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·2. Juli 2026
Spanien vs. Österreich: Der Europameister vor einer heiklen Aufgabe

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Dank des dramatischen Ausgleichstreffers von Sasa Kalajdzic gegen Algerien feierte Österreich in allerletzter Sekunde den Einzug in das Sechzehntelfinale. Allerdings trübte der Blick auf den kommenden Gegner die Freude sofort ein wenig. Um 21:00 Uhr deutscher Zeit trifft das ÖFB-Team im SoFi Stadium in Los Angeles auf Spanien. Der amtierende Europameister gilt als einer der großen Favoriten auf den Titel, tat sich in der Gruppenphase jedoch nicht immer leicht. Die Vorschau zum Spiel.
Ohne jede Frage gehen die Südeuropäer als Favorit in die Partie. Wettbewerbsübergreifend ist die Mannschaft von Luis de la Fuente seit 34 Pflichtspielen ungeschlagen und hat bei diesem Turnier noch kein einziges Gegentor kassiert. Doch auch die Spanier dürften sich gedacht haben, dass Österreich vielleicht nicht der bequemste Gegner im Sechzehntelfinale ist. Angetrieben von der Euphorie aus dem letzten Gruppenspiel besitzt die Mannschaft von Ralf Rangnick viele Qualitäten, die Spanien wehtun können.
Das Grundmuster der Spanier ist bekannt und auch bei diesem Turnier erneut gut zu erkennen. De la Fuente will Kontrolle, Geduld und defensive Stabilität. Spanien hat in der Gruppenphase keinen Gegentreffer kassiert und kann für das Sechzehntelfinale personell fast aus dem Vollen schöpfen. Lamine Yamal ist wieder voll belastbar, auch Victor Munoz und Nico Williams sind einsatzbereit. Lediglich Yeremy Pino fehlt. Damit kann der Weltmeister von 2010 nicht nur auf eine starke Startelf, sondern auch auf eine hervorragend besetzte Bank zurückgreifen.
Doch warum wirkt der spanische Fußball derzeit nicht ganz so dominant wie noch 2024? Vor allem im letzten Drittel gibt es Fragezeichen. Spanien muss seine Kontrolle konsequenter in Tore ummünzen. Gegen Kap Verde dominierte man, traf aber nicht. Auch beim 1:0 über Uruguay war der offensive Vortrag eher mau, sodass am Ende ein knapper Sieg stand. Lediglich gegen eine überforderte saudi-arabische Hintermannschaft erspielte sich Spanien Chance um Chance. Für Österreich gibt das Grund zur Hoffnung. Wenn sich die Mannschaft von Luis de la Fuente lange an einem kompakten Gegner die Zähne ausbeißt, wird das Spiel nach und nach offen. Und offene Spiele sind genau jene, in denen Rangnicks Mannschaft gefährlich werden kann.
Der wichtigste Einzelspieler auf Seiten der Spanier ist ohne jede Frage Lamine Yamal. Rangnick hat vor dem Spiel selbst gesagt, dass Österreichs Chancen wesentlich davon abhängen, wie gut es gelingt, den 18-Jährigen aus dem Spiel zu nehmen. Yamal ist der Schlüssel gegen tiefstehende Mannschaften, am Ball sowie im Dribbling unberechnenbar und mit seinem linken Fuß auch aus der Distanz brandgefährlich.
Österreich wird sich indes nicht in die glasklare Underdog-Rolle begeben. Kapitän David Alaba hat vor der Partie ausdrücklich betont, dass Österreich nicht nach Los Angeles reist, um sich nur hinten reinzustellen. Und das passt auch nicht zu Rangnick. Seine Mannschaft lebt von Intensität, Gegenpressing, direkten Wegen und einem klaren Glauben an die eigene Idee. In der Gruppenphase erzielte Österreich sechs Tore und damit sogar eines mehr als Spanien. Diese Mannschaft hat also genug Offensivkraft, um nicht nur auf Schadensbegrenzung aus zu sein.

Foto: Getty Images
Das ÖFB-Team wird auf Umschaltsituationen lauern. Österreich wird phasenweise tief und kompakt verteidigen müssen, dann aber in die offenen Räume stoßen wollen. Mit Wimmer, Wanner und Sabitzer verfügt Rangnick über Offensivspieler, die solche Fehler Spaniens bestrafen können. Im ersten Spiel gegen Topfavorit Argentinien klappte diese Herangehensweise noch nicht besonders gut. Zu lethargisch verteidigte Österreich gegen Messi und Co. Mittlerweile dürfte die Mannschaft aber wissen, was sie auf diesem Niveau erwartet. Und nach Hause fahren möchte bekanntlich noch keiner.
Ein entscheidender Aspekt wird zudem die körperliche Komponente sein. Österreich bringt viel Präsenz in direkte Duelle, arbeitet gegen den Ball aggressiv und wird auf ein sehr emotionales Spiel aus sein. Wenn es gelingt, Spaniens Passrhythmus zu stören und die Partie in viele kleine, umkämpfte Szenen zu zerlegen, wächst die Chance auf einen Abend, an dem der Favorit ins Straucheln geraten kann. Auf spanischer Seite dürfte man dabei zwangsläufig an das Ausscheiden 2022 gegen Marokko zurückdenken.
Ein Problem für Österreich ist allerdings ein schwerwiegender personeller Rückschlag. Außenverteidiger Philipp Mwene fehlt nach einer Verletzung im Training, gerade gegen Spaniens gefährliches Flügelspiel schmerzt der Ausfall enorm.
Der Schlüssel aus österreichischer Sicht liegt wohl in zwei Punkten: Lamine Yamal möglichst aus dem Spiel nehmen und das Duell lange offen halten. Je länger Spanien trotz klarer Spielkontrolle für zu wenig Torgefahr sorgt, desto größer wird die Chance auf ein Spiel, in dem Rangnicks Kernqualitäten zur Geltung kommen. Ein Spiel mit vielen zweiten Bällen, hohem emotionalem Pegel, aggressiven Pressingmomenten und vielleicht genau jener einen Situation, die dem Favoriten wehtun könnte.
Am Ende spricht natürlich vieles für Spanien. Die größere technische Qualität, der nahezu komplette Kader, die defensive Stabilität und die individuelle Klasse machen die Mannschaft von de la Fuente zum klaren Favoriten. Aber Österreich ist kein klassischer Underdog, sondern eher ein unangenehmer Herausforderer, der auf ein zähes, enges und womöglich sehr langes K.o.-Spiel aus sein wird.
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