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·21. September 2026
Standbilder auf dem Podium, „Madrid ist rot-weiß“ im Netz: Wie Mourinho und Atlético das Derby nach dem Abpfiff weiterspielen

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·21. September 2026

Madrid. José Mourinho kam mit Papier zur Pressekonferenz. Standbilder aus dem Derby, ausgedruckt, hochgehalten vor den Kameras: Cristian Romero, der Jude Bellingham auf den Fuß tritt. Kang-in Lee, der Federico Valverde auf den Fuß steigt. „Die Geschichte des Spiels ist hier“, sagte er. Vier Minuten lang redete er über den Schiedsrichter, gratulierte dem Schiedsrichterkomitee in einem Ton, den Yahoo „facetious“ nannte, und beendete den Auftritt mit: „Wir können diese Pressekonferenz jetzt beenden.“ Real Madrid hatte gerade 1:2 bei Atlético verloren. Das Spiel war vorbei. Das Derby nicht.
Nach torloser erster Halbzeit entschied eine Szene kurz nach der Pause alles: Dean Huijsen hielt Giuliano Simeone im Strafraum, Schiedsrichter Miguel Ángel Ortiz Arias zeigte Gelb und Elfmeter. Der Videoassistent rief ihn an den Bildschirm, aus Gelb wurde Rot (52.). Alejandro Grimaldo verwandelte, Jonathan David erhöhte in der 59. Minute, Antonio Rüdiger verkürzte spät. Atlético ist Zweiter, Real sechs Punkte hinter Barcelona.
Mourinhos Argument: In der ersten Halbzeit hätten Romero und Lee vom Platz gemusst, und der VAR habe nur bei einer der Szenen eingegriffen – bei der, die Real schadete. „Ein Schiedsrichter, der mit 41 nicht international ist, wird kein großer Schiedsrichter sein“, sagte er, „und dann ist der Arme gekommen und hat dem Druck nicht standgehalten.“ Über den VAR-Referee: „Herr Trujillo hat ihn zur ersten Roten gerufen und nicht zur zweiten, die noch schwerwiegender ist.“
Mourinho war nicht allein. Der Klub veröffentlichte auf seiner Website und in den sozialen Netzwerken einen Spielbericht mit der Überschrift „Ein katastrophales Schiedsrichterurteil entscheidet das Derby“. Real Madrid TV legte mit einem Video nach, das die strittigen Szenen zusammenschnitt – inklusive eines Moments, in dem Ortiz Arias nach dem Lee-Tritt auf Valverde mit dem Spieler spricht: „Er stellt den Spieler von Atlético nicht vom Platz und lacht dazu noch.“ El Debate beschreibt den Kanal als das gewohnte Werkzeug des Klubs, diesmal aber eingesetzt „auf alle Arten, die möglich waren“.
Bemerkenswert ist ein Detail aus dem spanischen Kontext: Ortiz Arias war der erste Schiedsrichter aus dem Madrider Regionalverband, der je ein Derby leiten durfte.
Diego Simeone ließ sich auf keine Schiedsrichterdiskussion ein, sondern zielte auf den Ton. „Ich respektiere immer, was andere sagen“, begann er. „Aber wir sind in einer privilegierten Position mit sehr großer Öffentlichkeit. Egal ob man Mourinho, Flick, Pellegrini oder Simeone heißt – wir müssen aufpassen, was wir sagen, und wissen, den Schiedsrichter und die Kollegen zu respektieren. Verlieren tun wir alle. Aber wenn man diese Linie des Respekts verlässt, geht nicht alles.“ Und dann, trocken: „Nach 15 Jahren, in denen es schwer war, Madrid zu schlagen, haben wir es zu Hause wieder geschafft.“
Der deutlichste Konter kam von Romero, dem Mann auf Mourinhos Standbild. Auf Instagram schrieb er: „Stolz, Einsatz und ganz viel Herz dieser Mannschaft. Madrid ist rot-weiß.“ Und, so zitiert ihn CNN: „Niemand soll versuchen, die Aufmerksamkeit abzulenken.“ Er nannte weder Mourinho noch Real. Er musste es nicht.
Dass der Streit sich so schnell ins Netz verlagert, hat Vorgeschichte. Im Februar 2025, damals noch gegen Carlo Ancelotti, hatte Real in einem vierseitigen Brief an den Verband eine „komplette Erneuerung des Schiedsrichtersystems“ gefordert. Atléticos Social-Media-Team reagierte mit einer Grafik im Stil einer IKEA-Bauanleitung: „Grundlegende Anleitung für das Derby“ – Schritt eins: den eigenen TV-Kanal nutzen, um Schiedsrichter unter Druck zu setzen. Einen Tag später folgte „Seite 2“, dazu ein ironischer Beileidspost an die Schiedsrichter und ihre Familien. Ancelotti musste auf der Pressekonferenz antworten: „Mir ist nicht bekannt, dass Real Madrid die Schiedsrichter unter Druck setzt.“
Anderthalb Jahre später ist die Rollenverteilung dieselbe, nur der Trainer ist ein anderer. Real klagt, Atlético spottet – diesmal über Spieler statt über den Account. Und Mourinho, der seine Karriere lang Pressekonferenzen als zweites Spielfeld genutzt hat, trifft auf einen Gegner, der dieses Spiel inzwischen ebenfalls beherrscht.
Sportlich hat Real ein Problem, das Mourinho nach dem Spiel selbst benannte, als er gefragt wurde, ob die Meisterschaft noch möglich sei: „Wenn sie uns in Ruhe lassen, ist noch Zeit.“ Es ist die zweite Niederlage in sieben Ligaspielen, sechs Punkte hinter einem Barcelona ohne Punktverlust, und die Länderspielpause bringt drei Wochen, in denen der Streit weiterlaufen wird. Atlético reist am 10. Oktober nach Alavés. Real Madrid TV wird bis dahin nicht schweigen.















