Stark im Detail, anfällig im Moment und ein Rekordjäger im Fokus
Kurz vor Weihnachten schrieb Vincenzo Grifo (32) Vereinsgeschichte: Mit seinem verwandelten Strafstoß beim turbulenten 4:3-Auswärtssieg in Wolfsburg erzielte der Deutsch-Italiener seinen 70. Bundesliga-Treffer für den SC Freiburg, zog an Nils Petersen vorbei und wurde alleiniger Rekordtorschütze der Breisgauer.
Dass der Mittelfeldmann seinen Meilenstein im Dress mit der „18“ – der Rückennummer seines Vorgängers Petersen – feierte, passte ins Bild. Kein großes Auftrumpfen, vielmehr ein stiller Respekt vor dem Gewesenen.
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Und doch ist klar: Vincenzo Grifo ist längst das Gesicht dieser Freiburger Mannschaft – sportlich prägend, symbolisch gewachsen.
Wie in vier der vergangenen fünf Spielzeiten ist der 32-Jährige auch in dieser Saison der beste Torschütze des Sport-Clubs. Sechs Treffer stehen in der Bundesliga bislang zu Buche, hinzu kommt eine Vorlage sowie eine einzigartige Präsenz bei Standardsituationen.
Beim Auswärtssieg vor Weihnachten in der Autostadt feierte der Routinier zudem seinen 100. Bundesliga-Sieg im SC-Trikot – als erst dritter Spieler der Vereinsgeschichte.
Sein 104. Pflichtspieltor gelang ihm wiederum am vergangenen Wochenende gegen den HSV (2:1) und bringt ihn bis auf einen Treffer an den von Nils Petersen gehaltenen Vereinsrekord von 105 Pflichtspieltoren heran.
Dass Freiburg jedoch auch von der Bank zulegen kann, unterstreichen acht Joker-Tore in dieser Spielzeit. Zuletzt traf Igor Matanović nach seiner Einwechslung gegen den HSV – ligaweit kommt nur der FC Bayern auf einen besseren Wert. Zudem zählt der SC zu den Top-Teams beim Kreieren von Großchancen.
Wo der SC Freiburg statistisch herausragt
I) Standards als Markenzeichen
Freiburg ist die gefährlichste Standard-Mannschaft der Liga. Zwölf Tore nach ruhenden Bällen sind Bundesliga-Bestwert, mehr als ein Drittel aller Saisontore erzielten die Breisgauer nach einem Standard.
II) Ecken mit Torgarantie
Sechs Treffer nach Eckbällen bedeuten ebenfalls Platz eins. Die Mannschaft von Julian Schuster nutzt ihre einstudierten Abläufe konsequent und effizient.
III) Gefährlich in der Luft
Logische Konsequenz aus der Eckballstärke: 38 Abschlüsse per Kopf markieren den zweitbesten Wert der Liga. Freiburg sucht gezielt die Höhe, besonders nach Flanken und ruhenden Bällen.
IV) Fair – und oft gefoult
Die Freiburger begehen ligaweit die wenigsten Fouls und kassieren entsprechend die wenigsten Gelben Karten.
Gleichzeitig ist der SCF das Team, das am häufigsten gefoult wird – ein Hinweis auf sauberes Ballbesitzspiel und kluge Raumfindung.
Wo der SCF verwundbar ist
I) Probleme bei Flanken aus dem Spiel
Nur der VfL Wolfsburg (8) kassierte mehr Gegentore nach Flanken aus dem laufenden Spiel als die Breisgauer (6).
Bei scharfen Bällen, wie sie David Raum häufig vors gegnerische Tor bringt, offenbart die Mannschaft von Julian Schuster immer wieder Zuordnungsprobleme.
II) Wenig Tiefgang
Kein Team sprintet weniger pro Spiel. Auch bei intensiven Läufen in Spielrichtung gehört der SC Freiburg zum unteren Ligadrittel.
Der Ansatz: Kontrolle statt Umschaltspiel, Geduld statt Tempo. Zum Vergleich: Die Roten Bullen führen die Liga mit den meisten Sprints an.
III) Fehler im Spielaufbau
Kein Bundesligist kassierte mehr Gegentore nach Ballverlusten im eigenen Spielaufbau als der SCF (11).
Wird Freiburg hoch unter Druck gesetzt, können sich Räume für gefährliche Konter öffnen.
IV) Geringe Pressing-Ausbeute
Die Breisgauer erzielten ligaweit die wenigsten Tore nach schwerwiegenden Ballverlusten des Gegners – zwei Treffer sind ein klares Zeichen für zurückhaltendes Umschaltspiel und Fokus auf Struktur.