blaupause für das Gewinnen eines Fußballspiels.

Entscheidend war dabei offenbar weniger, den Gegner mit immer neuen taktischen Varianten auszumanövrieren. Klopp stellte vielmehr die eigene Mannschaft in den Mittelpunkt. Die Spieler sollten ihre Abläufe so konsequent umsetzen, dass der Gegner ihnen nicht standhalten konnte.

Robertson beschreibt das anhand des Pressings und der Spielweise: Wenn Liverpool die eigenen Vorgaben umsetze, aggressiv presse und die richtigen Abläufe finde, sollte die Mannschaft das Spiel gewinnen können. Die Vorbereitung richtete sich deshalb nicht ausschließlich auf die Stärken des jeweiligen Gegners.

Robertson macht dabei einen deutlichen Unterschied zu Arne Slot. Unter Klopp habe Liverpool seine grundsätzliche Spielweise vergleichsweise wenig verändert. Die Mannschaft habe darauf vertraut, mit ihrer eigenen Qualität und ihren Abläufen jedes Team schlagen zu können. Slot habe dagegen stärker von Spiel zu Spiel angepasst und beispielsweise verändert, welcher Spieler in bestimmten Situationen abkippte oder breit blieb.

Jürgen Klopp, Trainer von FC Liverpool. AFP PHOTO / OLI SCARFF

Ein langer Termin statt täglicher Besprechungen

Auch in der Kommunikation mit der Mannschaft gab es einen klaren Unterschied zu Slot. Robertson erinnert sich daran, dass Klopp nicht jeden Tag lange Mannschaftsbesprechungen angesetzt habe.

Stattdessen gab es vor einem Spiel eine längere Sitzung von ungefähr 40 Minuten. Dort wurden der eigene Plan, der Gegner und Standardsituationen behandelt. Slot setzte dagegen auf tägliche, dafür kürzere Besprechungen von etwa zehn bis 15 Minuten.

Für Robertson war Klopps Ansatz eng mit dessen grundsätzlicher Philosophie verbunden: Liverpool sollte sich nicht permanent mit dem Gegner beschäftigen, sondern vor allem die eigene Spielidee auf den Platz bringen. Die Mannschaft sollte davon überzeugt sein, dass sie mit ihrem eigenen Fußball erfolgreich sein konnte.

So entsteht aus Robertsons Erinnerungen ein ziemlich konkretes Bild von Klopp: ein Trainer, der auf persönlicher Ebene schnell Nähe herstellen konnte, im Training jedes Detail beobachtete und hohe körperliche Anforderungen stellte. Gleichzeitig setzte er auf eine klare eigene Spielidee und vertraute darauf, dass seine Mannschaft diese unter maximaler Intensität immer wieder durchsetzen konnte.

Impressum des Publishers ansehen